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Bundesliga-Geisterspiele; HIldener Fans und Wirte skeptisch

Bundesliga startet mit Geisterspielen : Fußball-Gucken ohne Partystimmung

Die Bundesliga startet – unter besonderen Bedingungen. Fans und Gastwirte blicken den Geisterspielen mit gemischten Gefühlen entgegen. Für viele Wirte lohnt sich eine Öffnung nicht, weil zu wenige Gäste kommen dürften.

Die Corona-Krise hat Michael Borkenhagen schwer getroffen. Die Vorbereitungen für die Wiedereröffnung seiner Gaststätten traf der 61-Jährige allein, auch den Betrieb hält er allein am Laufen. Seine fünf Angestellten für die Fortuna-Kneipen „Zum Römerwirt“ und „Borky’s Palette“ in Hilden musste er entlassen. Nun darf er zwar wieder öffnen, aber: In den „Römerwirt“ darf er aufgrund der Abstandsregeln wesentlich weniger Gäste einlassen als bisher, die „Palette“ bleibt aufgrund ihrer geringen Größe zu.

Borkenhagen erklärt: „Für maximal fünf Gäste lohnt es sich leider nicht, den ganzen Apparat zu öffnen.“ In  der Gastronomie mit ihren hohen Kosten für den laufenden Betrieb sei es ohnehin schwer, „und Corona hat natürlich alles verschlimmert.“ An Partystimmung sei nicht zu denken, wenn in der Stammkneipe des Fortuna-Fanclubs „Römerwirt“ ab Samstag Fußball-Übertragungen gezeigt werden – mit hohen Auflagen wie Abstandsregeln, Desinfektionsspendern und Maskentragen, sobald ein Gast aufsteht.  Michael Borkenhagen sagt: „Ich hoffe einfach, dass wir bald wieder normal öffnen und uns gegenseitig die gute Laune zurückgeben können.“

Von guter Laune und Freude spricht auch Sven Hartmann, wenn er an die Zukunft denkt. Der 30-Jährige kann es kaum erwarten, wieder auf der Tribüne im Stadion zu stehen. „Das Gefühl, Teil all dessen sein zu dürfen, ist einfach unbeschreiblich.“ Seit seiner Kindheit ist Hartmann BVB-Fan und gehört zu den Gründungsmitgliedern des Fanclubs „Echte Liebe Hilden“, schaut sich normalerweise jedes Heimspiel im Stadion und – je nach Kartenverteilung – auch jedes Auswärtsspiel an.

Dem Revierderby BVB gegen Schalke am Samstag sowie dem weiteren Verlauf der Liga blickt Hartmann skeptisch gegenüber. „Geisterspiele sind einfach nicht das Gleiche wie normale Spiele, weder für Spieler noch für Zuschauer.“ Am meisten wird ihm die Meisterfeier fehlen. „Eigentlich“, kommentiert er trocken, „ist es ja fast schon egal, wer gewinnt.“ Das anschließende Feiern der Mannschaft – sollte Dortmund gewinnen, üblicherweise mit Tausenden Fans auf der B 1 – fände ja ohnehin nicht statt.

Die Stammkneipe des Fanclubs „Echte Liebe Hilden“ ist das „Barock“. Inhaber Thorsten Klimczak (47) ist zwar froh, wieder öffnen zu können, „ich habe meinen Laden aber noch nie mit so gemischten Gefühlen betreten wie jetzt.“ Er und die Gäste würden das „Barock“ aufgrund der vielen Auflagen kaum wiedererkennen. „Hier herrscht eigentlich eine sehr lockere Atmosphäre. Jetzt müssen viele Regeln eingehalten werden, ohne dadurch möglicherweise Gäste zu vergraulen.“

Im schlimmsten Fall kämen lediglich 18 Gäste zum gemeinsamen Gucken, denn zum einen seien die Leute sehr zurückhaltend mit Besuchen in Gaststätten, zum anderen müssen sie so platziert werden, dass keine großen Gruppen entstehen, und das wären bei lauter Einzeltischen im „Barock“ 18.

Sven Hartmann beispielsweise schaut sich das Spiel zu Hause an. So groß seine Liebe zum Fußball auch ist, „riskieren sollte man trotz der Lockerungen nichts.“ Aus der What’sApp-Gruppe, über die der Fanclub  derzeit Kontakt hält, weiß er, dass sich auch bei den anderen Clubmitgliedern  das Interesse an Treffen derzeit in Grenzen hält.