Hilden: Das besitzt die katholische Kirche in Hilden

Hilden: Das besitzt die katholische Kirche in Hilden

In der Hildener Innenstadt hat die Kirchengemeinde verschiedene Besitztümer. Andere wurden bereits verkauft.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Das gilt zurzeit für die katholische Kirche mit ihrem Skandal um den Limburger Bischof. "Tebartz-van Elst baut in Limburg an seinem Bischofssitz, Hilden haut den Reichshof um, das ist kein Witz", spöttelte jüngst der Hildener Hoppeditz (Stefanie Arndt) bei seinem Erwachen auf dem Alten Markt. "Doch hier wird's keinen Palazzo Prozzo geben, man will sogar die ollen Steine neu verkleben. Wir kriegen hier ne Jacobsmuschel serviert, in der sich die Kirche ganz bescheiden präsentiert. Hoffentlich ohne Donnergrollen und Beben, gibt es friedliches Gemeindeleben!"

Neben den vier Kirchen (oben) zählt zum Besitz der Pfarrgemeinde unter anderem der Reichshof-Komplex (rechts unten), Seniorenwohnungen an der Mittelstraße (unten links) und das Gelände des St.-Josefs-Krankenhauses. Foto: Ola

Genau am letzten Satz ist dem Hildener Monsignore Ulrich Hennes viel gelegen. Denn der Pfarrer ist seit Wochen dabei, die Gläubigen, die durch die immer neuen Enthüllungen in Limburg aufgeschreckt wurden, von der Seriosität der Hildener Gemeinde zu überzeugen. Auch beim geplanten Neubau des Gemeindezentrums an der Stelle des alten Reichshofs. "Wir haben keinen Grund, Dinge nicht transparent zu machen", sagt er. Überhaupt sei es nicht geheim, über welche Besitztümer die katholische Kirche in Hilden verfügt. "Wir haben uns in der Vergangenheit schon von einigen Immobilien verabschiedet. Wohnhäuser an der Körnerstraße und an der Gartenstraße, die die Pfarrei vor längerer Zeit einmal geerbt hatte." Übrig geblieben seien Folgende:

Neben den vier Kirchen (oben) zählt zum Besitz der Pfarrgemeinde unter anderem der Reichshof-Komplex (rechts unten), Seniorenwohnungen an der Mittelstraße (unten links) und das Gelände des St.-Josefs-Krankenhauses. Foto: Ola

Neben den vier Kirchen (St. Jacobus, St. Konrad, St. Marien und St. Johannes Evangelist) samt Gemeindezentren und dazu gehörigen Grundstücken habe die Kirchengemeinde vier Pfarrhäuser an den Kirchen, die als Dienstwohnungen für Seelsorger genutzt werden oder anderweitig vermietet sind. Hinzu komme eine zurzeit leerstehende Wohnung über dem Kindergarten St. Elisabeth sowie ein Haus an der Sankt-Konrad-Allee, das als Dienstwohnung für einen Diakon mit Familie genutzt wird.

Neben den vier Kirchen (oben) zählt zum Besitz der Pfarrgemeinde unter anderem der Reichshof-Komplex (rechts unten), Seniorenwohnungen an der Mittelstraße (unten links) und das Gelände des St.-Josefs-Krankenhauses. Foto: Ola

Außerdem gehören der katholischen Kirche zwei Seniorenwohnanlagen in der Innenstadt: Die eine befindet sich an der Mittelstraße (im Erdgeschoss hat sich die Kaffeekette Woyton eingemietet, das Haus hat die Gemeinde aus einer Erbschaft finanziert, die mit einer entsprechenden Zweckbindung versehen war), die andere am Gemeindezentrum St. Marien in Meide. Im Schalbruch hat die Pfarrgemeinde auch ein Haus mit Sozialwohnungen.

Neben den vier Kirchen (oben) zählt zum Besitz der Pfarrgemeinde unter anderem der Reichshof-Komplex (rechts unten), Seniorenwohnungen an der Mittelstraße (unten links) und das Gelände des St.-Josefs-Krankenhauses. Foto: Ola

Die katholischen Kindertagesstätten befinden sich in Gebäuden, die der Kirchengemeinde gehören. Ausnahme ist St. Christophorus: Das Gebäude gehört der Stadt, das Grundstück der Kirchengemeinde.

Monsignore Ulrich Hennes, Pfarrer von St. Jacobus. Foto: Staschik, Olaf (OLA)

Weiter auf der Inventarliste: ein geerbtes Grundstück an der Richrather Straße/Ecke Verbindungsstraße, auf dem sich heute eine freie Autowerkstatt befinde. "Das Grundstück gehört St. Jacobus und St. Dionysius in Monheim-Baumberg gemeinsam", berichtet Hennes. Bislang habe es allerdings so gut wie keinen Gewinn abgeworfen.

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Darüber hinaus besitzt die katholische Kirche einige Grundstücke, die siein 99-jährigen Erbpachtverträgen an Bauherren vergibt. "Wir können das Grundstück nach 99 Jahren allerdings nicht einfach zurückfordern. Dann müssen wir nämlich auch das Haus darauf kaufen." Und die Besitzer müssten verkaufswillig sein. "Insofern geht es dann vielmehr um eine Verlängerung der Erbpacht wieder um 99 Jahre." Die Kirche habe aber beim Verkauf des Hauses durch den Erbpachtnehmer — egal zu welchem Zeitpunkt — das Vorkaufsrecht. Das habe man erst einmal genutzt. "Die ursprüngliche Idee der Erbpacht in den 50er/60er Jahren war, jungen Familien nach dem Krieg die Möglichkeit zum Hausbau zu geben, ohne dass sie ein Grundstück kaufen mussten."

In Erbpacht vergebene kirchlichen Grundstücke befinden sich an der Brucknerstraße — dort wird aktuell eins für eine Doppelhaushälfte angeboten —, in der so genannten Kolpingsiedlung im Norden und an der Sankt-Konrad-Allee im Süden. Auch das Grundstück, auf dem das St.-Josefs-Krankenhaus errichtet ist (in Erbpacht an den Kplus-Verbund vergeben), sowie mehrere kleinere Waldgrundstücke beiderseits des Ostrings gehören dazu.

Nach demselben Prinzip verfährt die Kirche bei den geplanten Wohnungen am neuen Gemeindezentrum. Dort baut der Meerbuscher Investor Evohaus ebenfalls auf einem Erbpachtgrundstück. Im Mai soll es mit dem Neubau des Gemeindezentrums losgehen. Der Bauantrag ist jetzt gestellt.

Die Bürgerstiftung Hilden, die der katholischen Kirche nahe steht und 2011 mit einem Stiftungskapital von 50 000 Euro gegründet wurde, hat bereits Spenden in Höhe von etwa 15 000 Euro erhalten. Seit ihrem Bestehen hat sie die Fortführung einer Kindergartengruppe in St. Elisabeth ermöglicht. Das nächste Projekt soll die Gründung einer Ordensgemeinschaft für indische Ordensschwestern sein, die im sozial-karitativen Bereich tätig sein und über dem Kindergarten St. Elisabeth wohnen sollen. "Wir wollen über die Stiftung eine Anschubfinanzierung gewähren."

Zum Wert des Gesamtvermögens der katholischen Kirche in Hilden kann Ulrich Hennes keine Aussage treffen. "Die Immobilien sind ja gar nicht bewertet", erklärt er. "Das Finanzsystem lässt eine solche Gesamterfassung auch gar nicht zu. Es fehlen die technischen Voraussetzungen für die Bezifferung des Vermögens — bei der Kirchengemeinde genau so wie beim Land NRW und bis heute bei etlichen Kommunen." Es dauere, bis das Buchhaltungssystem von der bisherigen Kameralistik auf doppelte Buchführung umgestellt sei. "Wir bemühen uns, mit allem verantwortungsvoll umzugehen", sagt der Kreisdechant. "Auch in den nächsten Generationen soll noch ein gutes Gemeindeleben möglich sein. Hierfür tragen sachkundige, gewählte ehrenamtliche Mitglieder im Kirchenvorstand Sorge, unterstützt von der Rendantur für das Kreisdekanat Mettmann und dem Erzbischöflichen Generalvikariat in Köln."

(RP)
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