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Hilden: CO-Pipeline: Breiter Protest wird sichtbar

Hilden : CO-Pipeline: Breiter Protest wird sichtbar

Ein von Bürgermeister Horst Thiele enthülltes Banner soll die Aufmerksamkeit hochhalten. Stadtrat und Bürgerinitiative engagieren sich gemeinsam. Nächste Anhörungen zur Pipeline im November.

Damit der Protest gegen die Kohlenstoffmonoxid-Pipeline der Bayer AG nicht in Vergessenheit gerät, enthüllte Hildens Bürgermeister Horst Thiele gemeinsam mit Vertretern des Hildener Stadtrats und der Bürgerinitiative "Stopp-CO-Pipeline" gestern ein Banner am Mahnmal gegen die CO-Pipeline an der Richrather Straße/ Ecke Salzmannweg. Der "CObelisk" — ein Stein mit entsprechender Namensplakette — war bereits 2008 hier aufgestellt worden.

"Uns ist aufgefallen, dass dieses Mahnmal relativ wenig wahrgenommen wurde. Das Banner soll nun die Aufmerksamkeit wieder auf die Sache lenken", sagt Dieter Donner, Pressekoordinator der Bürgerinitiative für Düsseldorf, Solingen und den Kreis Mettmann. Für Bürgermeister Thiele ist das Banner, das die Logos der Stadt und aller im Rat vertretenen Fraktionen zeigt, ein deutliches Zeichen für den Zusammenhalt der Ratsmitglieder über die Parteigrenzen hinweg. "Wir unterstützen die Initiatoren gegen die Pipeline wo wir können, und werden weiter daran arbeiten, dass dieses Projekt verhindert wird", so Thiele. Auch sei es eine wichtige Aktion gegen das Vergessen. Denn die CO-Pipeline liegt bereits fertig im Boden, könnte also jederzeit in Betrieb gehen. Die nächste Anhörung zur Inbetriebnahme der Pipeline soll im Januar 2014 vor dem Oberverwaltungsgericht stattfinden.

Rainer Kalbe ist Mitglied und Organisator der Bürgerinitiative "Stopp-CO-Pipeline" in Hilden. Er ist selbst direkt von der Pipeline betroffen, wohnt nur wenige Meter entfernt vom Streitobjekt der letzten Jahre. Er begrüßt den Zusammenhalt der Fraktionen des Stadtrats und deren Unterstützung im Kampf gegen die CO-Pipeline. Er selbst sehe sich von dem Bau nicht direkt gefährdet, möchte aber Kinder und Enkel in der Zukunft schützen. "Die Wirtschaft kann nicht alles mit uns machen", sagt er und wird sich auch in Zukunft verstärkt dafür engagieren, dass die Bevölkerung über die Pläne des CO-Pipeline-Baus informiert wird.

Donner, Mitglied im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in der Ortsgruppe Hilden, weist noch einmal deutlich auf die Sicherheitsfragen bei Betrieb einer CO-Pipeline hin: "Die Tatsache, dass ein hochgiftiges und nicht wahrnehmbares Gas, dass bei geringsten Konzentrationen bereits zum Tode führt, direkt durch Wohngebiete geleitet wird, ist einfach eine Zumutung." Man dürfe Anwohner nicht einer solchen Gefahr aussetzen, so Donner weiter.

Bereits eine eingeatmete Menge von 30 Millilitern des geruchs- und geschmacklosen Gases führten zur Ohnmacht, bei mehr als 130 Millilitern trete unweigerlich der Tod ein, erklärt der ehemalige Kinderarzt und Mitglied der Bürgerinitiative Gottfried Arnold die gefährlichen Auswirkungen des Gases. "Und die verbauten Sicherheitssysteme der Pipeline liefern keinen ausreichenden Schutz". Das System zur Leckerkennung löse theoretisch erst bei einer bereits stark gesundheitsgefährdenden Konzentration des Gases aus und auch die Druckabfall-Erkennung reagiere erst bei einem sehr hohen Druckabfall. "Bis dahin ist längst eine potenziell tödliche Menge des Giftgases ausgetreten", sagt Arnold, der zur Nervengiftigkeit von Kohlenstoffmonoxid promoviert hat.

Auch in Monheim und Langenfeld stehen Mahnmale, die die Ablehnung vieler Bürger und der Politik gegenüber der Pipeline ausdrücken. Anfang November findet eine Anhörung in der Essener Gruga-Halle über die nicht-genehmigten Änderungen an der Pipeline durch die Bayer AG während ihres Baus statt. Über 24000 Einwendungen liegen hierzu von den betroffenen Bürgern und Städten vor.

(RP)