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Bezirksbeamte klingeln bei Senioren

Haan/Hilden : Bezirksbeamte klingeln bei Senioren

Die Polizei hat mehr als 2000 über 70-Jährige in Haan zu Hause aufgesucht, um sie vor falschen Polizisten zu warnen. Voll daneben findet Klaus de Leuw die Aktion, die auch in den anderen neun Kreisstädten geplant ist.

Falsche Polizisten und Enkeltrick-Betrüger haben im vergangenen Jahr allein in Nordrhein-Westfalen mehr als 14 Millionen Euro erbeutet. „Die Täter haben sich überwiegend als falsche Polizisten ausgegeben, die Opfer waren meistens Senioren“, bestätigte das Landeskriminalamt der RP. Und das sind nur die bekannt gewordenen Fälle. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein. Für die Verbrecher ist der Trickbetrug ein Millionen-Geschäft. Das Risiko, gefasst zu werden, ist dagegen verschwindend gering.

Auch im Kreis Mettmann sind die falschen Polizisten sehr aktiv. In den ersten beiden Monaten des Jahres erfuhr die Polizei von mehr als 500 Versuchen. Deshalb hat sich Manfred Frorath, Leitender Polizeidirektor bei der Kreispolizeibehörde Mettmann, etwas einfallen lassen. Die Bezirksbeamten aus dem Wachbereich Hilden haben sich die Adressen von mehr als 2000 über 70-jährigen Haanern besorgt und diese zu Hause aufgesucht, um sie vor der Gefahr zu warnen. Rund 1000 Senioren öffneten den Beamten auch die Tür, berichtet Wolfgang Nellen, Einsatzleiter und Leiter der Haaner Wache..

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Klaus de Leuw aus Hilden dagegen findet diese Aktion voll daneben: „Sie (die Senioren) haben Männern, die sie für Polizisten hielten, aufgemacht! Entgegen jedem Rat haben sie sich auf die Uniform, bestenfalls auf einen leicht zu fälschenden Ausweis verlassen! Zuvor bei der Wache angerufen, um sich zu vergewissern, dass es sich wirklich um Polizisten handelt, hat offenbar niemand, denn das hätte sicher Eingang in die Polizeipressemitteilung gefunden. Die Senioren haben Glück gehabt, vor ihren Türen standen echte Polizisten. Wären es keine gewesen, hätte man von ihnen auch in der Zeitung gelesen, nämlich als weitere Opfer von Trickdiebstahl.“

Mehr als zwölf besuchte Senioren hätten den Notruf 110 gewählt und nachgefragt, ob die Polizisten tatsächlich echt seien, sagt Frorath zu der Kritik. Dass sich die Polizei die Adressen beschafft habe, sei ausdrücklich erlaubt. Die Daten würden nach der Aktion gelöscht. Die falschen Polizisten seien bisher immer in Zivil gekommen und hätten sich als Kriminalbeamte ausgegeben. Seine Bezirksbeamten hätten in Uniform an der Tür geschellt. „Wir hatten bisher noch keinen Fall, wo falsche Polizisten in Uniform aufgekreuzt sind“, betont der Leitende Polizeidirektor. Die Polizei rate Senioren nicht, grundsätzlich nicht die Tür zu öffnen, sondern nur bei Zweifeln. „Ich glaube, wir haben durch unsere Aktion unser Anliegen nicht ad absurdum geführt“, sagt Leitender Polizeidirektor Manfred Frorath: „Wenn wir schellen und uns wird nicht geöffnet, akzeptiert ein echter Polizist das und wirft seine Information in den Briefkasten. Ein echter Täter will immer an die Wertsachen.

Deshalb ist die Kernbotschaft unserer Flyer: Niemals Wertsachen an die Polizei übergeben.“ Viele Ältere seien dankbar gewesen, dass Bezirksbeamte sie persönlich aufgesucht hätten. Aus seiner Sicht reiche es nicht, Ältere nur in Seniorentreffs und auf Wochenmärkten vor den Trickbetrügern zu warnen. Die Haustür-Aktion bei über 70-Jährigen in Haan werde ausgeweitet und soll auch in den anderen neun Kreisstädten stattfinden.

Die Aktion sei eine zusätzliche Arbeitsbelastung, räumt Udo Kutsche, Personalratsvorsitzender der Kreispolizeibehörde Mettmann ein: „Wir müssen dem Trickbetrug entgegentreten, weil er ein Massenphänomen ist. Auch wenn die Haustür-Aktion vielleicht nicht der Weisheit letzter Schluss ist, wir müssen es zumindest versuchen.“ Kutsches Mutter ist 85: „Ich habe Angst, dass auch ihr so etwas passiert. Deshalb machen wir zusammen Rollenspiele. Wir haben ein Code-Wort vereinbart. Meine Mutter weiß: Nur wenn das Code-Wort genannt wird, ruft ihre Familie an. Ganz wichtig ist: Diese Situation muss man mit seinen alten Angehörigen üben - immer wieder.“