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Haan: Der Sandbach erhält einen neuen Tunnel

Haan : Der Sandbach erhält einen neuen Tunnel

Die ersten 10 von 144 Metern eines mannshohen Betonrohres sind in den Untergrund gepresst. Im Dezember soll der Bach fließen.

Seit zwei Tagen läuft die Presse und schon sind zehn Meter Betonrohr unter dem Damm der Böttingerstraße verschwunden. "Wenn der Boden so unkompliziert bleibt, sind wir in zwei bis drei Wochen durch", sagt Klaus Bittermann, Ingenieur beim Tiefbauamt der Stadt Haan.

Guido Klein-Hitpass nickt. "Wir haben bisher Schutt, Glas, Pappe und auch ganze Bäume ausgegraben. Aber alles kein Problem", sagt der Bauführer der Firma Epping. Harald Buss, der für die Stadt Haan die Bauüberwachung übernommen hat, ergänzt: "Unsere Vorväter waren nicht zimperlich bei dem, was vergraben wurde."

Ob Straßen- oder Bahndamm mit dem früheren Güterbahnhof: Für beide ist das ursprüngliche Sandbachtal verfüllt worden. Der Bach verläuft seit mehr als 100 Jahren durch ein Rohr, das allerdings vielfach zusammengebrochen ist. Nicht einmal eine Roboter-Kamera passt mehr hindurch. Wahrscheinlich seit Jahrzehnten sickert Bachwasser in den Untergrund. Im letzten Drittel verläuft die alte Leitung mitten durch eine frühere Hausmülldeponie am Schiensbusch.

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Westlich der Böttingerstraße hat das beauftragte Fachunternehmen eine riesige, gut sieben Meter tiefe Grube ausgehoben. Die Wände sind mit Beton gegen Abrutschen gesichert. Am Fuß ist die Hydraulikpresse aufgebaut. Ein vier Meter langes Betonrohr — außen zwei, innen 1,60 Meter im Durchmesser — wird aufgelegt. Ein kleiner Bagger fährt hinein.

Ein Maschinenführer löst Erdreich und zieht es auf ein Förderband. Der Abraum fällt hinten in eine Lore, die hochgezogen und ausgeleert wird, sobald sie voll ist. "Wenn ein Baum, Beton oder sonst was im Weg ist, müssen wir notfalls mit Presslufthammer oder Kettensäge per Hand arbeiten", beschreibt Jörg Degeling den Einsatz. Er ist einer von fünf Mitarbeitern, die sich mit der Arbeit im Rohr abwechseln. Das Haaner Rohr, das dem Laien riesig erscheint, gilt für die Spezialisten als eher kleiner Vortrieb.

Mit bis zu 400 Tonnen Druck schieben die Hydraulik-Zylinder das Rohr in den Berg. Durch kleine Löcher in der Rohrwand geleitetes Bentonit senkt die Reibung. Gummiprofile an einem Rohrende rasten beim Zusammenschieben in Nuten des anderen Rohres ein und halten dauerhaft dicht. Das Bohrgerät wird per Computer, Kreiselkompass und elektronischer Schlauchwasserwaage millimetergenau auf seiner vorgegebenen Trasse geführt.

Der neue Rohrverlauf berührt an keiner Stelle die alte Deponie, erklärt Tiefbauamtsleiter Guido Mering, ist sogar deutlich kürzer als die frühere Leitung. Vermutlich ab Dezember wird der Sandbach in sein früheres Bett zurückkehren können. Bis dahin müssen die Arbeiter aber noch eine Menge leisten. Wenn das neue Rohr steckt, werden Ein- und Auslaufbauwerke betoniert und dann der Bach umgeleitet.

Rund 700 000 Euro investiert die Stadt Haan, um die Ordnungsverfügung des Kreises zu erfüllen, die desolate Bachverrohrung zu erneuern. Auch unterhalb der Hochdahler Straße müsste der Sandbach neu geleitet werden. Erste Überlegungen dazu haben begonnen.

(RP/ila)