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Der Cabrio-Käfer war Kult

Hilden : Der Käfer als Cabrio war Kult

Das allererste Auto von Erich Creutz war ein VW Käfer Cabrio. Es war Liebe auf den ersten Blick. 14 Autos hat der Hildener schon gefahren, fünf davon waren Käfer-Cabrios. Der 76-Jährige hat aus seinen Autogeschichten sogar ein beeindruckendes Buch gemacht.

Erich Creutz hat die Geschichte seiner Mobilität genau dokumentiert: 1951 Tretroller „Wolf“. 1957 kaufte er seinem Meister ein gebrauchtes Fahrrad ab. 1959 machte er ein von Nachbarn geschenktes, defektes Moped (NSU Quickly) wieder flott. „Mein erstes Auto war ein VW Käfer mit 140.000 Kilometern auf dem Tacho und defektem Verdeck“, kann sich Creutz noch gut erinnern. Damals war er 18 Jahre jung und hatte gerade den Führerschein gemacht: „Es hat 1000 Mark gekostet und hatte das Kennzeichen D-DX 413. Ich habe an einer freien Tankstelle gejobbt und mir so das Geld verdient.“

Leider währte die Freude nur kurz. Wenige Wochen später fiel sein erstes Auto einem unverschuldeten Verkehrsunfall zum Opfer: Totalschaden. „Ich hatte mehrere Rippen und die Fingerwurzeln der rechten Hand gebrochen. Auch die rechte Kniescheibe war angeknackst.“

Erich Creutz’ zweiter Wagen war ein Fiat 500, der jedoch nach vier Jahren wegen fortschreitendem Rost auf dem Schrottplatz landete. Von Mai 1967 bis Anfang 1984 ist der Hildener nur noch VW Käfer Cabrio gefahren. „Wir haben damit den Rursee in der Eifel, den Tegernsee und Umgebung in Bayern, das Gutachtal im Schwarzwald, Österreich, Italien und Frankreich erkundet – mit einem kleinen Anhänger hinten dran.“

Cabrio und Anhänger waren für Transporte durchaus praktisch. Das zeigte sich, als die Familie 1974 in Hilden ein Haus baute. „In Düsseldorf-Lierenfeld gab es ein Angebot für Nut- und Federholzbretter mit sechs Meter Länge“, erinnert sich der Hildener an einen besonderen Materialtransport. Er legte die Bretter längs über das Cabrio und hinten in den Anhänger: „Gut, dass uns damals kein Polizist gesehen hat.“ 1978 schrottete ausgerechnet ein Fahrlehrer sein bildschönes, rotes Käfer-Cabrio; es war der Käfer Nummer fünf.

Ein neues Käfer-Cabrio sollte her: Doch das wurde nicht mehr gebaut. Auf dem Hof eines Autohändlers entdeckte Erich Creutz ein 1303-Cabrio: „Das hatte der Senior-Chef für seinen Junior erworben.“ Eigentlich war es unverkäuflich. Der astronomische Preis von 19.336 Mark sollte abschrecken.

Aber nicht Erich Creutz. „Nach langen Verhandlungen hatte ich Erfolg.“ Er bekam ein ganz besonderes Auto. „Richart-Tuning in Velbert hatte den Motor eingebaut und auf 60 PS gebracht. Dauergeschwindigkeit 135 km/h. Innen verfügte der Wagen über das volle Ausstattungspaket mit Radio, Verkehrsdecoder und Kassettenrekorder. Selbst eine Klima-Anlage war an Bord – bei VW der absolute Luxus.“ Am auffälligsten waren die „Porsche-Breitreifen mit ATS-Felgen“.

Das blieb nicht ohne Folgen. „Ich bin nie so häufig von der Polizei angehalten worden wie mit diesem Wagen“, erzählt Erich Creutz: „Alle Beamten haben immer gesagt: Alles in Ordnung. Dürfen wir mal einen Blick unter die Motorhaube werfen?“

„Ein Autobuch mit vielen schönen Erinnerungen“ hat der pensionierte Ingenieur sein Buch genannt. Er hat dort nicht nur viele persönliche Fotos zusammen gestellt, sondern auch zahlreiche historische Verkaufsprospekte („Die bekam man erst, wenn man den Kaufvertrag unterschrieben hatte“) sowie Konstruktionszeichnungen, die er sich bei VW besorgt hat. Das Werk würde jedem Käfer-Museum zur Ehre gereichen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der VW Käfer läuft und läuft und läuft