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Hilden: Chemie fließt weiter in Itter

Hilden : Chemie fließt weiter in Itter

Zentrale Abwasser-Entsorgungsanlage für die bergische Galvano-Branche kommt nicht. Ein wirtschaftlicher Betrieb der fortschrittlichen Anlage scheint auf lange Sicht nicht möglich zu sein.

Solingen Die Stadt Solingen hat die Hoffnung so gut wie aufgegeben, einen Investor zu finden, der die geplante zentrale Abwasser-Entsorgungsanlage für die bergische Galvano-Branche errichtet und betreibt. Mit dieser Anlage sollte die Belastung der Itter insbesondere mit gesundheitsschädlichen Perfluortensiden (PFT) verringert werden.

"Wir bedauern es sehr", sagte Stadtdirektor Hartmut Hoferichter in der jüngsten Sitzung des Solinger Planungsausschusses. "Aber es hat sich gezeigt, dass man mit dieser fortschrittlichen Anlage, die über den Stand der Technik hinausgeht, nicht in überschaubarer Zeit marktfähig werden kann."

Bis Mai 2011 seien unter der Leitung der Stadt mit der Kreishandwerkerschaft, den Wasserverbänden, den Technischen Betrieben Solingen, mehreren interessierten Unternehmen aus der Entsorgungsbranche sowie Solinger Galvano-Unternehmen als potenziellen Investoren Gespräche durchgeführt worden. Allerdings ohne Erfolg. Der Stadtdienst Natur und Umwelt unternehme daher zunächst keine weiteren Aktivitäten zur Suche neuer Investoren für die technischen Umsetzung des Projektes. Fördermittel müssten nicht zurückbezahlt werden, weil die Anlage nun nicht gebaut werde.

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950 000 Euro Fördergelder

Im Sommer 2003 war in Solingen die erste Phase des Projektes zur Verbesserung der Gewässergüte gestartet. Für die Durchführung wurden im Verlauf von fünf Jahren rund 950 000 Euro Fördergelder durch das Landesumweltministerium bewilligt. In einer Machbarkeitsstudie sollte der Betrieb einer geeigneten, zentralen Abwasserbehandlungsanlage für kleine und mittlere Unternehmen der Metallbranche geprüft werden. Aufgrund der positiven Ergebnisse konnte im Frühjahr 2007 Phase zwei des Projektes gestartet werden. Es entstand eine technische Vorkonzeption. Handwerk, Industrie sowie die Stadtverwaltungen von Solingen, Wuppertal, Remscheid und des Kreises Mettmann zogen bei diesem Projekt an einem Strang.

Nachdem durch Rechtsgutachten der Abwasserberatung NRW und durch das Rechtsamt der Stadt Solingen unabhängig bestätigt wurde, dass die geplante Anlage als öffentliche Anlage zur Abwasserbeseitigung betrieben werden kann, konnten durch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Anfang 2010 mehrere Szenarien erstellt werden, bei denen ein wirtschaftlicher Betrieb der Anlage durchaus möglich erschien. Daraufhin habe man sich mit den potenziellen Investoren ins Gespräch gesetzt. Doch am Ende habe sich herausgestellt, dass eine solche Anlage wohl doch über einen längeren Zeitraum ein Minus-Geschäft werde.

Die Grünen bedauern, dass die zentrale Abwasseranlage nun vom Tisch sei. Dies wollte Planungsdezernent Hoferichter dann aber auch nicht so stehenlassen. "Eine winzige Hoffnung besteht noch, einen Betreiber zu finden", sagte er.

(RP/rl)