Hilden: Dem ADFC geht die Luft aus

Hilden : Dem ADFC geht die Luft aus

Der Vorstand ist schwer zu erreichen. Beliebte Aktionen wie der Gebrauchtfahrrad-Markt oder Codier-Aktionen finden nicht mehr statt. Radler in Hilden haben - außerhalb des Rathauses - zurzeit keine starke Lobby.

Das soll sich ändern.

Tausende fahren in dieser Stadt Fahrrad - jeden Tag. Im Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Hilden hatten sie stets einen kompetenten Ansprechpartner und eine engagierte politische Interessenvertretung. Sie überzeugte beispielsweise noch im Dezember die Politik, für Straßen NRW eine Ampel für den Überweg am S-Bahn-Halt Richrather Straße zu bauen. Der Landesbetrieb hatte die Stadt bereits seit acht Jahren vertröstet. Doch die Stimme der Radfahrer in Hilden außerhalb des Rathauses ist seit einigen Monaten verstummt, die Ortsgruppe praktisch nicht mehr wahrnehmbar. Der Vorstand ist nur sehr schwer telefonisch oder per Mail erreichbar, eine Faxnummer oder eine Postadresse gibt die Ortsgruppe auf ihrer Internetseite (www.adfc-nrw.de/kreisverbaende/adfc-im-neanderland/ortsgruppen/hilden.html) gar nicht erst an.

Radtouren, Codier-Aktionen oder Gebrauchtfahrrad-Märkte (die zweimal im Jahr hunderte Hildener anzogen) finden nicht mehr statt -"mangels aktiver Mitglieder" steht auf der Internetseite. Der ADFC Hilden hat knapp 200 Mitglieder. Zur bisher letzten Jahresversammlung im März 2017 kamen nur 15. Sprecher Georg Blanchot gab sein Amt auf eigenen Wunsch nach 30 Jahren im ADFC-Vorstand ab. Auch Sprecher Klaus de Leuw stand nicht mehr zur Verfügung. 19 Jahre hatte er dem Vorstand angehört. "Ich aktualisiere aber hin und wieder noch die Webseite", sagt de Leuw auf Anfrage. Zum neuen Sprecher wurde Norbert Hecht gewählt. "Wäre ich nicht angetreten, hätte sich die Ortsgruppe auflösen müssen", sagt Hecht. Drei Monate später wurde er von seinem Arbeitgeber in die Nähe von Frankfurt am Main versetzt, so dass er seine Aufgaben als Sprecher aktuell "nur eingeschränkt" wahrnehmen könne, wie er sagt.

Wie geht es nun weiter? Für die Arbeit vor Ort stünden nur wenige zur Verfügung, sagte Georg Blanchot: offenbar zu wenige. Kreisvorsitzender Bernd Zielke ist erst seit Ende Mai im Amt. "Ich hatte noch nicht viel Zeit zur Einarbeitung", sagt Zielke. Er wolle aber bald mit allen Ortsgruppen im Kreisverband Mettmann Kontakt aufnehmen, kündigte er an. Auch im Kreisverband gab es zunächst Probleme, einen neuen Vorstand zu bilden. Aber mit Zielke, der ursprünglich Sprecher der Ortsgruppe Velbert ist, und seiner Stellvertreterin Ute Meyer, die zudem die Kreisverbandskasse betreut, soll es nun weitergehen. Als äußeres Zeichen hat sich der Kreisverband Mettmann kürzlich in "ADFC im Neanderland" umbenannt und damit eine neue Identität angenommen. Ein Signal, das auch auf Landesebene angekommen ist. "Der Landesverband freut sich über den Neustart dieser Gliederung und wünscht ihr viel Erfolg", betont die stellvertretende NRW-Geschäftsführerin Isabelle Klarenaar.

Der ADFC-Kreisverband und die Ortsgruppe Hilden haben in der Vergangenheit häufig heftig gestritten. Der Kreisverband sah sich eher als Fahrrad-Touristik-Verband, die Ortsgruppe Hilden eher als politische Interessenvertretung für Radfahrer in Hilden. "Radfahrer brauchen eine eigene Spur auf der Straße", fordert Georg Blanchot schon seit vielen Jahren. Bei Rat und Verwaltung habe der ADFC häufig kein Gehör gefunden. Blanchot spricht von "Unwillen": Das klingt frustriert. 178 Hildener haben bei der ADFC-Fahrrad-Klima-Umfrage im vergangenen Jahr mitgemacht. Im deutschlandweiten Test erhielt Hilden die Note 3,7 (2014: 3,5). Mit Rang 36 von 98 Städten liege Hilden immer noch über dem Durchschnitt, kommentiert Stadtplaner Lutz Groll, Nahverkehrsexperte im Hildener Rathaus. Er findet den Zustand des ADFC Hilden bedauerlich: "Der ADFC hat viel dazu beigetragen, Fahrradfahren in Hilden populär zu machen. Ohne ihn fehlt ein lebendiger Teil der gelebten Fahrrad-Kultur in Hilden."

Allen Streitigkeiten der Vergangenheit zum Trotz wollen Kreisverband und Ortsgruppe zukünftig intensiver zusammenarbeiten, kündigt Norbert Hecht an: "Beim Kreisverband bilden sich zurzeit neue Arbeitsgruppen für verschiedene Bereiche wie Codier-Aktionen oder Radtouren." Diese sollen die Tätigkeiten vor Ort koordinieren, damit es auch in Hilden bald wieder die Möglichkeit gibt, an Ausflügen teilzunehmen oder sein Rad als Diebstahlschutz registrieren zu lassen.

(RP)