Denkmalschutz in Hilden: „Wir haben immer eine Lösung gefunden“

Denkmaltag : „Wir haben immer eine Lösung gefunden“

Gestern waren in Hilden zahlreiche Denkmäler geöffnet. Die Dipl.-Ing. Architektin leitet die Untere Denkmalbehörde der Stadt.

Wie viele eingetragene Denkmäler gibt es in Hilden?

Lieblings-Denkmal: Das „Wadhaus“ (Kalstert 51) wurde um 1900 als Café Restaurant mit Wohnung im Obergeschoss erbaut. In den 1920er Jahren sollen hier wilde Partys gefeiert worden sein. Foto: Zelger, Thomas

Herzfeld In Hilden gibt es derzeit 104 Baudenkmäler und ein Bodendenkmal. Von den 104 Baudenkmälern sind 26 Grabstätten auf dem Hauptfriedhof, die anderen 78 sind Gebäude. Dazu gibt es vier Denkmalbereiche und drei Straßenzüge, für die eine Erhaltungssatzung gilt.

Die Arbeiterwohlfahrt Bezirksverband Niederrhein hat die der ehemaligen Walzengravieranstalt Waldeck und Nacke aus dem Jahr 1852 an der Walder Straße 24/24a gekauft und zu einem Sozialzentrum umgebaut. Foto: Christoph Schmidt

Wie viele Gebäude stehen auf Ihrer Prüfliste?

Das alte Rathaus (heute Bürgerhaus Mittelstraße 40) wurde von 1899 bis 1900 mit neugotischer Sandsteinfassade erbaut. Der historische historischen Ratssaal aus der Entstehungszeit ist erhalten. Foto: Chr. Schmidt. Foto: Christoph Schmidt

Herzfeld Derzeit 50 Objekte. Sollten an diesen Gebäuden Veränderungen geplant sein oder ein Verkauf erfolgt, so werden diese kurzfristig durch die Untere Denkmalbehörde zusammen mit dem LVR-Amt für Denkmalpflege hinsichtlich eines Denkmalwertes untersucht.

Was ist der Unterschied zwischen Denkmal und Denkmalbereich?

Herzfeld Bezogen auf Gebäude ist definiert, dass Baudenkmäler aus baulichen Anlagen oder Teilen baulicher Anlagen bestehen. Der Denkmalbereich schützt Mehrheiten von baulichen Anlagen, und zwar auch dann, wenn nicht jede dazugehörige einzelne bauliche Anlage für sich ein Denkmal ist. Der Unterschied liegt darin, dass bei einem Baudenkmal in der Regel das gesamte Gebäude unter Substanzschutz steht. Das bedeutet, dass auch jede Veränderung im Inneren des Gebäudes eine Erlaubnis der Unteren Denkmalbehörde benötigt.

Und wie sieht es beim Denkmalbereich aus?

Herzfeld Beim Denkmalbereich geht es in erster Linie um den Erhalt und Schutz des Erscheinungsbildes. Die Denkmalbereiche  in Hilden schützen Straßenzüge und den historischen Stadtkern mit der Mittelstraße. Innerhalb des Denkmalbereichs sind Maßnahmen an der von außen sichtbaren Gebäudehülle und der Kubatur erlaubnispflichtig. Veränderungen im Gebäudeinneren oder auch an einer nicht einsehbaren Rückfassade bedürfen keiner Abstimmung mit dem Denkmalschutz.

  Wer kann ein Gebäude unter Denkmalschutz stellen lassen?

Herzfeld Einen Antrag auf Untersuchung des Denkmalwertes für ein Objekt kann prinzipiell jeder Bürger stellen. Dafür muss dieser nicht der Eigentümer des Gebäudes sein. Das Verfahren der Untersuchung und ggf. der Unterschutzstellung erfolgt dann ausschließlich zwischen den Denkmalbehörden und dem Eigentümer.

Wer entscheidet letztlich, ob ein Gebäude ein Denkmal wird oder nicht?

Herzfeld Die Denkmalliste wird grundsätzlich von der Unteren Denkmalbehörde der jeweiligen Gemeinde geführt. Zur geplanten Eintragung eines Objektes in die Denkmalliste ist das Benehmen mit dem LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland als Fachamt herzustellen. Die Entscheidung über die Eintragung liegt letztendlich beim Rat der Stadt Hilden nach Vorberatung im Stadtentwicklungsausschuss.

Was bedeutet Denkmalschutz für die Eigentümer? Welche Beschränkungen gibt es?

Herzfeld Denkmalschutz bedeutet Schutz der originalen Substanz vor Verlusten. Wenn ein Gebäude unter Denkmalschutz steht bedeutet dies in erster Linie, dass alle Veränderungen mit der Unteren Denkmalbehörde besprochen werden müssen. Auch müssen bei Sanierungsmaßnahmen Materialien und Techniken verwendet werden, die zum Gebäude passen und diesem langfristig nicht schaden. Für den Eigentümer bedeutet dies, dass durch die Beratung der Denkmalbehörden Maßnahmen verhindert werden, die zu Bauschäden führen würden. Maßnahmen wie eine Außendämmung mit modernen Dämmmaterialien oder ein Einbau von Kunststofffenstern führen in Baudenkmälern zu bauphysikalischen Problemen wie Schimmelbildung und sind von daher schon nicht möglich.

Hat Denkmalschutz auch Vorteile?

Herzfeld Finanzielle Vorteile hat der Denkmaleigentümer direkt durch die von der Stadt Hilden und dem Land NRW vorhandenen Fördermittel. Mit diesen Mitteln werden kleine Maßnahmen wie eine Fassadensanierung oder die Erneuerung von Holzfenstern und Türen gefördert. Die Stadt Hilden hat dieses Jahr dafür 4000 Euro  zur Verfügung, von denen 2000 Euro Landesmittel sind. Für größere Maßnahmen zum Substanzerhalt kann ein Förderantrag bei der Bezirksregierung gestellt werden. Darüber hinaus gibt es die erhöhte steuerliche Abschreibung für Sanierungsmaßnahmen an einem Baudenkmal, die von der Unteren Denkmalbehörde für das Finanzamt bescheinigt werden. Für Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen oder als besonders erhaltenswerte Bausubstanz betrachtet werden, können Ausnahmen von der Energieeinsparverordnung erteilt werden, das heißt hier müssen nicht alle Anforderungen des modernen Wärmeschutzes erfüllt werden

Wie reagieren Eigentümer, wenn Sie mit Ihnen zu tun bekommen?

Herzfeld Diese Frage kann ich natürlich nicht allgemein beantworten. Wenn die Eigentümer bereits Erfahrung im Denkmalschutz haben oder auch selber den Denkmalschutz angeregt haben, sind diese natürlich erfreut, wenn das Gebäude auch ein Baudenkmal werden kann. Eigentümer, die noch keine Berührung mit dem Denkmalschutz hatten befürchten, keinerlei Modernisierung oder Veränderungen mehr durchführen zu dürfen. Dies ist natürlich nicht der Fall, eine gemeinsame Lösung wurde in Hilden immer gefunden. Ein weiteres Vorurteil ist, dass dann die Behörden zu viel „mitreden“ werden und die Eigentümer nicht mehr frei über ihr Gebäude entscheiden dürfen. Richtig ist, dass mehr Maßnahmen abgestimmt werden müssen, jedoch sind die meisten Umbauarbeiten sowieso baugenehmigungspflichtig und müssen schon daher beantragt und genehmigt werden. Nach meiner Erfahrung in Hilden wird die Beratung durch die Denkmalbehörden gerne angenommen und positiv gesehen.

Musste die Stadt Hilden schon mal ein Gebäude gegen den Willen der Eigentümer zum Denkmal erklären?

Herzfeld In den letzten Jahren wurde mit verschiedenen zukünftigen Denkmaleigentümern über die Eintragung diskutiert. In den meisten Fällen konnten die Bedenken ausgeräumt werden und die Eintragung vollzogen werden. In einigen Fällen führte der Denkmalsschutz auch zum Verkauf des Gebäudes an Personen, die dem Denkmalschutz positiv gegenüber stehen. Das ein denkmalwertes Gebäude gegen den Willen des Eigentümers eingetragen wurde oder aufgrund des Widerstandes des Eigentümers die Eintragung nicht vollzogen wurde ist in den letzten 15 Jahren nicht geschehen.

Was ist für Se Hildens wichtigstes Denkmal?

Herzfeld Das Denkmalschutzgesetz sieht eine Klassifizierung in wichtige und weniger wichtige Denkmäler bewusst nicht vor. Auch für mich ist jedes Denkmal gleich wertvoll. Unstrittig ist jedoch, dass die romanische Reformationskirche mit dem umgebenden historischen Ortskern mit seinen  Fachwerkhäusern schon aufgrund ihres Alters und Zeugniswertes für Hilden am wichtigsten  sind.

Was war der größte Denkmal-Verlust für Hilden?

Herzfeld Ich finde es schade, dass aus der Zeit der Industrialisierung Ende des 19 Jh. in Hilden wenig Industriedenkmäler erhalten sind. Das liegt daran, dass diese Gebäude erst recht spät als Baudenkmäler betrachtet wurden. Daher waren in Hilden in diesem Bereich schon nicht mehr viele potentielle Denkmäler vorhanden. Auch wurden in den 1970er Jahren einige Fachwerkhäuser abgebrochen, die heute eindeutig unter Denkmalschutz stehen würden.

Welches Denkmal hat persönlich am meisten interessiert?

Herzfeld Das Denkmal mit meinem größten Interesse ist immer das, welches gerade saniert wird. Jedoch ist die Burgstelle Gut Hülsen mit seinen historischen Gebäuden um die alte massive Burg aus dem 17. Jahrhundert ein recht unbekanntes, jedoch sehr eindrucksvolles Denkmal in Hilden. Hier ist viel Geschichte erlebbar,  wodurch mir diese Gebäudegruppe besonders am Herzen liegt.

In welchem Hildener Denkmal würden sie warum am liebsten leben?

Herzfeld Ich lebe leider nicht in einem Denkmal. Besonders gut gefällt mir das zuletzt eingetragene Haus am Kalstert. Neben seiner wunderschönen Lage an der Itter hat das Gebäude eine sehr qualitätsvolle Architektur und Räumlichkeiten, in denen sich reizvoll ohne große Umbauten wohnen lässt.