Haan/Hilden: Der Stadtwald ist Nolls Rückzugsort

Haan/Hilden : Der Stadtwald ist Nolls Rückzugsort

Die Bundestagsabgeordnete der CDU lebt in Haan und tritt bei der Wahl erneut direkt gegen Peer Steinbrück an.

Mit Grün kann Michaela Noll eine ganze Menge anfangen — sofern sich die Farbe auf ihre tatsächliche Umgebung und nicht auf die Parteienlandschaft bezieht. Der Lieblingsort der CDU-Bundestagsabgeordneten in ihrem Wahlkreis ist der Weg, der die Stadtgrenze zwischen Hilden und Haan markiert und direkt durch den Stadtwald führt. "Es entspannt mich vollkommen, hier morgens eine Runde zu drehen, gehend oder joggend durchs Grün", erzählt die 54-Jährige, die mit ihrer Familie in Haan lebt. 21 Wochen im Jahr kann sie das allerdings vergessen.

Das sind die Sitzungswochen in Berlin, es gibt eine Anwesenheitspflicht — und die muss Noll nicht nur selbst einhalten, sondern auch noch kontrollieren. Sie ist Parlamentarische Geschäftsführerin ihrer Fraktion und dazu gehört, dass sie weiß, wo die anderen sind. "Ich bin vielen Kollegen durch dieses Amt persönlich näher gekommen", sagt Noll, aber sie weiß auch, wie die Geschäftsführer in England genannt werden: Peitschen.

An diesem Morgen im Stadtwald, gleich vor der Segelflugwiese, hat die kleine, zierliche Anwältin nichts von einer Peitsche an sich. Sie erzählt, dass sie noch immer nicht genug hat vom Berliner Betrieb, dem sie seit 2002 angehört. 2005 gewann sie den Wahlkreis Mettmann I direkt — ein Erfolg, den sie 2009 gegen ihren Herausforderer Peer Steinbrück wiederholte. Jetzt, 2013, will sie es noch einmal wissen, "weil ich meine Heimat vertreten möchte", sagt sie, "und weil ich dabei unsere errungenen Erfolge vertiefen will." Dazu zählt sie das Bildungspaket für arme Familien und den Ausbau der Sprachförderung in den Kitas, aber auch die geringe Arbeitslosigkeit im Land. Noll ist sicher, dass es diesmal ungleich schwerer sein wird, gegen SPD-Mann Steinbrück hoch zu punkten. "Man darf nicht vergessen, dass Steinbrück als Kanzlerkandidat eine riesige Werbemaschinerie mit einem entsprechenden Etat hinter sich hat, während ich als einfache Abgeordnete meinen Wahlkampf selbst finanzieren muss." Viele Menschen, denen sie in Haan begegnet, könnten das kaum glauben, wahr sei es dennoch.

Apropos begegnen. Auf der Joggingstrecke durch den Stadtwald kommt Noll aus dem Grüßen nicht heraus. Alles Menschen, die sie hier immer sieht — und die sie sehen. Noll weiß, dass sie damit punkten kann, dass sie im Kreis Mettmann wohnt, während Steinbrück ihn zugewiesen bekommen hat. Sie weiß, dass sie auch mit ihrem bürgerlichen Profil punktet: Geld für Familien, Kitaplätze, bessere Bildungschancen, gute Rahmenbedingungen für die Wirtschaft, das sind ihre Schwerpunkte.

Vater war iranischer Senator und Minister

Geboren wurde Noll als Michaela Tadjadod in Düsseldorf; ihre Mutter ist Deutsche und lebt in der Landeshauptstadt, ihr Vater war iranischer Senator und Minister. Er floh 1979 aus seiner Heimat und starb kurz nach seiner Einreise in Deutschland. Die Tochter studierte Jura, legte alle Examen ab und begann, sich parteipolitisch zu engagieren. Heute lebt sie mit ihrem Mann, dem pensionierten Apotheker Eberhard Noll, und ihrem Sohn aus einer früheren Beziehung zusammen. Der 21-Jährige hat sich bei der Bundeswehr verpflichtet, kann vom Elternhaus aus pendeln und ist kürzlich wieder dort eingezogen.

Doch privat wird Michaela Noll nicht gerne, will ihre Familie nicht hineinziehen in den Wahlkampf. Schnell schwenkt sie auf die Arbeit zurück und auf die Herausforderungen im Kreis Mettmann. Die wichtigste in ihren Augen ist dabei der demografische Wandel. Gerade in Haan, der im Durchschnitt ältesten Kreisstadt, sei der Wandel sichtbar. "Wir müssen viel schneller darauf reagieren, müssen anders bauen, brauchen kürzere Wege", sagt Noll. Die Quartiersentwicklung in Langenfeld, die direkt auf diese Probleme eingeht, ist für sie vorbildlich, sie empfiehlt sie anderen Städten dringend zur Nachahmung.

Wie Landwirtschaft und der Flächenbedarf für Unternehmen zu einem Ausgleich kommen können und wie letztlich der Fachkräftemangel im Kreis Mettmann behoben werden kann — das zählt zu den weiteren Themen, die Noll am Ort wichtig sind und die es noch zu lösen gilt. Aber wohl nicht mit Grün: "Eine schwarz-grüne Bundesregierung kann ich mir nicht vorstellen", sagt Noll. "Die Grünen sind zu regulierungswütig." Geärgert habe sie sich zudem über deren Pädophilie-Debatte: "Sie räumen einfach nicht auf mit ihrer Vergangenheit — würden sich aber mit Hingabe auf jeden politischen Gegner stürzen, der sich so verhält, wie sie es gerade tun."

Michaela Noll grüßt noch ein paar Joggerinnen, wandert den Weg langsam zurück. Sie muss allmählich ins Auto steigen: Der nächste Wahlkampftermin wartet.

(RP)