Hilden: Bestnote für Haus Ahorn

Hilden : Bestnote für Haus Ahorn

Die geschlossene Einrichtung für gerontopsychiatrisch erkrankte Menschen der Graf-Recke-Stiftung in Hilden ist vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen mit "sehr gut" (1,0) bewertet worden.

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen bescheinigt Haus Ahorn in allen Kategorien (Pflege und medizinische Versorgung, Umgang mit Demenzkranken, soziale Betreuung und Alltagsgestaltung, Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Pflege) die Bestnote 1,0. Dieses vorläufige Ergebnis wird ab August als "Transparenz-Bericht" im Internet veröffentlicht, berichtete gestern Einrichtungsleiterin Silvia Bach. Peter Jaspert, Geschäftsführer des Dorotheenpark Seniorenzentrums, betonte, dass dies die dritte, unangemeldete Begutachtung der Einrichtung innerhalb von sechs Monaten sei: "Wir sind mit der Note 1,4 gestartet und stehen jetzt bei 1,0."

Mitarbeiter "tief getroffen"

Hintergrund: Im Dezember vergangenen Jahres hatte ein ehemaliger Mitarbeiter öffentlich schwere Vorwürfe über angebliche Missstände gegen die geschlossene Einrichtung für gerontopsychiatrisch erkrankte Menschen in Hilden erhoben. Diese Vorwürfe seien nichts als "heiße Luft" gewesen, stellte Pfarrer Ulrich Lilie, Theologischer Vorstand der Graf-Recke-Stiftung, fest. Die Anschuldigungen hätten die rund 100 haupt- und 30 ehrenamtlichen Mitarbeiter, die sich um die 119 Bewohner kümmerten, aber "tief getroffen". In Haus Ahorn lebten Menschen mit schweren psychischen Veränderungen, erklärte Heike Zolke, Vorsitzende der Mitarbeitervertretung: "Vieles ist für Außenstehende nicht sofort verständlich, etwa wenn Bewohner plötzlich nackt über den Flur laufen. Angehörige und Besucher können uns fragen. Wir können alles erklären." Viele Bewohner seien demenzkrank, erläuterte Lilie. Das verändere die Menschen grundlegend in ihrem Wesen: "Ich sehe meine Mutter vor mir, aber das ist nicht mehr meine Mutter und sie verhält sich auch nicht so." Das sei für Angehörige oft kaum zu ertragen und für die Mitarbeiter ein ständiger Grenzgang. Denn die Würde der Bewohner als Menschen stehe im Mittelpunkt.

Zahl der Demenzkranken steigt

Aber auch die Situation der Bewohner sei nicht einfach, erklärte Einrichtungsleiterin Silvia Bach. Anders als zu Hause gebe es im Heim keinen persönlichen Rückzugsraum mehr. Und trotz Demenz blieben die Bewohner Menschen "mit allen menschlichen Gefühlen". Deshalb gebe es in Haus Ahorn auch Streit, Missgunst, Eifersucht oder Liebe. Fachleute gehen davon aus, dass künftig jeder fünfte über 80-Jährige demenzkrank sein wird. "Deshalb brauchen wir Konzepte und Orte für ein dann immer noch menschenwürdiges Leben", betonte Lilie. Daran arbeite die Graf-Recke-Stiftung. Künftig werde ein Zahnarzt zwei Tage in der Woche Bewohner auf dem Campus an der Horster Allee behandeln. Das gebe es nirgendwo sonst. Eine Seelsorgestelle wird eingerichtet, speziell auch für die Mitarbeitenden. In Arbeit sei auch ein "Oasen-Konzept" mit speziellen Treffpunkten und Rückszugsorten für Demenzkranke auf dem Gelände.

(RP)
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