Bezirksregierung sucht Flächen für Wohnungsbau in Hilden und Haan

Hilden/Haan : Karnap und Elb – Düsseldorf macht Druck beim Bauland

Die Bezirksregierung will deutlich mehr Flächen für Wohnbebauung. Das geht aus einem nicht-öffentlichen Papier hervor. Die Empörung ist groß.

Wo heute noch Fahrradfahrer die Idylle genießen und Spaziergänger ihren Hund ausführen, könnte morgen schon ein neues Baugebiete entstehen – und das, obwohl die Stadt dies in keinster Weise möchte. Kein Scherz: in einem neuen Papier der Bezirksregierung Düsseldorf werden genau solche Flächen für eine mögliche Wohnbebauung ins Spiel gebracht.

Das Stadtgebiet von Hilden zählt zu den am dichtesten bebauten in ganz Deutschland. Davon ist Dieter Donner überzeugt. Er ist Ortsverbandsvorsitzender des Naturschutzverbandes BUND und hat an so manchem Behördenvorgang zum Schutz von wichtigen Flächen vor weiterer Bebauung mitgewirkt.

Zuletzt war dies bei der Aufstellung des Regionalplans 2018 der Fall. Gemeinsam mit der Düsseldorfer Bezirksregierung, den Städten und Umweltverbänden war dieses Werk aufgelegt worden, um Orientierung zu schaffen, welche Flächen überhaupt noch verfügbar sind.

Mittlerweile ist Donner nachhaltig verärgert. Und nicht nur er. Auch sein Haaner BUND-Kollege Sven Kübler kann kaum fassen, was zur Zeit passiert. Unter dem Titel „Mehr Wohnbauland am Rhein“ hat die Bezirksregierung eine Änderung des Regionalplans auf den Weg gebracht, die zunächst nur nicht-öffentlich behandelt werden sollte.

Aus gutem Grund, denn in dem Papier geht es vor allem um die Ausweisung von Flächen, die künftig als Baugebiete Pendler aus den umliegenden Großstädten mit Wohnungen versorgen könnten. Die Kommunen sollen zu mehreren von Düsseldorf ins Spiel gebrachten Grundstücken sogenannte Steckbriefe erstellen, in denen unter anderem die Verfügbarkeit oder der geplante Ausbau von Infrastruktur als Information verlangt werden.

In dem Papier heißt es wörtlich: „Die Bautätigkeit am Rhein ist zu gering, um den Wohnungsmarkt in der Rheinschiene zu entspannen.” Daher solle ein neues Flächenranking aufgelegt werden. „Damit sollen regionale Signale für mehr Wohnungsbau entstehen!”

Der Haken dabei: Bei den angegebenen Grundstücken handelt es sich fast ausschließlich um Flächen, die die Städte aus gutem Grund überhaupt nicht anfassen wollen.In Hilden gibt es beispielsweise einen Bereich westlich des Westrings, den die Bezirksregierung in ihre Überlegungen einbezieht, von dem Naturschützer Donner jedoch sagt: „Das ist ein wichtiges Naherholungsgebiet, von denen wir nicht mehr so viele besitzen.“ Deshalb hätten eigentlich auch die Hildener Ratsmitglieder klar gemacht, dass Bebauung dort nicht gewünscht ist.

In einer nicht-öffentlichen Verwaltungsvorlage hat nun auch das Baudezernat erklärt, man empfehle, diese Fläche nicht weiter zu untersuchen. Gleichwohl sei die Stadt trotz ihrer Bedenken von der Bezirksregierung gebeten worden, eine Kriterientabelle auszufüllen, die zudem noch die Fläche Karnap-West (südlich der Itter) sowie ein Gebiet östlich der Richrather Straße (an der Stadtgrenze zu Langenfeld) umfasst.

Der Haaner Umweltschützer Kübler wiederum berichtet von einem Gebiet, das hinter dem Möbelhaus Ostermann beginnt und Richtung Solingen führt – es soll ebenfalls auf der Interessenliste der Bezirksregierung stehen: „Und natürlich hat auch bei uns in Haan niemand Interesse daran, dieses Gebiet ins Spiel zu bringen.“

Düsseldorf hat aber bereits recht klare Vorstellungen, wie es weitergehen soll. In der Hildener Vorlage heißt es nämlich wörtlich: „Bisher ergeben die Steckbriefe noch keine Auskunft darüber, ob die Flächen als neue allgemeine Siedlungsbereiche mit aufgenommen werden. Dies beabsichtigen wir Anfang des kommenden Jahres mit Ihnen zu diskutieren.” Erst dann sollen auch die Flächensteckbriefe öffentlich gezeigt werden, „da hierdurch viele Missverständnisse entstehen können”.

Aus dem Kreis Mettmann ist zu vernehmen, die Regionalplanbehörde stehe erheblich unter Druck, neue Wohnbauflächen auszuweisen. Es gebe die Gefahr, „dass sich die bisherigen informellen Gedankenspiele zu unverrückbaren Gegebenheiten entwickeln.“

Deshalb soll am 18. März im Kreis-Ausschuss für Umwelt-Landschaft-und Naturschutz über das Vorhaben diskutiert werden. Öffentlich!

Die Brücke über die Itter führt von Norden in das Gebiet, das geprüft werden soll, sofern es nach dem Willen der Bezirksregierung in der Landeshauptstadt Düsseldorf geht. Foto: Zelger, Thomas

Dieter Donner und Sven  Kübler begrüßen das ausdrücklich. Sie vertreten beide übereinstimmend die Auffassung: „Unsere Städte dürfen nicht zum Überlaufbecken für Düsseldorfer Wohnbedürfnisse werden.“ Die Sitzung im Kreishaus Mettmann beginnt um 17 Uhr.

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