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Interview mit der Leiterin der Agentur für Arbeit Mettmann: Den Traumjob nach der Orientierung finden

Interview mit der Leiterin der Agentur für Arbeit Mettmann : Den Traumjob nach der Orientierung finden

Die Leiterin der Agentur für Arbeit Mettmann gibt Jugendlichen Tipps, eine Ausbildungsstelle zu finden. Eine Bewerbung ist ganz wichtig.

Wie bewerbe ich mich richtig?

Ackerschott Am besten mit einer ordentlichen Bewerbungsmappe, die man persönlich abgibt. Entweder kann die Bewerbung das "i-Tüpfelchen" sein oder aber auch die ein oder andere schlechte Note wett machen. Außerdem ist es ganz wichtig, dass man sich vorher über das Unternehmen informiert hat, über Freunde, Internet, Broschüren. Erst einmal sollte der Bewerber einfach für sich selbst wissen, warum er sich gerade bei diesem Unternehmen bewirbt. Aber auch der zukünftige Arbeitgeber möchte schon über das Anschreiben in der Bewerbung erkennen, wie ernst es dem Jugendlichen mit seinem Betrieb und der konkreten Ausbildung ist.

Wie sieht die Lage auf dem Ausbildungsmarkt im Kreis Mettmann aus?

Ackerschott Rein rechnerisch müssen sich fast zwei Bewerber einen Ausbildungsplatz teilen. Die Betriebe haben uns bisher deutlich weniger Ausbildungsstellen gemeldet als letztes Jahr. Viele kleine und mittelständische Unternehmen sind sich noch nicht sicher, ob und wie viele Azubis sie einstellen wollen. Ich kann da nur appellieren und die Firmen vor dem Hintergrund von Demographie und beginnendem Fachkräftemangel immer wieder dafür sensibilisieren, in ihrem eigenen Interesse Fachkräfte im eigenen Haus zu "produzieren". Sonst wandern die jungen Menschen in die umliegenden Städte ab, wo sie vielleicht eher einen Ausbildungsplatz bekommen, und bleiben dort.

Wo gibt es noch freie Stellen, und wo nicht?

Ackerschott: Wir hatten Anfang des Monats noch 981 offene Ausbildungsstellen. Da müsste für jeden Berufswunsch etwas dabei sein. Vor allem wird noch im Handel und Verkauf, in Hotellerie und Gastronomie gesucht. Aber auch Zahnmedizinische Fachangestellte oder Energie- und Betriebstechnik haben Plätze frei. Es gibt jedoch dazu noch eine Reihe an Ausbildungsberufen, für die die Unternehmen nicht genügend Bewerber bekommen, weil die Berufe nicht so bekannt sind oder die Jugendlichen sich nichts darunter vorstellen können. So war ich erst kürzlich bei einem Unternehmen, die Oberflächenbeschichter ausbilden. An solche Berufe denken die wenigsten, dabei finden sich in jedem Haushalt und vor allem jedem Auto Produkte, die dort gefertigt werden. Meine Berufsberater können den Jugendlichen im Einzelgespräch Chancen in allen Berufen aufzeigen; auf den Internetplattformen der Agentur kann man sich ein Bild von den Berufe machen.

Hat man Chancen, seinen Traumjob zu finden und zwar in der Nähe zum Wohnort?

Ackerschott Manchmal ist es vielleicht nicht der direkte Weg, der zum Traumjob führt. Manchmal zeigt sich aber auch erst in der Ausbildung, was man gerne zukünftig arbeiten möchte. Schließlich gibt es über 350 Ausbildungsberufe mit noch mehr Verzweigungen in der Praxis, unter denen die Jugendlichen wählen können. Sollte man sich da schon beim ersten Schritt in die Berufswelt festlegen, was der Traumjob ist? Viel wichtiger ist, dass die Jugendlichen erkennen, wo ihre Stärken und Talente liegen. Daraus erwächst — fast — von selbst, was Spaß macht und wo man gute Arbeit leistet. Unsere Berufsberatung kann bei der Entscheidungsfindung und der Entwicklung eines Plan B auf jeden Fall helfen. Wer dann das Handwerkszeug gelernt hat, hat bei jedem Unternehmen, ob nah oder fern, hohe Chancen.

Suchen viele Jugendliche in den umliegenden Großstädten einen Job? Welche Auswirkungen hat das für den Kreis?

Ackerschott: Das Lehrstellenangebot ist insbesondere in Düsseldorf rein rechnerisch besser als bei uns im Kreis, zudem lockt die Großstadt mit ihrem Flair und den Unternehmen mit weltweit bekannten Namen. Finden die jungen Menschen erst einmal dort den Ausbildungsplatz, verlieren wir sie typischerweise ganz für den Kreis. Wenn hier aber schon nicht genügend Ausbildungsstellen von den Betrieben angeboten werden, bleibt den Auszubildenden ja auch keine andere Wahl. Das ist eine Entwicklung, vor der ich schon länger warne und die das Risiko des Fachkräftemangels verstärkt. Die Unternehmen sollten nicht darauf bauen, die in der Großstadt ausgebildeten Jugendlichen als Fachkräfte später wieder in den Kreis ziehen zu können.

Haben die Jugendlichen eine Chance, nach der Ausbildung übernommen zu werden?

Ackerschott In der Regel schon. Manche Betriebe bilden aber dankenswerterweise auch über ihren eigenen Bedarf hinaus aus. Das unterstütze ich ausdrücklich. Denn wer die Ausbildung erfolgreich beendet, jedoch nicht übernommen wird, kann als Fachkraft schnell in einen anderen Betrieb vermittelt werden. Um diese Jugendlichen, mit abgeschlossener Ausbildung mache ich mir die wenigsten Sorgen.

CHRISTOPH ZACHARIAS STELLTE DIE FRAGEN

(RP)