Basis kritisiert Kardinal Woelki

Hilden/Haan : Basis kritisiert Kardinal Woelki

In einem offenen Brief fordern Pastoralreferenten, unter ihnen Robert Eiteneuer aus Hilden, mehr Befugnisse und mehr Weltoffenheit von ihrer Kirche. In den Gemeinden werden die Forderungen mehrheitlich unterstützt.

Die Pastoralreferenten hatten sich unter anderem darüber beklagt, dass in den Gemeinden Priester fehlen, deren Aufgaben in bestimmten Bereichen Gemeinde- und Pastoralreferenten übernehmen könnten, es aber nicht dürfen, weil der Kardinal es verbietet.

Dieser Brief habe den Kardinal verärgert, weil die Pastoralreferenten ihn auch gleich an einige Medien weitergeleitet hatten. „Wir hätten ihm mehr Zeit geben müssen zu antworten. Das bedauern wir“, sagt Eiteneuer selbstkritisch. Und fügt hinzu: „Aber inhaltlich stehe ich voll hinter dem Schreiben.“ Gleichzeitig freut es ihn, dass der Brief in kirchlichen Laienkreisen sehr positiv aufgenommen worden ist.

Reinald Rene Müller etwa, Vorstand des Pfarrgemeinderats Haan und des Kreiskatholikenrats Mettmann, wünscht dem Brief mehr Öffentlichkeit, denn: „wir teilen diese Sorgen und wundern uns über das Schweigen des Kardinals“. Auf Hilden und Haan bezogen sagt er: „Wir haben keinen Pfarrer mehr. Die Gemeindereferentin Ulrike Peters könnte sicher die Gemeindeleitung in Haan und Gruiten übernehmen, zumindest die organisatorische, aber sie darf es nicht. Stattdessen wird der einzige Kaplan im Pastoralteam, Stefan Mergler, mit der Leitung von sieben Gemeinden beauftragt. Pfarrverweser nennt sich das.“

Müller spricht für die Mehrheit des Pfarrgemeinderats Haan und des Kreiskatholikenrats Mettmann, wie er betont, wenn er sich angesichts des Priestermangels für eine „Aufwertung des Berufsstands“ der Pastoral- und Gemeindereferenten stark macht: „In anderen Diözesen ist das längst passiert. Da dürfen die viel mehr – Gemeinden leiten, predigen, Kranke seelsorgerisch betreuen – andere Diözesen sind da viel mutiger.“ Er wolle nicht die Sakramente antasten, die allein dem Pfarrer/Priester vorbehalten sind, wünsche sich aber Rituale, die auch die nicht geweihten Kirchenbediensteten anwenden dürften, etwa in der Krankenseelsorge.

Bei den Verfassern des offenen Briefs an Kardinal Woelki klingt das so: „Unsere Kompetenz in Leitungsfunktionen, unsere Fähigkeiten in der Verkündigung und in der Begleitung von Menschen in schwierigen Situationen werden nicht genutzt. Auch in der Spendung von Sakramenten und Sakramentalien könnten um der Menschen willen neue Wege gegangen werden.“

Und sie kritisieren, dass es weder mit der Ökumene vorangehe, noch dass sich die katholische Kirche „mit den Lebensformen der Menschen auseinandersetzt und diese anerkennt, anstatt Menschen auszuschließen.“ Gemeint sind die Rolle der Frau, die sexuelle Orientierung und die vielen Familienmodelle jenseits der traditionellen, die zumindest im Erzbistum Köln streng traditionell bewertet beziehungsweise abgelehnt werden.

Pastoralreferent Eiteneuer ärgert das. Er vermisst den Dialog zwischen Basis und Kirchenspitze, hofft, dass es noch zu einem Gespräch mit dem Kardinal kommt – und zu einem Abrücken von den besonders konservativen Positionen im Bistum.

„Als wir in den Beruf gestartet sind, waren wir getragen von der Aufbruchstimmung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil“, hatten die Briefschreiber eingangs festgestellt. Sie ist der Ernüchterung gewichen.

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