Hilden: Briefträger verlieren ihre Bezirke

Hilden : Briefträger verlieren ihre Bezirke

Die Entscheidung ist Harald Wolf nicht leicht gefallen: Der Gewerkschaftssekretär von Verdi musste akzeptieren, dass die Post in bundesweit 9000 Zustellbezirken künftig keine Vollzeit-Briefträger mehr beschäftigen wird. „Wir haben uns überlegt, ob wir uns nach Kräften gegen diesen Beschluss des Vorstandes stemmen oder ihn annehmen und versuchen, es für die Mitarbeiter möglichst erträglich zu machen“, sagt Wolf.

Das Ziel der Post ist aus Verbrauchersicht zu begrüßen: Künftig sollen vor allem Geschäftskunden ihre Post schneller und zu einer bestimmten Uhrzeit bekommen. Deshalb müssen die großen Zustellbezirke verkleinert werden. Die Kehrseite der Medaille: Aus Vollzeitstellen werden Teilzeitarbeitsplätze mit 19,25 Stunden pro Woche.

Außerdem sollen die Briefsortierung und die Austragung künftig getrennt werden. „Die Mitarbeiter können dann mit einem fertig sortierten Paket loslaufen“, erläutert Post-Sprecherin Brigitte Megow. Die Post wolle damit den Service verbessern und sich gegen die wachsende Konkurrenz wehren. Auf Nachfrage bestätigt sie: Das neue Konzept soll bis 2009 bundesweit umgesetzt werden. In Hilden geht es schon im April los.

„Wir haben in den Verhandlungen durchsetzen können, dass kein Mitarbeiter Halbzeit arbeiten muss, der das nicht möchte“, sagt Harald Wolf. Wer weiterhin eine volle 38,5-Stunden-Woche haben wolle, wird einen anderen Arbeitsplatz beim gelben Riesen bekommen. Der kann dann aber schon mal bis zu 90 Minuten Fahrzeit entfernt sein. „Das ist für die Kollegen sicherlich hart, aber es ist machbar“, urteilt der Gewerkschaftsfunktionär und verweist darauf, dass Arbeitslose Jobs mit bis zu zwei Stunden Anfahrtszeit annehmen müssten. Er schätzt, dass in der Region Düsseldorf rund 300 Bezirke von diesen Änderungen getroffen sind. „Diese Kollegen verlieren dann ihre Bezirke, die sie teilweise seit Jahren hatten“, ergänzt Wolf.

(RP)
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