Beliebtes Angebot für Kinder Unterwegs mit dem Spielmobil

Hilden · Das Spielmobil ist in die Freiluftsaison gestartet. Die Organisatoren freuen sich über den regen Zuspruch und darüber, dass ein CDU-Antrag gescheitert ist. Ein Besuch auf dem Kinderspielplatz Topsweg im Süden von Hilden.

 Malia (6) hat große Freude beim Jonglieren mit den Tellern.

Malia (6) hat große Freude beim Jonglieren mit den Tellern.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Man muss ihn ein bisschen suchen, wenn man ihn nicht schon kannte, den Kinderspielplatz am Topsweg im Hildener Süden. Doch an diesem Nachmittag lenkt einen lautes Stimmengewirr automatisch in die richtige Richtung. Denn hier macht heute das Spielmobil Station, ein seit 1996 bewährtes Angebot des Amtes für Schule, Kinderbetreuung und Jugendförderung. Seit diesem Monat macht es wieder zwei Mal wöchentlich irgendwo in der Stadt Station.

Auf den ersten Blick wird deutlich: Das Konzept erfreut sich großer Beliebtheit bei Jung und Alt. Überall tummeln sich Kinder aller Altersstufen, toben herum, spielen, probieren aus. Dazu gesellen sich viele Erwachsene: Mütter, Väter oder Großeltern, die teils den Schützlingen helfen, teils zum netten Plausch beieinander stehen. Nach zweieinhalb Stunden am Topsweg haben hier bereits 60 Kinder und 40 Erwachsene vorbeigeschaut.

Das namensgebende Spielmobil steht in Gestalt eines LKW auf der Wiese neben dem Spielplatz. Eine Markise ist ausgefahren, darunter wird zu den lauten Klängen von Popmusik Wasser und Kaffee angeboten. Hinter der Theke steht Mike Dörflinger und strahlt. Der diplomierte Sozialpädagoge hat das Spielmobil vor 28 Jahren ins Leben gerufen. „Egal, wo wir hinkommen, wird es voll. Die Eltern haben unsere Flyer an den Kühlschränken hängen oder teilen sich in Whatsapp-Gruppen mit, wo wir gerade sind“, sagt er.

Zur Rechten des Fahrzeugs sind zahlreiche Spielgeräte aufgebaut oder liegen bereit. Dazu zählen neben Eimerstelzen, Hula-Hoop-Reifen und Trampolins auch ein Rhönrad, ein XXL-Vier-Gewinnt-Spiel und ein Jakkolo-Spiel. Das ist ein Tisch, auf dem flache Holzscheiben in Boxen befördert werden müssen. Nadine Frey ist mit ihren Söhnen Ben und Jakob (7 und 8 Jahre) gekommen und restlos begeistert: „Wir kennen das Spielmobil seit dem Frühlingsfest des Bürgervereins Hilden-Süd im letzten Jahr und kommen seitdem immer wieder.“

Nebenan stehen Sarah und Sebastian Hemme. Vor 20 Jahren haben sie als junge Erwachsene beim Spielmobil als Betreuer mitgemacht, heute wohnen sie in der Nachbarschaft, sind mit drei Kindern hier und haben die Stromversorgung organisiert. Die war unter anderem nötig für die Hüpfburg, die links vom Spielmobil aufgebaut ist und auf der immer 20 Kinder auf einmal herumtollen können. Eines davon ist Sandra Salomons Tochter Emily. „Sie probiert hier alles aus. Unsere Nachbarn sind auch hier, wir nutzen das Spielmobil seit drei Jahren“, erzählt die Mutter.

Seit drei Jahren wird das Spielmobil immer donnerstags vom mobilen Mitmachzirkus Hilden begleitet, der sich heute zwischen LKW und Hüpfburg ausbreitet. Hier können die Kinder mit Boing-Bällen, beim Jonglieren mit Keulen oder Kugeln, mit dem Diabolo oder mit Schwungtüchern ihre motorischen und akrobatischen Fähigkeiten trainieren. Verantwortlich ist hier Christian Meyn-Schwarze, 71. „Nicht mehr atmen, nur noch lächeln“, ruft er gerade der sechsjährigen Malia zu. Sie ist mit ihrer Mutter und drei jüngeren Geschwistern hier und probiert sich hochkonzentriert darin aus, zwischen zwei parallel gestellten Leitern zu balancieren. Später initiiert Meyn-Schwarze ein Schwungtuchspiel in großer Runde, das den beteiligten Kindern sichtlich Vergnügen macht. Seine Beobachtung: „Seit Corona stellen wir viele motorische Defizite bei den Kindern fest, die wir aufholen müssen.“ Auch ihre soziale Kompetenz werde durch das Sozialmobil geschult: „Gemeinsam spielen, warten, bis der andere fertig ist, auch so etwas können sie hier lernen.“

Vier Helfer ergänzen heute das Spielmobil-Team. Sie packen beim Auf- und Abbau mit an und haben ein Auge auf die Kinder. Eine Helferin ist Vanessa, 17, die gerade ihr Abitur mit Erzieherausbildung macht. Sie kennt das Spielmobil schon aus der eigenen Kindheit. „Das ist bei 75 Prozent unseres 30-köpfigen Kaders der Fall“, freut sich Dörflinger: „Wir fahren jetzt die Ernte unserer jahrelangen Arbeit ein.“ Umso unverständlicher fand er den vor Kurzem im Stadtrat gescheiterten CDU-Antrag, die Förderung des Spielmobils einzustellen.

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