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Caritas bekämpft mit Landesinitiative Wohnungslosigkeit im Kreis

Unrühmliche Statistik : Caritas will Wohnungslosigkeit verhindern

Nur in Düsseldorf und Köln ist das Risiko in NRW, wohnungslos zu werden, größer als im Kreis Mettmann. Eine Landesinitiative, an der sich das Wohnraummanagement der Caritas beteiligt, will das jetzt ändern.

In dieser Statistik belegt keiner gern die Spitzenplätze:  Es geht um ein Ranking zum Thema Wohnungslosigkeit in Nordrhein-Westfalen. In dieser ruhmlosen Bilanz steht der Kreis Mettmann auf Platz drei von insgesamt 20 Kreisen und kreisfreien Städten, die besonders von dem Problem betroffen sind. 1805 Personen waren zum Stichtag der Zählung im Kreisgebiet wohnungslos. Nur in Köln (5987) und Düsseldorf (4793)  ist demnach das Risiko größer, wohnungslos zu werden und es zu bleiben. Zum Vergleich: Für den Kreis Wesel (Platz 19) sind 853 Fälle verzeichnet und für die Stadt Bonn (Platz 20) sind es 812.

Der Kreis Mettmann ist in vier psychosoziale Versorgungsregionen eingeteilt. Die Caritas-Wohnungslosenhilfe betreut die Region drei mit den Städten Mettmann, Erkrath und Haan. Seit November vergangenen Jahres ist sie aktiv in einer Landesinitiative mit dem verheißungsvollen Titel „Endlich ein Zuhause“. Ins Leben gerufen hat das Projekt NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU). Zur Verbesserung der Situation hat er unter anderem mit Vertretern der Wohnungswirtschaft eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, um Wohnungsverluste zu vermeiden und wohnungslose Menschen besser und schneller mit Wohnraum zu versorgen.

„Obdachlosigkeit ist nach Hunger die schlimmste Form von Armut und jeder wohnungslose Mensch ist einer zu viel”, betont der Minister. Viele Städte stünden vor wachsenden Problemen bei der Bekämpfung von Obdachlosigkeit. Daher nun die Initiative „Endlich ein Zuhause“. Begonnen wird mit den 20 Kreisen und Kommunen in NRW, in denen statistisch besonders viele Menschen von Wohnungslosigkeit betroffen sind. Mit der Förderung soll den Kommunen ermöglicht werden, die präventiven und nachgehenden Wohnungsnotfallhilfen personell zu verstärken sowie eine intensive Wohnraumakquise zu betreiben.

Thomas Rasch, Bereichsleiter Integration und Rehabilitation bei der Caritas im Kreis Mettmann. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Im Kreis Mettmann ist das neu geschaffene Wohnraummanagement innerhalb des Fachdienstes „Wohnungslosenhilfe“ des Caritasverbandes Partner der Initiative und hat auch schon konkret geholfen: So konnte beispielsweise im vergangenen Monat eine Räumung dank der Zusammenarbeit zwischen Wohnungslosenhilfe und dem Rechtsanwalt eines Vermieters um zwei Monate aufgeschoben werden. Auf diese Weise bleibe Spielraum, um die betroffene Person, gegebenenfalls mit weiterer Unterstützung, nahtlos in eine Wohnung zu vermitteln, betont die Caritas. Die prekäre Lage, in einer Notunterkunft leben zu müssen, könne abgewendet werden.

Marlene Biernat ist im Rahmen der Landesinitiative beim Kreiscaritasverband verantwortlich. Die gelernte Immobilienfachwirtin ist das Bindeglied zwischen der Wohnraumwirtschaft und den Sozialarbeitern des Fachdienstes. Ihr Büro hat sie zentral in der Kreisverwaltung des katholischen Wohlfahrtverbandes. „Während in der Beratung die Betroffenen lebenspraktische Hilfe erfahren, bin ich Ansprechpartner für Vermieter, gehe aber auch aktiv auf einzelne Hausbesitzer oder Wohnungsbaugesellschaften zu und mache unser neues Konzept bekannt“, schildert die 33-Jährige ihre Vorgehensweise.

Besonders geht es der Caritas darum, privaten Vermietern die Angst zu nehmen, ein vermeintlich unsicheres Mietverhältnis einzugehen. Denn der Wohlfahrtsverband fungiert nun als Ansprechpartner für alle Belange. Ergänzt wird die Landesinitiative durch die fachliche Beratung und Unterstützung von Alexander Lajios. Der diplomierte  Sozialarbeiter und Sozialpädagoge sorgt gemeinsam mit dem Team der Caritas-Wohnungslosenhilfe für gute Vorbereitung und intensive Betreuung der künftigen Mieter.

Dass die statistische Ausgangslage nicht gut ist, dessen sind sich alle bewusst. „Das darf nicht so bleiben“, findet Thomas Rasch, Bereichsleiter bei der Caritas und ergänzt: „Es ist wichtig, bereits frühzeitig unterstützend einzugreifen, etwa durch präventive Angebote und Hilfen wie ambulant betreutes Wohnen, Fachberatung, gemeinsame Budgetverwaltung und weitere Maßnahmen.“  Denn wer erst einmal wohnungslos geworden sei, habe es schwer, da wieder herauszukommen.

Das Caritas-Wohnraummanagement spricht in diesem Zusammenhang auch die gesellschaftliche Verantwortung insbesondere der Wohnungsunternehmen an. „Je enger die Zusammenarbeit, umso größer die Vorteile“, ist Marlene Biernat überzeugt. Schließlich würden Mietausfälle und Räumungen Kosten verursachen. Die Zusammenarbeit im Rahmen der Landesinitiative hingegen schaffe zufriedene Vermieter und gebe den Menschen wieder ein Stück Würde zurück.