Serie: "Ich war einmal...": Das Ende einer Seidenfabrik

Serie: "Ich war einmal...": Das Ende einer Seidenfabrik

In unserer neuen Serie "Ich war einmal" stellen wir Orte und Gebäude vor, die einmal ganz anders aussahen und genutzt wurden. Heute: Der Fritz-Gressard-Platz war ein Fabrikgelände. Wo früher Ziegelhallen und Nebengebäude das Bild bestimmten, steht heute das Steinhäuser-Centrum.

Ein Verkehrsplatz an der Benrather Straße solle auf dem Gelände der Seidenwerke Gressard & Cie. entstehen, meldete die Hildener Zeitung am 27. Juni 1956. Otto Heines, seinerzeit Leiter des Planungsamtes, nannte den Schritt "überfällig". 1962 ging das Eigentum an der rund 13 000 Quadratmeter großen Fläche an die Stadt, für den ehemaligen Stadtkämmerer Heinz Brieden "einer der bedeutendsten Grundstücksverkäufe der Nachkriegszeit".

Erklärtes Ziel der Planer war es nun, die Fläche geschäftlich an die Unterstadt anzuschließen. Das ist nicht erreicht worden. Der Fritz-Gressard-Platz ist für die Bürger ein Verkehrsplatz geblieben. Und er wurde zum Investitionsgrab für etliche Geschäftsleute. Das Steinhäuser-Centrum hat viele von ihnen angezogen, viele aber auch nicht halten können. "Es ist sicher keine 1A-Fläche", sagt Peter Stuhlträger vom Stadtplanungsamt. Es sei fraglich, ob das Center so, wie es heute steht, nochmals genehmigt würde. Überdimensioniert seien die Verkaufsflächen nach heutigen Maßstäben und die Architektur füge sich nicht wirklich ins Stadtbild.

Vom Möbelhändler Hans Steinhäuser selbst kam 1973 der Initiativentwurf für das graue Ungetüm. Sein Geschäft war den ursprünglichen Räumlichkeiten entwachsen. Auf einer Luftbildaufnahme, die auf das Jahr 1979 datiert ist, sind die Bauarbeiten an dem riesigen Gebäude bereits in vollem Gang. Keine Spur mehr von der aus roten Ziegelsteinen errichteten Fabrik Gressard und der pittoresken Villa Herminghaus.

  • Zwei Autofahrer wurden verletzt : Schwerer Verkehrsunfall auf der Düsseldorfer Straße

In der bereits 1968 abgerissenen Fabrikantenvilla hatte Carl Herminghaus, der Mitinhaber der Seidenweberei, gelebt. Die Erinnerung an das, was dort einmal war, sei "getilgt", hieß es in dieser Zeitung dazu. Im Juli 1971 wurde der letzte Gebäudeteil gesprengt. Die Entwicklung des Platzes ging indes nur schleppend voran. Planungen, Verhandlungen und Auseinandersetzungen nahmen insgesamt über 15 Jahre in Anspruch. Steinhäuser klagte gegen die Stadt, die Sache ging bis vor den Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Er unterlag und sah keine Entschädigung für die – nach seinem Dafürhalten – behördlich verschuldete Verzögerung seines Projekts. Als das "City-Center am Stadtpark" schließlich fertig war, nahm die Perspektive für den Einzelhandel sich schon nicht mehr so vielversprechend aus und das betongewordene Expansionsstreben war offenbar bereits ein paar Nummern zu groß.

Am 24. Juli 1984 meldete die Rheinische Post: "Läden nur schwer zu vermieten." Daran hat sich bis zum heutigen Tag im Grunde nichts geändert.

Die Serie entstand in Zusammenarbeit mit dem Hildener Stadtarchiv.

(maxl)
Mehr von RP ONLINE