Hilden: Ausweg aus der Anonymität

Hilden: Ausweg aus der Anonymität

In Hilden gibt es 25 Stolpersteine, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Im Rahmen der ersten Aktionswoche setzt sich die Stadt mit einembreit gefächerten Programm gegen das Vergessen ein. Die Rheinische Post wird über ausgewählte Veranstaltungen berichten.

Die Willners waren eine angesehene Familie in Hilden. Bis 1937 gehörte ihr eine Kornbrennerei. Eugenie Willner war wohl das erste Pogromopfer in Hilden: Ihr Haus befand sich nur etwa 150 Meter vom Versammlungsort „Deutsches Haus“ entfernt, wo bei einer Feier zum 9. November der „Helden Großdeutschlands“ gedacht wurde. Am Abend zog ein Schlägertrupp von dort los, drang gewaltsam in das Haus der Willners ein, misshandelte und erschoss die Hildenerin. Später kam der Trupp noch einmal zurück, spürte den schwer verletzten Sohn Ernst auf dem Dachboden auf und tötete ihn mit einem gezielten Schuss. Der Stolperstein zum Gedenken an Ernst und Eugenie Willner befindet sich im Gehweg vor dem Haus Benrather Straße 32.

Die Stolpersteine für die Willners sind zwei von 25 im Stadtgebiet. Sie sind Teil eines Projektes, mit dem der Kölner Künstler Gunter Demnig Aufmerksamkeit, manchmal Unmut und Befremden, fast immer aber Nachdenklichkeit erregt. Zu finden sind die Steine zu Tausenden in Deutschland, Österreich, Ungarn und den Niederlanden, wo sie in Gehwegen eingelassen sind. „Man ,stolpert’ – in Gedanken – über sie“, sagt Demnig über die 10x10x10 Zentimeter großen Steinquader, auf denen eine Messingplatte mit Namen und Daten befestigt ist. Gedenkstätten hält der Künstler für wichtig und notwendig und sieht die Stolpersteine eher als Gedenkstätten im Alltag. Wer die Aufschrift der Steine lesen will, muss sich nach vorne beugen. „Das ist wie ein Verneigen vor dem Opfer, wie eine Ehrung des Menschen, dem Leben und Würde auf so unmenschliche Weise geraubt worden sind“, sagt Demnig, der die Opfer aus der Anonymität der Massenvernichtung herauslöst.

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Gleich vier Namen sind in der Mittelstraße auf Höhe der Hausnummern 37/39 festgehalten. Es sind die Namen von Carl Herz, seinem Sohn Otto, dessen Ehefrau Liselotte und dem Enkelsohn Manfred. Carl Herz betrieb ein Textilgeschäft, das er wegen der Weltwirtschaftskrise aufgeben musste. Otto Herz versuchte, sich in Amsterdam eine neue Existenz aufzubauen, nachdem er seine Stelle als Kapellmeister verloren hatte. Er wollte seine Familie zu sich holen. Sein Vater Carl wurde in der Reichspogromnacht Opfer eines SA-Trupps.

Im Januar 1939 erhielten Liselotte Herz und ihr Sohn die Ausreisepapiere, wurden jedoch mitsamt Otto Herz nach Auschwitz in Konzentrationslager deportiert. Mutter und Sohn wurden vermutlich sofort getötet, datiert wurde der Tod auf den 17. Juli 1942. Otto Herz lebte noch vier Wochen in dem Konzentrationslager, ehe auch er am 15. August ermordet wurde.

(RP)
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