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Hilden/Haan: Bakterium soll Buchs vor Schädling retten

Hilden/Haan : Bakterium soll Buchs vor Schädling retten

Landschaftsgärtner schwören auf den "Bacillus thuringiensis". Das biologische Pflanzengift tötet aber auch andere Schmetterlinge, nicht nur den Buchsbaumzünsler. Naturschützer lehnen das Mittel daher ab.

Der österreichische Ort Tulln hat es nach eigenen Angaben geschafft: "Die Buchsbaumbestände der Stadt haben sich von dem Befall des Schädlings erholt", frohlockt die gut 15 000 Einwohner zählende Donau-Gemeinde auf ihrer Internetseite. Und: "Die regelmäßigen Pflegemaßnahmen der Tullner Stadtgärtner haben sich in ihrem Kampf gegen den Buchsbaumzünsler bezahlt gemacht." Der aus Asien stammende Falter, der Buchsbäume zum Absterben bringen kann, macht sich seit jüngstem auch in Hilden und Haan breit und bringt Gärtner zum Verzweifeln.

Ihren Erfolg verdankt die österreichische Gemeinde einem ökologischen Spritzmittel auf Basis des Bakteriums "Bacillus thuringiensis". Es sei flächendeckend auf öffentlichen Grünflächen und auf den Friedhöfen eingesetzt worden, außerdem in Privatgärten, denn die Bevölkerung wurde mit ins Boot geholt, um dem Schädling den Garaus zu machen.

Auch Joachim Fichtner setzt auf das Bakterium. Der 65-jährige Garten- und Landschaftsbauer hat im Hildener Seniorenheim "Haus Horst" die Außenanlagen geplant, deren Buchse nun ebenfalls befallen sind. "Es gibt zwei biologische Mittel mit demselben Bakterium. In Deutschland ist aber nur eins zugelassen. Es ist sehr wirksam", sagt er. Seine Frau betreibt in der Hildener Fußgängerzone ein Blumengeschäft. "Wenn man alle 14 Tage die Buchse spritzt, hat man zu 99 Prozent Erfolg." Die häufige Anwendung sei nötig, weil der Zünsler drei Generationen im Jahr ausbilde und das Bakterium nur gegen die Raupen wirke, nicht aber gegen die Eier oder die Falter. "Man weiß ja nicht, welche Stadien man in seinem Buchs gerade hat." Bei dem Landschaftsgärtner, der seinen Betrieb in Dormagen hat, rufen derzeitig ständig aufgeregte Kunden an, die sich wegen des verheerenden Befalls von ihren Buchsbäumen trennen wollen. "Das ist gar nicht nötig", sagt Fichtner. "Schließlich ist der Buchs eine der historischen Zierpflanzen und wichtiger Bestandteil eines Bauerngartens." Die Haaner Stadtgärtner verfolgen im Moment ebenfalls aufmerksam die Wirksamkeit des Bakteriums in anderen Städten. Sie dürfen keine chemischen Mittel gegen Schädlinge einsetzen, wohl aber ökologische.

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Bei der Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt (Agnu) Haan hält man dagegen auch von ökologischen Spritzmitteln nichts. "Der ,Bacillus thuringiensis' geht nicht besonders schonend mit Raupen um", sagt Armin Dahl von der Agnu. "Er tötet nicht nur den Buchsbaumzünsler, sondern auch andere Schmetterlingsraupen." Und das in einer Zeit, in der es ohnehin immer weniger Schmetterlinge gebe.

"Es ist im Moment Trend, gegen alles, was sechs Beine hat, vorzugehen", ärgert sich der Naturschützer. Er rät, von befallenen Buchsbäumen die Raupen sorgfältig abzusammeln. "Es gibt tonnenweise neue Tiere und Pflanzen in Europa", sagt Dahl. "Wenn man die alle bekämpfen will, ist man Tag und Nacht beschäftigt. Und dem Privatmann verursacht das Ganze nur hohe Kosten."

Laut Hersteller gefährdet das Mittel weder Bienen noch andere "Populationen relevanter Nutzorganismen". Es richte sich gegen freifressende Schmetterlingsraupen sowie Eulenraupen und vergifte sie innerlich. Allerdings sei das Bakterium giftig für Fischnährtiere und in der Gefährdungsklasse 1 (schwach wassergefährdend) eingestuft. Bei Menschen reize es die Augen.

Nebenwirkungen, die man in Tulln offensichtlich hinzunehmen bereit ist. Auf der städtischen Internetseite wirbt die Gemeinde weiterhin für den Einsatz des Biozids — und verweist auf ihre Gartenschau "Garten Tulln", in der das Spritzmittel "in Haushaltsmengen zur Verfügung steht" und dort bezogen werden kann. Auch der österreichische Ort Baden bei Wien empfiehlt auf seiner Internetseite Gärtnern den Einsatz des Bakteriums.

www.rp-online.de/hilden

(RP)