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Hilden: Behinderte Cathi spricht für die Schüler

Hilden : Behinderte Cathi spricht für die Schüler

An der Elbseegrundschule ist das Mädchen mit Down Syndrom voll integriert. Eine Geschichte über das Gelingen.

Cathi strahlt übers ganze Gesicht. Ihre Freude ist unbändig, sie jubelt, streckt die Hände hoch. Die Neunjährige ist von ihren Mitschülern der Pinguinklasse 4b zur stellvertretenden Klassensprecherin gewählt worden - in einer Stichwahl mit über 20 von 28 Stimmen. "Ich finde es schön, dass sie sich so sehr freuen kann", sagt Lilly und ergänzt "das ist bei ihr immer so und das ist auch das, was ich ganz besonders an ihr mag."

Cathi hat das Down Syndrom. Dass ein Kind mit einer geistigen Behinderung auf einer Regelschule eine solch hohe, offizielle Anerkennung durch die Kameraden erfährt, hat das gesamte Schulpersonal zuerst erstaunt und überrascht, vor allem aber stolz gemacht. "Es zeigt uns, dass unser Konzept, unsere Vorstellung von einer Schule mit Behinderten und Nichtbehinderten aufgegangen ist. Man kann sagen, wir ernten mit dieser Wahl die Früchte, die wir gesät haben", freut sich Schulleiterin Christiane Gierke.

Seit vielen Jahren ist die Elbseegrundschule im Hildener Norden Inklusionsschwerpunktgrundschule. Jährlich werden zwei bis drei Kinder mit Handicaps eingeschult. Die Schule ist personell gut aufgestellt, hat zwei Sonderpädagogen, wird von Heilpädagogen unterstützt, rund zehn Inklusionshelfer betreuen die Kinder mit Förderbedarf. Trotzdem: Gemeinsames Lernen und Leben bedeutet auch hier für die Lehrer eine enorme Herausforderung. "Ich war schon oft an meinen Grenzen. 28 Kinder mit unterschiedlichstem Lernniveau und Sozialverhalten: Vor dieser Klasse habe ich auch noch keine Erfahrung gehabt mit inklusivem Unterricht. Im Mittelpunkt stand dabei immer, dass niemand ausgegrenzt wird, das haben wir auch thematisiert." sagt Klassenlehrerin Kerstin Zitzner.

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Die Pinguinklasse applaudiert Cathi. Und obwohl die Kinder ganz genau wissen, dass die Aufgaben eines Klassensprechers - Streit schlichten, Vermitteln zwischen Lehrern und Schülern - die Neunjährige überfordern könnten, haben sie sich in der Stichwahl doch deutlich für ihre ganz besondere Mitschülerin entschieden. "Wir mögen sie so gerne, vielleicht wollten wir ihr das mit dieser Wahl noch mal ganz klar zeigen", mutmaßt Oscar. "Auch geistig Behinderte haben eine Chance verdient", meint Lotte. Und Eric ergänzt diplomatisch: "Es ist schon gut, dass wir zwei Klassensprecher gewählt haben. Cathi ist ja nicht alleine mit den Aufgaben."

Tabea, die erste Klassensprecherin ist, freut sich ebenfalls über ihre Vertretung. Dass Cathi, trotz Behinderung, ihrer verantwortungsvollen Aufgabe sehr wohl auch nachkommen kann, hat sie erst kürzlich erlebt. "Da hatten wir Streit mit Kindern aus der 3. Klasse. Ich wusste gar nicht, was ich genau sagen sollte. Da kam Cathi dazu und hat genau die richtigen Worte gefunden. So in etwa, dass man sich doch nicht streiten muss, nur weil man sich nicht mag."

"Am Anfang war das schon komisch, wie sich die Cathi verhalten hat, aber mittlerweile ist das normal und es ist so schön mit ihr, weil sie auch oft einfach lustige Dinge macht und man mit ihr so tolle Dinge spielen kann" , schwärmt Helena. Und Merlin fügt hinzu: "Cathi hat mal Kakao getrunken und danach eine weiße Leinwand abgeküsst, das war ein ganz tolles Kunstwerk." Für die gesamten, rund 220 Kinder der Elbseegrundschule gehören behinderte Menschen dazu. Berührungsängste haben wenn, dann nur die Erstklässler, erfahrungsgemäß verlieren die i-Dötze durch den Schulalltag aber schnell ihre Scheu. Patenkinder aus höheren Klassen kümmern sich in den Pausen, wenn auch die Integrationshelfer Auszeiten haben, um die Kinder, die ununterbrochen betreut werden müssen. Damit lernen sie in hohem Maße Akzeptanz, Toleranz und Empathie. Für die behinderten Kinder bedeutet dies einen geschützten Schulalltag, in dem sie sich bestmöglich entfalten können.

Für Schulleiterin Christiane Gierke und das gesamte Team kann in einer gesunden Gesellschaft Schule nur so funktionieren" Tatsächlich sind hier alle, so wie sie sind, selbstverständlich. Aber leider - und das ist etwas, was uns zeigt, dass noch viel passieren muss, entlassen wir unsere gehandicapten Schüler in die weiterführenden Schulen, wo sie häufig mit Mobbing und Ausgrenzung konfrontiert werden, etwas, das sie von hier ja nicht kennen."

www.rp-online.de/hilden

(dani)