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Balletttänzer Jeremy Green schreibt Gedichtband über seine Kindheit

Hilden : Gedichtete Erinnerungen ans englische Landleben

Aufgewachsen ist Jeremy Green in Gloucestershire im Südwesten von England. „Als ich acht Jahre alt war, wohnten wir in einem Dorf mit fünf Häusern und die nächste Stadt war eine halbe Stunde mit dem Auto entfernt“, erzählt er.

Hier konnte der 1976 geborene Jeremy die Natur erleben, die englische Landschaft, die Tiere, die Pflanzen. „Unsere Nachbarn waren alle Bauern.“ Jeremys Vater war Pfarrer, und so zog die Familie alle paar Jahre in ein anderes Dorf. „Wir wohnten oft in gigantischen Anwesen“, erinnert sich Jeremy zurück. „Eins hatte 28 Zimmer.“ Es wurden Schafe und Gänse gehalten. Diese idyllische Kindheit wirkt noch immer in Jeremys Seele nach, auch wenn er bereits seit 25 Jahren in Deutschland lebt. Vor zwei Jahren begann er damit, Gedichte zu schreiben, die von seinen glücklichen Erinnerungen erzählen. Damals hatte er noch nicht die Ambition, ein Buch zu verfassen. Doch es wurden immer mehr Gedichte und sie stießen auf viel positive Resonanz.

So entschloss sich Jeremy Green seinen ersten Lyrikband herauszugeben. „Ich wollte alles selbst machen und auch selbst verlegen“, verrät er. Er suchte passende Fotos zu den Gedichten, legte das Layout selbst an und im Januar war es endlich soweit. Er konnte sein Buch in Händen halten. „Countryside Musings“ heißt es und ist in englischer Sprache verfasst.

Dem Schaf „Rupert“ hat Jeremy ebenso ein lyrisches Denkmal gesetzt wie den wunderschönen Bluebells – Glockenblumen, die im Frühling Englands Wälder verzaubern. Stränden, Bäumen und natürlich dem Squirrel, dem Eichhörnchen, widmet Jeremy Green seine Gedichte oder englischen Dorffesten.

„Kunst und Tiere“, sagt der Dichter, „das waren immer meine Themen.“ Mit der Kunst fing Jeremy bereits sehr früh an. Er nahm Ballettunterricht und tanzte bald als Profitänzer auf Londons Bühnen. Doch Tänzer werden in England sehr schlecht bezahlt. „Viele müssen in WGs wohnen“, weiß er. Es war die gut ausgebaute Theaterlandschaft, die Jeremy schließlich nach Deutschland lockte. 1994 kam er nach Magdeburg, kurz nach dem Mauerfall. „Das war ein Schock für mich“, erzählt er, „kaum jemand sprach Englisch.“ Viele Engagements hatte der Profitänzer – in den Theatern in Regensburg, Gießen und Hagen.

Das brachte ihn nach Nordrhein-Westfalen, wo er noch eine Ausbildung zum Tanzpädagogen absolvierte. Im Jahr 2015 öffnete er seine eigene Tanzschule „Art In Movement“ in Hilden. Jeremy versucht, die Künste zu verbinden, wie bei dem Event „Poetry in Motion“, bei dem Gedichte rezitiert und in Tanz umgesetzt wurden. Auch hat er bereits computergrafische Ausstellungen gehabt. „Fotos von meinen Tänzen wurden am Computer verfremdet, um einen neuen Ausdruck zu zeigen“, erklärt er.

Derzeit schreibt er an einem Buch über die männliche Rolle im Ballett. „Es wir immer noch als komisch angesehen, wenn ein Junge zum Ballett möchte“, weiß er. Hänseleien seien üblich – nicht nur von Kindern. Dieses Phänomen will Jeremy in seinem Buch aufarbeiten. Inzwischen ist Jeremy von Haan in einen abgelegenen Teil von Solingen-Gräfrath gezogen. „Ich bin ein bisschen zu meinen Wurzeln zurückgekehrt“, kommentiert er schmunzelnd die ländliche Idylle.