Hilden: City: Rabatte bis zu 60 Prozent

Hilden: City: Rabatte bis zu 60 Prozent

Das Wetter ist mies, viele mögliche Käufer sind in den Urlaub gefahren und die Sommerware liegt wie Blei in den Regalen der Einzelhändler. Deshalb purzeln überall die Preise für Saisonartikel. Schnäppchenjäger können jetzt Kleidung und Schuhe, aber auch andere Ware günstig einkaufen.

Die City ist gut besucht, aber Menschen mit dicken Einkaufstüten sucht man vergebens. Vor der Boutique Bonita steht eine ältere Dame, Brigitte Daniels: "Ich gucke immer nach Schnäppchen", sagt sie, hat aber noch nichts gekauft. "Wenn ich etwas Schönes sehe, das mir zu teuer ist, dann warte ich oft monatelang darauf, bis die Ware reduziert wird." Bei Gerry Weber habe sie kürzlich "eine schöne Strickjacke" gekauft. "Da habe ich auch gewartet und sie für fast die Hälfte des Preises bekommen." Die Seniorin wohnt in Erkrath und ist mit ihrer Nichte nach Hilden gekommen. Natalie Pilapl sucht nie nach Schnäppchen. In ihrer Einkaufstüte steckt bereits Kleidung für den Herbst. "Die war nicht reduziert. Entweder ich kann mir etwas leisten, oder ich lasse es. Reduzierte Ware ist doch oft minderwertig. Da lasse ich die Finger von", sagt sie.

Überall "Sale": Viele Händler hoffen, über Preisnachlässe die Lager leer zu bekommen. Foto: matzerath/staschik

"Das ist eine Katastrophe"

Einzelhändler werden diese Äußerungen nicht gerne hören. Einige locken schon seit Wochen mit Rabatten bis zu 60 Prozent – nicht etwa auf das, was der Volksmund "Ramschware" nennt, sondern auf ihre ganz reguläre Ware. In der "Lingerie Johanna" gibt es satte Rabatte von bis zu 40 Prozent.

Inhaberin Johanna Krupinski steht alleine im Laden und hat Lust zu plaudern. Warum es jetzt schon Rabatte gibt? "Wegen der Ferien, und weil es alle machen, aber eigentlich ist es zu früh", klagt sie: "Das Wetter macht viel kaputt. Wir werden die Frühsommerware nicht los, weil die Laufkundschaft fehlt. Bei schlechtem Wetter haben die Kunden schlechte Laune und kaufen sich nichts. Wenn es ständig regnet, bleiben sie zu Hause." Das Lager ist voll, die Herbstware bereits bestellt, da helfen nur Preissenkungen – oder auch nicht. Freizügige Corsagen und die Spitzenwäsche bleiben hartnäckig hängen. "Die Leute wollen neue Dessous, wenn sie neue Kleider gekauft haben." Und das tun sie derzeit nicht.

  • Sommerschlussverkauf : Händler machen Platz für Herbstware

Hermann Reffelmann verkauft in der Bismarck-Passage Kleidung und Schuhe; er versucht es zumindest. Es ärgert ihn, dass er die Preise senken musste, aber die Mitbewerber machen es vor. "Wenn in Köln und Düsseldorf die Preise purzeln, sind wir gezwungen mitzuziehen." Er gewährt zurzeit Ratte bis zu 50 Prozent. Auch bei ihm sind die Lager voll, ist die Herbstkollektion bereits eingetroffen.

Schräg gegenüber, bei den Lederwaren und Koffern von Geffers gibt es ausnahmsweise keine Nachlässe. Verkäuferin Gisela Feinen weist auf die schwarzen Handtaschen: "Das sind Klassiker, die kommen nicht so schnell aus der Mode." Auch Schirme bietet das Geschäft an, mit wenig Erfolg. Die Verkäuferin vermutet, dass die Kunden genug davon im Schrank haben. "Selbst Schirmreparaturen sind derzeit nicht gefragt." Nesrin Schumann, die das kleine Schuhgeschäft – Schu(h)mann– am Warrington-Platz betreibt, ist ebenfalls frustriert: "Nachts kann's gerne regnen, aber bitte nicht am Tag. Das ist jetzt schon der zweite schlechte Sommer, und der Winter war auch viel zu mild." Die Klagen wiederholen sich. Schumann bleibt auf den Sommerschuhen sitzen und hat die Preise um 20 bis 50 Prozent reduziert. "Das ist eine Katastrophe." Sie tröstet nur, dass es anderen Einzelhändlern auch nicht besser geht: "Eine Freundin arbeitet in einem Baumarkt. Die bleiben auf ihren Gartenmöbeln sitzen."

Auf der Mittelstraße lockt beinahe jedes Geschäft mit Preisnachlässen. Die einen werben diskret, kleben zum Beispiel kleine rote Punkte auf die Preisschilder der reduzierten Ware, andere versprechen laut: "Zwei Paar Schuhe zum Preis von einem", "bis zu 60 Prozent Rabatt" oder "weitere Schnäppchen im Laden". Einige Schaufenster sind flächendeckend mit Prozentzeichen und dem neudeutschen Wort "Sale" dekoriert.

In allen Geschäften warten die Händler auf bessere Zeiten. Frau Schumann aus dem Schuhgeschäft macht sich vorsichtig Hoffnungen: "Vielleicht stimmt es ja, und nächste Woche kommt endlich der Sommer. Die Hoffnung stirbt zuletzt," sagt sie und lacht.

(RP)
Mehr von RP ONLINE