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Coronavirus trifft acht von zehn Unternehmen in der Hildener Region

Hilden : Corona: Aventem meldet Kurzarbeit an

Einer Blitzumfrage der IHK Düsseldorf zufolge rechnen rund 80 Prozent der betroffenen Unternehmen mit Umsatzeinbußen.

Aventem – dieser Name steht in der Konferenz- und Veranstaltungsbranche seit Jahren für Top-Qualität. Die Rede ist von 51 festen Mitarbeitern und den beiden Geschäftsführern Holger Niewind und  Hendrik Coers in Hilden: Zusammen planen, entwerfen und bestücken sie jährlich rund 600 Veranstaltungen in ganz Europa, etwa die Hälfte davon Großveranstaltungen.

2020 wurde Aventem zu einer der „TOP 5-Firmen“ im Bereich Veranstaltungstechnik und Bühnenbau in Deutschland gewählt. Doch jetzt gehen dem Veranstaltungs-Profi allmählich die Veranstaltungen aus.

Jüngster Rückschlag: Zuletzt hatte die  Messe Düsseldorf wegen der stark  ansteigenden Fallzahlen beim Coronavirus all ihre Veranstaltungen im März auf unbestimmte Zeit hin abgesagt. Es geht um sechs Großereignisse, darunter die Frequenzbringer-Messen  Beauty und Top Hair. An beiden war Aventem beteiligt.

„Aber auch die Verlegung der Hannover Messe hat uns stark getroffen, berichtet Geschäftsführer Hendrik Coers gegenüber unserer Redaktion. „Im Moment ruht unsere Tätigkeit fast komplett.“ Die Konsequenz aus all den Absagen teilte Coers dann auch noch gleich mit: „Wir haben am vergangenen Freitag Kurzarbeit angemeldet.“

Die Absagen sind Auswirkungen des aktuellen Krisenplans der Bundesregierung: Wegen der weiter steigenden Zahl an Coronainfektionen erwartet Bundesgesundheitsminister Jens Spahn weitere merkliche Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Deutschland.Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern sollten vorerst abgesagt werden, sagte Spahn am Wochenende. Zurzeit geschehe dies aus seiner Sicht immer noch zu zaghaft. „Angesichts der dynamischen Entwicklung der letzten Tage sollte das schnell geändert werden“, erklärte der CDU-Politiker.

Nicht nur Aventem ist von der aktuellen Entwicklung hart getroffen: Einer Blitzumfrage der Industrie-und Handelskammer Düsseldorf zufolge, rechnen rund 80 Prozent der betroffenen Unternehmen mit Umsatzeinbußen. 350 international tätige Unternehmen unterschiedlicher Größen und Branchen haben sich daran beteiligt. 60 Prozent dieser Unternehmen sind nach eigenen Angaben durch das Coronavirus betroffen: über zwei Drittel durch die Absage von Messen und Veranstaltungen, die Hälfte durch Reiseeinschränkungen und ein Viertel durch fehlende Waren und Zulieferprodukte. In den nächsten sechs Monaten rechnen 78 Prozent der betroffenen Unternehmen mit Umsatzeinbußen; 53 Prozent gehen von einem Rückgang der Auftragseingänge aus.

Fast drei Viertel der Unternehmen, die von den Auswirkungen betroffen sind, geben an, diese besonders in Europa zu spüren. Die Hälfte meldet darüber hinaus Einschränkungen im Chinageschäft. „Die Mehrheit unserer Mitgliedsunternehmen mit internationalem Geschäft spürt die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus. In dieser Situation stehen unsere Mitarbeitenden den Unternehmen zur Seite. Wir informieren persönlich in Beratungsgesprächen und zusätzlich auf der IHK-Internetseite zu allen unternehmensrelevanten Fragen rund um das Thema“, sagt Felix Neugart, Geschäftsführer International der IHK Düsseldorf.

Als Reaktion auf die aktuelle Situation hat über die Hälfte der betroffenen Unternehmen die Reisetätigkeit ihrer Mitarbeitenden eingeschränkt und die Teilnahme an Messen und Veranstaltungen abgesagt. Zudem hat ein Drittel Home-Office-Regelungen für Mitarbeitende eingeführt und ihre Arbeitsabläufe an die veränderte Situation angepasst.

Das kann Aventem nicht so einfach, wie Hendrik Coers betont: „Viele der jetzt abgesagten Veranstaltungen sind zunächst einmal in den Herbst verschoben worden“, erläutert der Event-Profi. Mit der zu erwartenden Verdichtung der Termine beispielsweise im kommenden September trete damit ein weiteres Problem auf: „Es gibt gar nicht so viel Fachpersonal, wie alle diese Veranstaltungen erfordern würden“, sagt Coers. Damit stehe auch fest, was die Aventem-Unternehmensleitung in der aktuellen Corona-Krise als absolute Priorität ausgegeben hat: „Unser oberstes Ziel“, sagt Hendrik Coers, „ist es, jeden einzelnen unserer Mitarbeiter zu behalten“. Entlassungen seien daher zur Zeit absolut nicht geplant.