Hilden: Chören ist Stadthalle zu teuer

Hilden: Chören ist Stadthalle zu teuer

Der Oratorienchor Hilden verlegt sein Frühlingskonzert 2012 von der Stadthalle Hilden in die Stadthalle Elberfeld. Der Chor erhält von der Stadt für drei Konzerte 12 000 Euro, bringe dafür aber selbst 30 000 Euro auf.

Der Oratorienchor Hilden veranstaltet seit vielen Jahren ein Frühlings-, ein Herbst- und ein Silvesterkonzert in der Stadthalle Hilden. Die Stadt Hilden honoriert diesen Beitrag zum Kulturleben mit einem Zuschuss von zurzeit 12 000 Euro. Die Zuwendung ist jedes Jahr gesunken. Für das nächste Jahr kann der Oratorienchor nur noch mit 11 000 Euro, 2012 nur noch mit 10 000 Euro rechnen. Aus eigenen Mitteln bringt der Chor für die drei Konzerte 30 000 Euro im Jahr auf, erläutert Gründer und Dirigent Franz Lamprecht. Das könne sich der Chor nicht mehr leisten und müsse jetzt die Notbremse ziehen.

Das Frühjahrskonzert 2012 des Hildener Oratorienchores werde nicht mehr in der Stadthalle Hilden, sondern in der historischen Stadthalle Wuppertal-Elberfeld stattfinden. Die Hildener Stadthalle sei zwar immer ausverkauft gewesen, aber mehr als 500 Zuschauer passten dort nicht hinein, erläutert Lamprecht die Gründe für den Ortswechsel. Chor und Orchester seien zu groß für die Stadthallenbühne und müsse vor der Bühne Aufstellung nehmen. Zum Vergleich: Die Elberfelder Stadthalle habe eine Kapazität von maximal 1435 Plätzen und sei damit viel wirtschaftlicher. Die beiden anderen Konzerte will der Oratorienchor weiter in der Hildener Stadthalle veranstalten. Mit einem städtischen Zuschuss von 10 000 Euro sei das zu machen, sagte Lamprecht.

Hinter verschlossener Tür

  • Hilden : Oratorienchor singt im Mariendom

Neben dem Oratorienchor hatten sechs weitere Chöre über zu hohe Mietkosten für die Stadthalle geklagt und den Stadtrat um Hilfe gebeten. Der erklärte sich für nicht zuständig und verwies die Bitte an den Aufsichtsrat der Stadt Hilden Holding, der sich voraussichtlich am 26. April mit dem Thema beschäftigen wird. Im Aufsichtsrat, der hinter verschlossenen Türen tagt, sind alle im Ratsfraktionen vertreten. Betreiber der Stadthalle ist die Alzer Projektmanagement GmbH. Sie bestätigt die Darstellung der Probleme der Vereine mit der Stadthallenmiete, betont aber, dass dies nicht an zu hohen Preisen liege. Die Gebühren seien mit der Stadt abgesprochen und seit fast 20 Jahren unverändert (siehe Info). Wer die Bühne nutzen wolle – und das wollten viele Vereine schon aus Prestigegründen –, müsse für 450 Euro einen Bühnenmeister dazu mieten. Das verlange der Gesetzgeber. Licht- und Tontechnik kosten extra (260 beziehungsweise 380 Euro). Gastchöre, Solisten, Dirigent: Auch hierfür fallen weitere Kosten an, die bezahlt werden müssen.

Defizit muss bezahlt werden

Kulturdezernent Reinhard Gatzke hofft, dass dem Aufsichtsrat der Stadt Hilden Holding eine vertretbare Balance gelingt zwischen dem berechtigen Anliegen der Vereine und dem Zwang der Stadt, zu sparen. Denn wenn die Stadthalle den Vereinen finanziell entgegenkommt, müsste dieses Defizit von der Stadt Hilden Holding, sprich am Ende den Hildener Steuerzahlern getragen werden. Darauf hatte Kämmerer Heinrich Klausgrete bereits im Stadtrat hingewiesen. Im Mai will der Kulturdezernent mit dem musikalischen Aushängeschild der Stadt verhandeln: "Es wäre schade, wenn der Chor nicht mehr in Hilden aufträte."

(RP)