Haan: Der Platz wird immer knapper

Haan : Der Platz wird immer knapper

Interview mit Wehrleiter Carsten Schlipköter und seinem Stellvertreter Mirko Braunheim. Sie zogen Bilanz aus 2006. Ein neues Fahrzeug mit viel Löschwasser ist in Dienst gestellt worden. Die Freiwillige Feuerwehr wartet auf neue Wache.

Die Freiwillige Feuerwehr hatte Freitag zum Neujahrsempfang eingeladen. Im Gespräch mit RP-Redakteur Ralf Geraedts zogen Wehrleiter Carsten Schlipköter und sein Stellvertreter Mirko Braunheim Bilanz.

Wie war 2006 für die Feuerwehr?

Schlipköter Ereignisreich. Schon allein wegen der Fußball-WM.

Da hatten Sie ein tolles Sommerfest mit der Übertragung der ersten Spiele. Aber der Bierausschank ist ja nicht ihr tägliches Geschäft.

Schlipköter Das nicht. Aber die Feuerwehren waren eingebunden in die Notfallpläne. Wenn es in den WM-Stadien zu schweren Unglücksfällen gekommen wäre, hätten wir ausrücken müssen. In den Plänen für den "Massenanfall von Verletzten" war genau festgehalten, wer, wann, wie ausrücken musste.

Braunheim Dazu passte auch im Frühjahr die größte Übung der Feuerwehren in den letzten zehn Jahren an der Regiobahn. Ansonsten war die Fußball-WM für uns die ruhigste Zeit. Deutschland — wirklich ein Sommermärchen.

Wie sah das Einsatzgeschehen im Vorjahr aus?

Braunheim Es gab 150 Brandeinsätze, 374 technische Hilfeleistungen, 1965 medizinische Notfälle und 3029 Krankentransporte. Statistisch gesehen, sind 15,2 Einsätze pro Tag gefahren worden.

Schlipköter Ein Schwerpunkt waren Unfälle auf der Autobahn. Mit umgestürzten Lastwagen oder Busbränden. Ein sehr schwieriger Fall war ein Silozug mit Kalk, bei dem durch einen Reifenbrand die Außenhaut des Aufliegers beschädigt wurde. Der herausrieselnde Kalk reagierte mit dem Löschwasser. Das hat uns fast die ganze Nacht in Anspruch genommen. Ein anderer Großeinsatz war der Brand im Bereich Kamphausen. Wir mussen Löschwasser über 700 Meter Schlauchleitung heranführen.

Gibt es auch an anderen Stellen in der Stadt solche Löschwasserprobleme und werden die abgestellt?

Schlipköter Das haben wir im Brandschutzbedarfsplan aufgegriffen. Die Konsequenz, die wir gezogen haben, steht jetzt ganz frisch in der Fahrzeughalle: Es ist ein Einsatzwagen mit Wechselcontainer, der mit 9000 Liter Wasser und Löschmitteln gefüllt ist.

Braunheim Der Wagen rückt bestimmt nicht zu einem Einsatz im Stadtkern als erstes mit aus. Aber gerade im Außenbereich und vor allem auf der Autobahn haben wir vielfach Tanklöschfahrzeuge anderer Wehren angefordert.

Mit dem Hilfeleistungsfahrzeug oder dem Hubsteiger haben Sie bereits besondere Fahrzeuge. Beschreiten Sie mit der Neuerwerbung wieder Neuland und setzen einen neuen Trend?

Schlipköter Wechsellader gibt es mehrere im Kreis. Wir sind, glaube ich, die ersten, die einen Wassercontainer nutzen. Andere Wehren überlegen sich diesen Schritt auch. Unsere Entscheidung fiel, weil das neue Fahrzeug mehr Wasser laden kann, flexibler zu nutzen ist und dazu noch deutlich kostengünstiger in der Beschaffung war.

Nur bei einem kleinen Teil der Einsätze alarmieren Sie per Sirene. Trotzdem hat man manchmal das Gefühl, Sie wollten sich für diese Art der Alarmierung rechtfertigen?

Schlipköter Viele ältere Menschen verbinden mit Sirenenalarm ungute Erinnerung an die Kriegszeit. Wir haben aber bei Einsätzen mit hohem Kräftebedarf schon technisch keine andere Möglichkeit als mit Sirene zu alarmieren.

Braunheim Von den 150 Brandeinsätzen waren 14 böswillige Alarmierungen. Also fast zehn Prozent, so viel wie noch nie! Dabei handelt es sich um den "Missbrauch von Notrufeinrichtungen". Jeder Fall wird sofort an die Polizei weitergegeben.

Wie steht es um das Personal?

Schlipköter Die hauptamtliche Wache zählt 28 feste Kräfte. Zusammen mit den Freiwilligen sind wir 114. Hinzu kommen 22 Mitglieder in der Jugendfeuerwehr. Wir müssen uns bewusst sein, dass die demographische Entwicklung auch die Feuerwehr einholt. Der Nachwuchs ist zahlenmäßig nicht mehr so stark wie früher. Die Stadt muss aufpassen, eine leistungsfähige Feuerwehr zu erhalten und das Interesse am Ehrenamt hochzuhalten.

In diesem Zusammenhang wurde vor vielen Jahren schon der Neubau der Feuerwache genannt. Wie steht es damit?

Schlipköter Wir hoffen, dass der Bauhof in diesem Jahr neu in der Ellscheid gebaut wird. Nach dem Umzug kann es hier im Gebäudekomplex losgehen. Die Planung müsste dazu 2007 laufen.

Braunheim Die Nachfragen aus dem Bereich der freiwilligen Feuerwehr häufen sich. Es kommt langsam Unmut auf. Denn seit den Beschlüssen zum Neubau sind vier Jahre verstrichen. In die Gebäude wird seither kaum noch investiert. Der Zustand ist wenig Ansporn, sich ehrenamtlich zu betätigen. Es muss wirklich etwas passieren!

Finden denn alle Fahrzeuge Platz in den Hallen?

Schlipköter Nein. Wir haben 18 Einsatzfahrzeuge und vier Anhänger. Es muss genau überlegt werden, welche Wagen draußen stehen können. Im Winter wird es gewiss kein Wagen mit Löschwasser sein. Aber auch Schutzanzüge dürfen nicht einfrieren, sonst könnten sie Schaden nehmen.

(RP)
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