Postskriptum Die Woche In Unserer Stadt: Der Jahresbeginn fordert mehr Rücksicht

Postskriptum Die Woche In Unserer Stadt: Der Jahresbeginn fordert mehr Rücksicht

Der Fall der ausgesetzten Welpen zeigt, dass gut gemeinte Initiativen sich letztlich ins Gegenteil verkehren können - wenn nicht ausreichend nachgedacht wird.

Wünsche zu einem guten Neuen Jahr eröffnen in diesen Tagen viele Gespräche, wenn sich Menschen treffen. Doch schon in der ersten Dekade des Jahres 2018 lief manches nicht so wie gedacht.

Der krasseste Fall ist sicherlich der der vier ausgesetzten Hundewelpen. Da gab eine Frau mit einem Anruf beim Tier- und Naturschutzverein vor, vier winzige Hunde in einem Korb am Altkleidercontainer Kalstert gefunden zu haben. Tierheim-Mitarbeiter sprangen sofort auf und kümmerten sich um die viel zu früh von der Mutter getrennten Fellknäuel. Und nur zwei Tage später stellt sich heraus, dass die Anruferin die Tiere illegal aus dem Ausland eingeführt hat. Falsch verstandene Tierliebe beschert vier jungen Hunden jetzt knapp vier Monate Quarantäne - ohne Kontakt zu Artgenossen, ohne Umweltreize und ohne nennenswerten Kontakt zum Menschen. Egal, wie gesund die Tiere diese Zeit überstehen, sie werden ihr Leben lang negativ beeinflusst sein von diesem katastrophalen Start in ihr Leben.

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Falsch verstandene Tierliebe ist ein Aspekt. Der Versuch, sich durch das Aussetzen der Tiere selbst aus der Verantwortung zu stehlen, ein ganz anderer. Er belastet andere mit Mühen und Arbeit (die Junghunde müssen derzeit alle drei Stunden gefüttert werden). Das ist rücksichtslos und kann am Ende sogar Vertrauen zerstören. Rücksichtnahme ist ab sofort auch in Wäldern nötig. Denn durch die neue Reitwegeverordnung NRW dürfen Reiter jetzt auch private Straßen und Waldwege nutzen. Eigentlich. Denn der Kreis Mettmann hat die Chance genutzt, durch eine so genannte Allgemeinverfügung die Reitbefugnis für bestimmte Gebiete - und dazu zählen auch die Waldflächen in Hilden und im Neandertal - wieder auf die alte Regelung zurückzusetzen. Für die Entscheider der Behörde war ausschlaggebend, dass ein Reiten auf Spazierwegen zu Konflikten führen könne. Die Landschaft in unserer Region hat schon jetzt einen großen Freizeitdruck zu verkraften. Da kollidieren die Ziele des Landschafts- und Naturschutzes mit den Interessen von Spaziergängern, Joggern, Radfahrern und Hundehaltern. In manchen Bereichen ist ein Höchstmaß an gegenseitiger Rücksicht gefragt, damit die Erholungssuche in der Natur nicht durch unnötige Konflikte getrübt wird. Sind dann noch Vierbeiner aus der Gattung Canis im Spiel, ist die Rücksicht am zweibeinigen Ende der Leine besonders gefragt.

ralf.geraedts@rheinische-post.de

(RP)