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Coronavirus in Hilden und Haan: Nichts geht mehr

Coronavirus : Öffentliches Leben in Hilden und Haan steht still

Die Zahl der Erkrankten ist in Haan auf fünf gestiegen, in Hilden bleibt es bei einer Person. Im Kreis sind insgesamt 39 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden, teilte der Kreis am Sonntagabend mit. Freitag waren es noch 20. Schulen, Kitas, Museen, Schwimmbäder und Unterhaltungsbetriebe sind ab sofort geschlossen.

Hilden hat seinen ersten Corona-Infizierten. Wie Kreissprecherin Daniela Hitzemann mitteilte, hat sich die Zahl der positiv getesteten Menschen im Kreis Mettmann auf insgesamt 39 erhöht. Am Freitagabend waren noch 20 erkrankt. Auch in Haan stieg die Zahl auf nun fünf positiv getestete Personen an.

„Die Zahl der Verdachtsfälle hat sich auf nunmehr 91 erhöht“, erklärte Hitzemann weiter: 14 in Erkrath, 12 in Haan, 6 in Heiligenhaus, 8 in Hilden, 6 in Langenfeld, 7 in Mettmann, 8 in Monheim, 21 in Ratingen, 7 in Velbert und 2 in Wülfrath.

Mit zunehmender Ausbreitung des Virus werde auch der Ansturm auf Hotlines, Arztpraxen, Krankenhäuser, Corona-Untersuchungseinrichtungen und Labore immer größer. Immer mehr Menschen sind direkt oder indirekt betroffen, haben Fragen oder wollen sich untersuchen lassen. „Es handelt sich um eine Pandemie. Letztlich ist jeder Mensch – ob erkrankt oder nicht – vom Corona-Virus und den Begleitumständen betroffen. Also ist auch praktisch jeder mehr oder weniger besorgt“, erklärt Landrat Thomas Hendele. „Natürlich können wir die Besorgnis und die Fragen jedes Einzelnen sehr gut nachvollziehen. Und natürlich würden wir uns am liebsten um jeden Einzelnen kümmern. Das können wir aber gerade nicht in jedem Fall. Wichtig ist jetzt, dass alle beratenden, ärztlichen/medizinischen und labortechnischen Kapazitäten denen vorbehalten werden, die ernsthaft erkrankt sind."

Dem Appell des Bundesgesundheitsministers folgend bittet deshalb auch das Kreisgesundheitsamt: „Wer glaubt, sich angesteckt zu haben, aber lediglich leichte Krankheitssymptome hat oder auch ohne Symptome aus einem Risikogebiet nach Hause zurückkehrt, hilft der Gemeinschaft im Moment am meisten, wenn er sich freiwillig in häusliche Quarantäne begibt und dies telefonisch mit dem Hausarzt abstimmt. Darüber hinaus muss eine freiwillige Quarantäne mit dem Arbeitgeber besprochen werden. Sollten sich schwerere Krankheitszeichen ergeben und insbesondere Fieber auftreten, ist natürlich sofort der Arzt oder auch die Hotline des Kreises zu verständigen."

Die Stadt Haan hat bis Ende April alle städtischen Veranstaltungen abgesagt. Die Schulen werden am Montag und Dienstag noch eine Betreuung für Schüler anbieten, die noch keine andere Betreuungsmöglichkeit gefunden haben, teilt Bürgermeisterin Bettina Warnecke mit. Die Stadt richtet eine Notbetreuung in den städtischen Kitas ein. Sie gibt es auch in den Kitas privater Träger. Die Notbetreuung sei den Eltern mit systemrelevanten Berufen (Ärzte, Pfleger, Polizei, Feuerwehr) vorbehalten, betont die Bürgermeisterin. Kinder sollten, wenn irgend möglich, zu Hause bleiben. „Ich weiß, dass wir den Menschen viel zumuten. Ich bitte aber um Verständnis und appelliere an das Verantwortungsbewusstsein aller Haanerinnen und Haaner (...) In dieser Krise müssen wir alle zusammenhalten, um Leben zu retten.“

In Hilden sieht es ähnlich aus. Wegen der Kurzfristigkeit gelte in allen Betreuungseinrichtungen für Montag und Dienstag eine Übergangsregelung, in der Eltern ihre Kinder eigenverantwortlich schicken können, teilt die Stadt Hilden mit. „Die Schließungen stellen sowohl berufstätige Eltern als auch Arbeitgeber vor große Herausforderungen“, erklärt Hildens Bürgermeisterin Birgit Alkenings. „Als Kommune sind wir aber darauf angewiesen, dass die so genannten systemrelevanten Berufe weiter ausgeübt werden.“ Das betreffe Feuerwehr, Altenpfleger, Ärzte und Kliniken sowie Polizei. Für Eltern, die in diesen Bereichen arbeiten, wird es deshalb eine Notbetreuung geben. Nähere Details werden Montag unter www.hilden.de/corona veröffentlicht, so die Bürgermeisterin weiter.

Bereits seit Samstag bleiben die städtischen Sport- und Bildungseinrichtungen in Hilden zunächst bis zum Ende der Osterferien für den Publikumsverkehr geschlossen. Das betrifft die Stadtbücherei, die Musikschule, das Wilhelm-Fabry-Museum, das Stadtarchiv, den Jugendtreff am Weidenweg, das Jugend- und Kulturzentrum Area 51, die Campus OT sowie alle Sportstätten. Darüber hinaus werden alle städtischen Veranstaltungen vorerst abgesagt.

Auch die Kirchen reagieren auf das Coronavirus: Bis mindestens Karfreitag finden in den katholischen Kirchen in Hilden und Haan keine Gottesdienste mehr statt. Das hat das Erzbistum Köln am Samstag mitgeteilt. „Die Gläubigen sind gebeten, Gottesdienstübertragungen in Fernsehen, Radio oder Internet zu verfolgen. Eine Übersicht ist auf unserer Internetseite www.erzbistum-koeln.de zu finden“, teilte das Erzbistum mit.

Die Evangelische Gemeinde Haan hat eine „Corona-Taskforce“ gebildet. Sie hat entschieden: Die Gottesdienste finden in der Kirche zu den gewohnten Zeiten statt. Die Besucher werden gebeten, sich mit großem Abstand zu setzen. Das Abendmahl und das Kaffeetrinken nach dem Gottesdienst fallen aus. Die Lieder werden auf eine Leinwand projiziert, Gesangbücher sollen nicht benutzt werden. Auf Händeschütteln ist zu verzichten. Der Gottesdienst im Friedensheim fällt aus. Das Gemeindebüro ist für den Publikumsverkehr geschlossen. Der Konfirmanden-Unterricht findet nicht statt, ebenso Ausflüge oder Freizeiten. Alle Angebote der Kinder- und Jugendarbeit fallen aus. Alle Konzerte der Gemeinde und Chorproben sind abgesagt. Die Treffen von Gruppen und Kreisen werden ausgesetzt. Alle großen Veranstaltungen des Senioren Netzwerkes sind abgesagt. All dies gilt zunächst bis 16. April. In Hilden beraten die Gremien der evangelischen Gemeinde am Montag über Maßnahmen.

Die Volkshochschule Hilden-Haan hat ihren gesamten Kursbetrieb zunächst bis einschließlich 19. April eingestellt. Aktuelle Informationen zu allen Fragen finden sich auf der Website www.vhs-hilden-haan.de.

Die Aktionsgemeinschaft „Wir für Haan“ hat auf Empfehlung und im Einvernehmen mit der Stadt Haan den verkaufsoffenen Sonntag am 29. März, anlässlich des 22. Brunnenfestes, absagt. Laut Ladenöffnungsgesetz NRW müssen die Ladenöffnungen an den verkaufsoffenen Sonntagen mit Veranstaltungen, die in enger räumlicher und zeitlicher Nähe stattfinden, verbunden sein. Da nun die Veranstaltung, mit der der verkaufsoffenen Sonntag verknüpft wäre, abgesagt wird, entfällt die Grundlage für einen verkaufsoffenen Sonntag. Die beiden anderen Termine – 21. Juni und 13. Dezember – bleiben nach dem derzeitigen Stand erst einmal bestehen.

Schlechte Nachrichten auch für alle Wasserratten: Das Hildener Sport- und Freizeitbad Hildorado ist ab sofort bis auf Weiteres vorsorglich geschlossen. Das teilen die Stadtwerke Hilden als Betreiber des Bades mit. Täglich nutzen mehrere hundert Badegäste aus verschiedenen Städten das Hildorado.

Rein vorsorglich haben die Hildener Stadtwerke auch den Publikumsverkehr im Kundenzentrum eingestellt. Das Kundenzentrum an der Straße Am Feuerwehrhaus ist jedoch telefonisch und per E-Mail zu den gewohnten Zeiten erreichbar. „Diese Maßnahme dient dem Schutz der Bürger und der Gesunderhaltung unserer Mitarbeiter,“ erläuterte Hans-Ullrich Schneider, Geschäftsführer der Stadtwerke.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das fällt wegen Corona aus, das schließt