Hilden: Bürgerhaus-Sanierung stockt

Hilden: Bürgerhaus-Sanierung stockt

Seit Anfang April ist das Denkmal an der Mittelstraße 40 eingerüstet. Teile der Fassade müssen ausgetauscht werden. Der Landeskonservator muss der Befestigung der neuen Steine noch zustimmen.

Das Bürgerhaus an der Mittelstraße 40 ist seit 2. April eingerüstet. Die Fenster sollten gestrichen, die bröckelige Fassaden saniert werden, teilte das Amt für Gebäudemanagement zu Beginn der Arbeiten mit. Auf den Gerüsten sieht man aber nur selten Arbeiter. Stimmt, bestätigte Amtsleiter Ralf Scheib. Die Außenarbeiten ruhten seit gut eineinhalb Wochen. An der Fassade müssten ganze Mauersteine ausgetauscht werden. Und diese müssten so befestigt werden, dass sie auch halten, erläuterte Scheib. Weil das Bürgerhaus ein Baudenkmal sei, müsse der Landeskonservator den geplanten Arbeiten zustimmen: "Wir hoffen auf eine Entscheidung in dieser oder spätestens der nächsten Woche." Bis dahin würden andere geplante Arbeiten durchgeführt, etwa die Feuchtigkeit im Erdgeschoss beseitigt. Das Bürgerhaus ist weiter geöffnet. Die Sanierung ist mit 170 000 Euro kalkuliert.

Überraschungen dieser Art hat es immer wieder in der Geschichte des ersten Hildener Rathauses gegeben. 1861 erhielt Hilden die Stadtrechte. Nun müsse auch schnellstens ein Rathaus her, waren sich die politischen Vertreter der 5000 Einwohner einig – und stritten elf Jahre über den richtigen Ort. Als der endlich gefunden war, dauerte es weitere fünf Jahre, bis die Stadt das Haus des Kaufmanns Jonathan Schimmelbusch endlich kaufen und umbauen konnten.

1888 wurde die Mittelstraße gepflastert und der Lärm des zunehmenden Straßenverkehrs begann, sehr zu stören. Besonders wenn die eisenbeschlagenen Räder der Fuhrwerke über das Pflaster holperten. Die Stadtverordneten und Bürgermeister Heitland waren es 1898 so leid, dass sie den Abriss des Verwaltungsgebäudes und den Neubau eines richtigen großen Rathauses an gleicher Stelle beschlossen. Architekt Walter Furthmann aus Berlin, ein gebürtiger Hildener, ergatterte den Auftrag und errichtete ein – wie es damals hieß – "Prachtgebäude im Stil der Spätrenaissance" aus Waiberner Tuff- und Lauterthaler Sandstein, das auf allgemeine Begeisterung stieß. Deshalb sah man über zwei kleine Schönheitsfehler einfach hinweg. Statt der veranschlagten 130 000 Mark kostet das prächtige Rathaus am Ende stattliche 163 633 Mark. Und es war ein Schwarzbau. Drei Wochen vor der offiziellen Einweihung am 18. Dezember 1900 (Hilden zählte jetzt 11 000 Einwohner) machte Landrat von Kühlwetter Bürgermeister Heitland darauf aufmerksam, dass er vergessen hatte, eine Baugenehmigung einzuholen. Das wurde diskret nachgeholt.

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Nach der Errichtung des neuen Rathauses wurde das alte Rathaus zum Bürgerhaus umgestaltet. Am 16. Februar 1990 wurde Richtfest für beide Rathäuser gleichzeitig gefeiert – aus Sparsamkeit, so die Stadtverwaltung.

Am 29. April brach Feuer im fast fertigen Dachgeschoss des alten Rathauses aus. Es verursachte einen Schaden von rund einer Million Mark, für den glücklicherweise eine Versicherung aufkam.

1990/91 wurde das Bürgerhaus eingeweiht. Die Sanierung kostete knapp fünf Millionen Euro, davon übernahmen Bund und Land 2,9 Millionen Mark. Abweichung von der Kalkulation: knapp 42 000 Euro.

(RP)
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