Kunst und Kultur Bürgerfestival macht Hilden zur Freilichtbühne

Hilden · Bei der ersten Auflage des Festes mischten zahlreiche Bands, Chöre und Tanzgruppen mit – und lockten viele Besucher an. Für die gab es auch einiges zum Selbermachen.

So bunt und musikalisch ist Hilden​
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So bunt und musikalisch ist Hilden

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Foto: Köhlen, Stephan (teph)

„Wollen Sie etwas malen?“ sprach Marlene Steinbach immer wieder mutig die Passanten an – und hielt ihnen einen kleinen Karton mit bunter Kreide hin. Ausreden wie „Ich kann das nicht“, galten nicht. Denn spätestens die Gruppendynamik brachte die Angesprochenen jedweder Altersgruppe dann doch dazu, auf dem Pflaster niederzuknien und dort ihr eigenes kleines Kunstwerk zu hinterlassen. Das passte zum Anlass: Denn schließlich hatten Kulturamt und Stadtmarketing das 1. Hildener Bürgerfestival unter das Motto „Hildener für Hildener“ gestellt – und damit nicht nur das „Wir-Gefühl“, sondern auch die Leidenschaft für Kunst und Kultur innerhalb der Stadtgesellschaft beschworen.

Für die Straßenmalerei am Ende der Mittelstraße gegenüber dem Fritz-Gressard-Platz hatten Marlene Steinbach und ihre Schwester als ehrenamtliche Unterstützerinnen des Kulturamtes am Samstagmorgen mit Sprühkreide ein blau-rot-gelbes Raster auf den Boden gezaubert – mit insgesamt 128 Vierecken. Und in denen entstanden nach und nach die unterschiedlichsten Motive: Da gab es einen fröhlichen Drachen, viele Herzen, Sonnen und Blumen, Fußbälle, einen gefräßigen Hasen – und einen stämmigen, blauer Elefanten, der seinen Rüssel zu einem kraftvollen „Töröö!“ in die Luft zu recken schien.

Der Elefant stammte von Babette Heil. Sie war mit einer Bekannten und deren Kindern am Ort der offenen Straßenkunst vorbeigekommen – und machte sich, animiert vor allem durch die Jugend, akribisch ans Werk. War ihre Beteiligung an der Malaktion eher spontan, suchte sie einen weiteren Programmpunkt des Festivals sehr gezielt auf: „Ein Junge, den ich früher als Tagesmutter betreut habe, hat gleich seinen ersten Auftritt mit der Musikschule“, verriet Babette Heil: „Das muss ich mir auf jeden Fall anschauen.“

Zwei Bühnen und andere Anlaufpunkte hatten die Veranstalter in der belebten Innenstadt eingerichtet. Und dort gaben sich die mehr als 20 Musikensembles und Tanzgruppen am Samstag und Sonntag regelrecht die Klinke in die Hand. Die Genres waren dabei bunt gemischt: Das populäre „Indiana Jones“-Motiv von John Williams etwa gehörte zum Repertoire der Bläsergruppe „Brass GewItter“, die auf der Bühne am Alten Markt auftrat. „We will Rock you“ von Queen, von Streichern dargeboten, oder der erste Satz des „Frühlings“ aus Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ auf dem Akkordeon vernahmen die Zuhörer an einem Pavillon vor Peek und Cloppenburg. Dort zeigten verschiedene junge Ensembles der Musikschule ihr Können – umringt von handyzückenden Eltern und Großeltern sowie ihren staunenden Geschwistern. Und immer wieder ernteten die Nachwuchsmusiker herzlichen Applaus. Gleiches galt für die Chöre, vom „Chor 84“ über die „Hildener Chorgemeinschaft“ bis zu den „Bonni Voices“, die im Verlauf des Samstags auf der Bühne Alter Markt standen.

Fetzig wurde es am Ellen-Wiederhold-Platz – unter anderem mit der Choreographie des Tanzstudios Opgenoorth zum Hip-Hop-Lied „Hausaufgaben“ der Gruppe „Deine Freunde.“ Ein wenig ruhiger, aber dennoch lebhaft ging es am Stand des Stadtarchivs vor dem Bürgerhaus zu. Dort waren die Experten der Lokalgeschichte gefragt: Auf einer Stellwand hingen alte Schwarz-Weiß-Fotografien mit Fragestellungen wie „Wo bin ich?“ oder „Was passierte hier?“ Zu sehen waren dabei etwa der Reichshof am Platz des heutigen „Atrium“ von St. Jacobus – oder eine Aufnahme des Itter-Hochwassers aus dem Jahr 1957.

Zeitgenössische Informationen dazu, etwa aus Zeitungsartikeln, fanden die Betrachter auf der Rückseite der Stellwand. „Viele wissen sehr gut Bescheid“, befand Daniela Stingl vom Stadtarchiv, die das Bilderrätsel „Die Mittelstraße früher und heute“ gemeinsam mit Kollegin Christina Dütjer in der Fußgängerzone präsentierte. „Das Interesse ist groß“, freute sich Stingl.
„Virtuelle Kulturerlebnisse“ boten wiederum Mitarbeiter der Stadtbibliothek am Stand vor der Sparkasse, an dem sich Passanten eine VR-Brille überstreiften.

Zu den eifrigen Malern auf dem Straßenpflaster gesellte sich übrigens auch Hildens Bürgermeister Claus Pommer. Und Babette Heil hatte nach dem Besuch beim Musikschulkonzert ihres früheren Schützlings noch etwas Wichtiges zu erledigen: „Ich muss noch einkaufen für das Familienpicknick morgen im Stadtpark.“ Auch das gehörte zum Programm und war am Sonntag – flankiert von Aufführungen des Marionettentheaters und anderen Aktionen – ebenfalls rege besucht. Entsprechend zufrieden äußerte sich am Sonntagmittag Kulturamtsleiterin Eva Dämmer in ihrem vorläufigen Resümee: „Das Publikum hat das Festival sehr gut angenommen.“ Außerdem lobte sie das „großartige Miteinander“ der vielen beteiligten Akteure.

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