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China-Austauschschüler aus Chengdu am Bonhoeffer-Gymnasium Hilden

Hilden : Hyan ist neugierig auf Deutschland

Das evangelische Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium hat 20 junge Chinesen zu Gast. Sie sind in Gastfamilien untergebracht. Eine spannende Begegnung für beide Seiten.

Wie erklärt man „strammer Max“? Und das in einer anderen Sprache? Schon bei dieser Frage wird klar, dass es eine Herausforderung ist, einen Gast aus einer anderen Kultur zu beherbergen. Hyan (16) ist trotzdem begeistert von Deutschland- und vom Strammen Max. Sie möchte so viel Neues wie möglich erleben. Das alles in Deutschland so klein sei, findet sie schön. Und sich gewundert, dass die Deutschen so viel Platz haben. Hyan lebt in Chengdu, einer Mega-Metropole mit 40 Millionen (!) Einwohnern.
Vor allem in den ersten Tagen ihres neuntägigen Deutschlandbesuchs, entdecken die Chinesen viel Neues. Hyan wundert sich über die Spitzdächer der Häuser: „Zuhause haben wir nur Hochhäuser mit Flachdach.“ In ihrem Hochhaus leben rund 600 Familien. Darum staunt sie über die viele Einfamilienhäuser hierzulande: „Und fast jede Familie hat einen Garten, das ist toll.“ Auch Austauschschülerin Chen Li (16) ist begeistert. „Die Häuser hier sind so schön.“

Aber in China ist nicht nur die Architektur anders. „Das Essen ist viel schärfer“, erklärt Chen Li. In ihrer Heimat esse sie außerdem mehr warmes, gekochtes Essen, fast zu jeder Mahlzeit. „Und wir essen nicht so viel Brot.“ ergänzt Hyan. Dafür seien die Früchte und das Obst in China oft getrocknet oder kandiert. Frisches Obst, vor allem Johannisbeeren oder Stachelbeeren, sei für die Chinesen etwas Besonderes.
Das wohl ungewöhnlichste Lebensmittel, was die Chinesen in Deutschland entdeckt haben, ist aber Wasser mit Kohlensäure. Denn das gibt es in China nicht. Hyan verzieht das Gesicht, als sie es zum ersten Mal probiert. Seither gibt sie diesem Wasser den Spitznamen „Salziges Wasser“, weil es ihrer Meinung nach salzig schmeckt.
Zheng (16) erklärt, dass Wasser in China oft heiß getrunken wird, und er sich erst daran gewöhnen muss, dass das Wasser in Deutschland kalt ist. Und auch an deutschen Reis. Der sei nämlich auch anders als in China.
Udo Kotthaus, Leiter des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums, hofft, dass dieser Austausch der Beginn einer langen Partnerschaft ist und die Chinesen eine gute Zeit in Deutschland haben. Er dankt Karin Plaggenborg, die den Austausch organisiert und den Kontakt zu der chinesischen Schule hergestellt hat. Er könne sich vorstellen, wie schwer es für die Jugendlichen aus dem Reich der Mitte sei, sich in einem fremden Land zurechtzufinden. „Als ich das erste Mal mit Stäbchen gegessen habe, habe ich fast nichts in meinen Mund bekommen“, gibt er zu. Die Chinesen lachen. Sie sind froh, dass sie in Deutschland zu Gast sind. Und viel Zeit mit den Gastfamilien verbringen können. Das sei toll, sagt Chen Li. In China müsse sie von 7.30 Uhr bis 20.30 Uhr in der Schule sein - und danach noch Hausaufgaben machen. Da bleibe ihr nicht viel Zeit für Familie, Freunde und Hobbys, obwohl sie sich das wünschen würde. Hyan hingegen ist begeistert vom deutschen Charakter. „Die Chinesen sind sehr verschlossen. Wir müssen zum Beispiel in der Schule immer unsere Schultern und Knie bedecken“, erklärt sie. Und sie wären auch sehr zurückhaltend. Ihre Eltern würden sich nicht einmal umarmen. Sie wünscht sich, dass die Chinesen etwas mehr Offenheit zeigen, so wie es die Deutschen tun.