Neue Ausstellung im Wilhelm-Fabry-Museum Hilden Kuriositäten in der Wunderkammer

Hilden · „Die moderne Wunderkammer – Kuriositäten der Welt“ ist der Titel der neuen Ausstellung, die am Sonntag, 3. April, um 11 Uhr im Wilhelm-Fabry-Museum eröffnet wird.

 Bananensprayer Thomas Baumgärtel ist mit zwei Arbeiten in der neuen Ausstellung „Kuriositäten der Welt“ im Wilhelm-Fabry-Museum vertreten. Hier arbeitet er gerade an seinem laufenden Skelett.

Bananensprayer Thomas Baumgärtel ist mit zwei Arbeiten in der neuen Ausstellung „Kuriositäten der Welt“ im Wilhelm-Fabry-Museum vertreten. Hier arbeitet er gerade an seinem laufenden Skelett.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Das Staunen ist nie aus der Mode gekommen. Das gilt auch für unsere moderne Zeit, in der viele Menschen der Ansicht sind, mit Hilfe von Algorithmen alles erklären zu können. Wie Staunen über dargestellte Erkenntnisse die Menschheit von jeher fasziniert hat, und auch noch heute als Triebfeder für innovative Kreativität funktioniert, demonstriert die Ausstellung „Die moderne Wunderkammer – Kuriositäten der Welt“, die am Sonntag, 3. April, um 11 Uhr im Wilhelm-Fabry-Museum eröffnet wird.

Zur Zeit des in Hilden wirkenden Wundarztes Wilhelm Fabry (geb. 1560) gingen Wissenschaftler wie Nikolaus Kopernikus, Galileo Galilei oder Johannes Kepler, Künstler wie Michelangelo sowie technikaffine Künstler wie Leonardo da Vinci daran, die Welt neu darzustellen und zu interpretieren. Die so komplex wie Wissenschaft selbst arrangierte Ausstellung integriert Exponate aus früher naturwissenschaftlich geprägter Welterklärung mit Positionen zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler, darunter Jenny Michel und Michael Höpfel, Kennedy+Swan und Roxie Heart. Auch Thomas Baumgärtel, Sprayer-Ikone aus Köln und in Hilden fast schon zum „artist in residence“ avanciert, ist mit zwei Arbeiten vertreten. Die eine zeigt ein Porträt von Wilhelm Fabry, auf dem Baumgärtels Markenzeichen, die gesprayte Banane, zur Schlange mutiert ist, die sich um einen Äskulap-Stab windet. Eine weitere Arbeit nimmt nahezu eine ganze Wand ein und zeigt ein laufendes Skelett mit Spraydose in der Hand. „Das ist quasi ein Selbstbildnis in 50 Jahren“, sagt Baumgärtel, „es ist ein Sprayer, wie häufig auf der Flucht.“

Die im 16. Jahrhundert aufkommenden Wunderkammern – Ergebnis einer im Adel, in Gelehrtenkreisen oder in der vermögenden Bürgerschaft grassierenden Sammelleidenschaft – waren durchaus prestigeträchtig. So wurden vorrangig von Menschen gefertigte Kunstwerke, Naturgegenstände, exotische Dinge aus fernen Ländern sowie wissenschaftliche Instrumente gesammelt, um die Erzählung der Menschheitsgeschichte zu illustrieren. In Form eines „getrockneten Wissens“ offenbart ein dicker Foliant Herbarien. Jede Seite ist digitalisiert und kann über einen Laptop betrachtet werden. Die Pflanzenheilkunde, von der Alraune bis hin zum Theriak-Mix, markiert den Anfang medizinischer Wissenschaft, jenseits des Aberglaubens.

Wilhelm Fabry, als Wundarzt und Chirurg tätig, war offen für neue Erkenntnisse in der Medizin. „Die Anatomie ist Schlüssel und Steuerruder der gesamten Medizin“, lautete sein Wahlspruch und Abbildungen des Theatrum Anatomicum in Leiden, einer Mischung aus Ausstellungs- und Hörsaal, zeugen von den Anfängen der Chirurgie und Pathologie. Star der Ausstellung ist ein Krokodil, dessen schuppiger Panzer künstlerisch von der Abbildung einer Ananas sowie von einem Kugelfisch aufgenommen wird.

Im Rahmen der Ausstellung, die bis zum 29. Mai zu sehen ist, dürfen sich auch Kinder wundern. Am 24. April, 12 Uhr, gibt es eine Kinderführung inklusive Lesung und Bastelaktion und am 7. Mai, 21 Uhr, die Aktion „Nachts im Museum“.

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