Hilden: Bitten um gute Ernte

Hilden: Bitten um gute Ernte

Stadtmarketing und Stadtarchiv werfen auf Werbeständern plakativ Schlaglichter auf die Hildener Stadtgeschichte – und machen Appetit auf mehr. Den soll diese Serie stillen. Heute mit Informationen über das Hagelkreuz.

Viele Ortsnamen laden dazu ein, sich Gedanken zu machen über ihren Ursprung. Das trifft sicher auch auf die „Hagelkreuzstraße“ zu. Was ein Hagelkreuz sein soll, dürfte den wenigsten heutzutage geläufig sein. In Zeiten, als die Felder um Hilden herum noch bäuerlich bewirtschaftet wurden, war ein Hagelkreuz etwas, was für die Menschen durchaus wichtig war. Dort wurde Gottes Segen für eine gute Ernte erbeten.

Wohl und Wehe eines Dorfes

„An Wegekreuzungen, Bildstöcken oder kleinen Feldkapellen wurde alljährlich bei Prozessionen Station gemacht, um Gottes Segen zu erbitten. Eine besondere Bedeutung kam dabei dem Schutz vor Ernte vernichtenden Hagelschauern zu, die über Wohl und Weh eines ganzen Dorfes entscheiden konnten“, erläutert der Historiker Thomas Bernhardt auf seinem Plakat über das Hagelkreuz in Hilden. Es lag also nahe, einen Bildstock inmitten einer Feldflur gemäß seinem Zweck als „Hagelkreuz“ zu bezeichnen.

Obwohl die Tradition der Bittprozessionen für eine gute Ernte längst verloren gegangen und auch kein Bildstock oder Kreuz mehr zu finden ist, versammeln sich an der Stelle, wo einst das Kreuz stand, immer noch viele Menschen: Das Restaurant „Hagelkreuz“ ist ein beliebter Treffpunkt. Schon seit Jahrzehnten lädt eine Trinkhalle zum Verweilen in der Nähe des ehemalige Hagelkreuzes ein.

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Gaststätte mit langer Tradition

Allerdings: Dass dort wirklich ein Kreuz stand, ist nicht sicher zu belegen. In der Zeitschrift „Heimatwarte“ von 1932 schreibt der Hildener Hans Große: „Die heutige Schulstraße trug noch vor knapp einhundert Jahren den Namen Feldstraße. Sie war der Zugangsweg zu den dort gelegenen Feldern. Am Rande derselben, inmitten der Feldmark, stand ehedem ein Kreuz, wie die noch heute übliche Bezeichnung ,Am Hagelkreuz’ vermuten lässt.“

An die frühe Kultstätte zum Schutz der Ernte erinnert – neben dem Straßennamen – auch der Name der Gaststätte „Zum Hagelkreuz“. Es ist eine Gaststätte mit weit über 100-jähriger Tradition. In der Rheinischen Landeszeitung vom 21. Juni 1942 wird der Gaststätte „Zum Hagelkreuz“ eine kleine Abhandlung gewidmet: „Die heutige Gaststätte ,Zum Hagelkreuz’ (Peter Klein) verdankt ihre Entstehung zweifellos den günstigen Verkehrsverhältnissen, die an dieser Stelle schon früh nachweisbar sind. Das Haus, in dem ursprünglich auch eine Brennerei betrieben wurde, dürfte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden sein.“

(RP)
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