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Hilden: Bewegendes Gedenken an NS-Opfer

Hilden : Bewegendes Gedenken an NS-Opfer

Konzert lässt die Kultur leben, die vernichtet werden sollte.

Die Entscheidung, das Gedenkkonzert vom 9. November auf den 27. Januar zu legen, war offensichtlich die richtige, was die gut besetzten Stuhlreihen im Heinrich-Strangmeier-Saal bewiesen.

Das Gedenken begann bereits vor dem Eintritt in den Saal, lud doch die Ausstellung über das Leben und Sterben der Hildener Familie Herz im Flur zum Verweilen ein. Zusammengestellt wurde sie von Schülerinnen der Auschwitz-AG der Theresienschule. "Wir fahren jedes Jahr ins Museum Auschwitz", erzählt Isabella Osenberg, Leiterin der AG. Es sei ihr jedoch wichtig, dass die Beschäftigung mit den Opfern des Nationalsozialismus einen regionalen Bezug habe. "Es fängt nicht erst an den Lagermauern an." So beschäftigten sich die 23 Schüler intensiv mit der Familie Herz, die an der Mittelstraße ein Textilgeschäft besaß. Sie trugen Dokumente zusammen, wie eine Häftlingskarte aus dem KZ Westerbork oder Sterbeurkunden und die Heiratsurkunde, auf der vermerkt ist, dass Otto Herz als Jude nun den Beinamen "Israel" tragen muss. Anschaulich zeichnen sie den tragischen Lebensweg der Familie nach, von der am Ende keiner überleben soll.

Während des Gedenkkonzertes gaben dann einige Schüler der Auschwitz-AG einen Einblick in die Leidensgeschichte der Familie. Carl Herz wurde in der "Kristallnacht" mit einem SA-Dolch erstochen. Nach der Flucht nach Amsterdam wurden Otto, Liselotte und der 5-jährige Manfred Herz erst nach Westerbork und dann nach Auschwitz deportiert und ermordet. "Wir können die Erde nicht zum Himmel machen, aber jeder kann etwas dafür tun, dass sie keine Hölle wird", zitierte Bürgermeisterin Birgit Alkenings den Widerstandskämpfer Fritz Bauer, bevor sie betonte, wie wichtig die Erinnerung sei. "Das Konzert lässt die Kultur leben, die mit den Menschen vernichtet werden sollte", leitete sie über zu einem besonderen musikalischen Programm, das das Vokalensemble der Hildener Musikschule "Voix mixte" unter der Leitung von Jens Lauterbach mit dem Gotteslob "Quadosh" begann, um dann mit Stücken von Felix Mendelssohn Bartholdy und jüdischen Liedern fortzufahren.

Im Anschluss trug der Tenor Aron Proujanski jüdische und hebräische Lieder vor - mal melancholisch, mal heiter. Das Ponar-Wiegenlied "Schtiler, schtiler" erinnert an den 5. April 1943, als im litauischen Ponar 4000 Juden von der SS erschossen wurden. Die Melodie schrieb ein Junge anlässlich eines Wettbewerbs im Ghetto. In "S'brennt" erzählt Mordechai Gebirtig vom Pogrom. Am Klavier begleitet wurde Aron Proujanski nicht von seiner Frau, die kurzfristig erkrankt war, sondern von seiner Tochter.

(grue)