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Corona: Desinfektionsmittel ausverkauft in Hilden und Haan

Lungenkrankheit : Corona: Desinfektionsmittel ausverkauft

Der Verdacht in Haan hat sich als Fehlalarm herausgestellt. Das Gesundheitsamt appelliert, Hygienestandards sehr ernst zu nehmen. Einige Bürger füllen durch Großeinkäufe ihre heimischen Vorratskammern.

 Der Haaner Patient, der wegen Corona-Verdachts im St.-Josef-Krankenhaus behandelt und bereits entlassen worden ist, ist nicht der einzige Kranke im Kreis Mettmann, bei dem im ersten Schritt besondere Vorkehrungen getroffen worden sind. „Aber das sind alles keine Verdachtsfälle – bis zu diesem Moment gab es im gesamten Kreis Mettmann noch keinen Verdachtsfall“, erklärt Dr. Rudolf Lange, Leiter des Kreisgesundheitsamtes.

Denn der Begriff umschreibt einen ganz klar umrissenen Zustand: So muss der Patient einerseits die typischen Symptome zeigen, andererseits aber auch ein betroffenes und vom Robert-Koch-Institut als solches ausgewiesenes Risikogebiet besucht haben oder Kontakt mit Menschen gehabt haben, die nachweislich an einer Corona-Infektion erkrankt sind. Und diese Konstellation ist im Kreis noch nicht vorgekommen. Alles andere, wenn beispielsweise nur die Symptome auftreten, sind Vorverdachtsfälle. „Wir hoffen auch, dass es so bleibt“, sagt Lange. Jetzt mache es noch Sinn zu versuchen, eine Ausbreitung des Coronavirus‘ zu verhindern. „Anders als das Influenzavirus, das durch den Kreis und die ganze Welt wabert, hat sich das Coronavirus noch nicht so weit ausgebreitet“, erklärt Lange. Um im Zweifel beide Krankheitserreger aufzuhalten, appelliert der Mediziner, Hygienestandards penibel einzuhalten. Der Kreis hat auf seiner Internetseite Verhaltensregeln aufgelistet: regelmäßiges, gründliches Händewaschen. Niesen in ein sofort zu entsorgendes Papiertaschentuch. Husten in die Ellenbeuge, nicht in die Hand. Vermeiden Sie, mit Händen und Fingern Augen, Mund oder Nase zu berühren.

Wer aktuell an einem fieberhaften Infekt leidet, ist höchstwahrscheinlich von der derzeit hochakuten Grippewelle betroffen, so der Kreis. „Im Kreis Mettmann sind Influenza-Patienten in einem dreistelligen Bereich gemeldet worden“, erklärt Rudolf Lange. „Und das sind nur die Zahlen, die durch die Labore bestätigt worden sind.“ Die Dunkelziffer dürfte höher liegen. Die Gefahr, an der echten Grippe zu erkranken, ist also momentan noch deutlich höher, als sich das Coronavirus einzufangen. Wer an den typischen Symptomen leidet und kürzlich aus einer Region zurückgekehrt ist, in der gehäuft Corona-Fälle aufgetreten sind, sollte unbedingt seinen Hausarzt anrufen. „Unangemeldete Praxisbesuche sollten unterbleiben. Die niedergelassenen Ärzte sind über die Kassenärztliche Vereinigung umfassend über das sachgerechte Vorgehen informiert“, erklärt Rudolf Lange.

Rudolf Lange leitet das Kreisgesundheitsamt. Foto: Janicki, Dietrich (jd-)

Die Bürgermeisterinnen von Hilden und Haan rufen die Bürger zur Besonnenheit auf. „Aktuell haben wir eine typische Grippezeit und viele Menschen sind krank, die wenigsten von ihnen tragen den Corona-Virus in sich“, schreibt Birgit Alkenings auf der Internetseite der Stadt Hilden. Auch das Robert Koch Institut (RKI) schätze „die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland aktuell als gering bis mäßig“ ein (Stand 26.02.2020). Unter www.rki.de/covid-19 finden Bürger Antworten des RKI auf häufig gestellte Fragen. Die Stadt sei vorbereitet, sollte der erste Hildener positiv auf Corona getestet werden. „Während des Transports eines Patienten mit Infektionsverdacht tragen die Kolleginnen und Kollegen Mundschutz und Kittel“, erklärt Hans-Peter Kremer, Leiter der Hildener Feuerwehr. „Das schützt sie vor einer Tröpfcheninfektion.“ Außerdem hätten sich die Ämter abgestimmt. „Unser Ziel ist es, dass wir den Kreis im Fall der Fälle bestmöglich unterstützen können“, unterstreicht Ordnungsamtsleiter Michael Siebert. „Zum Beispiel dann, wenn wie im Kreis Heinsberg Schulen und Kitas geschlossen werden müssen.“ In Haan habe am Donnerstag zum ersten Mal der „Stab für außergewöhnliche Ereignisse“ getagt, berichtet Bürgermeisterin Bettina Warnecke. In öffentlichen Gebäuden stünden Mittel zur Hand-Desinfektion bereit.

Desinfektionsmittel waren Freitag in vielen Geschäften in der Hildener Innenstadt ausverkauft, etwa im Drogeriemarkt Müller. „Das bekommen wir erst wieder am Donnerstag nächster Woche rein“, hieß es im dm-Markt an der Mittelstraße. In der Rossmann-Filiale ein paar Schritte weiter konnte die freundliche Mitarbeiterin nur noch ein paar Desinfektionstücher anbieten. Am Montag erwarte sie eine neue Lieferung. Viele leere Regale sahen gestern die Kunden im Discounter Aldi am Kronengarten. Aber nicht wegen Hamsterkäufen, sondern weil die Filiale ab 28. Februar, 20 Uhr bis einschließlich 6. März geschlossen ist, informiert ein Schild am Eingang. Die Filiale werde „komplett neu gestaltet“.

Anneliese Neumann hat wie sonst auch eingekauft: „Ich habe ein paar Nudeln mehr mitgenommen als sonst. Und zum ersten Mal Reis.“ Sorgen mache ihr die Ausbreitung des Coronavirus noch nicht: „Mein Mann und ich werden aber Menschenansammlungen vermeiden. Mein Sohne wollte sich am Samstag mit Freunden im Centro in Oberhausen treffen. Das haben sie abgesagt.“ Von einer Grippeschutz-Impfung hält die Hildenerin nichts: „Einige Frauen im Bekanntenkreis haben sich impfen lassen und sind dann richtig krank geworden.“

Coronavirus-Hotline des NRW-Gesundheitsministeriums Telefon 0211 8554774.