Ausstellung für Künstlerin Leonie Alt in Hilden

HILDEN : Söhne ehren die Mutter mit einer Ausstellung

Die Künstlerin Leonie Alt wäre 100 Jahre alt geworden. Ihre Kinder  haben im Geburtshaus an der Poststraße eine Kunstausstellung organisiert.

Sie muss eine besondere Persönlichkeit gehabt haben, diese Leonie Alt, die am 15. Oktober 1918 in Hilden geboren wurde und 2006 mit 88 Jahren verstarb. Mit einer privaten Ausstellung und einem Vortrag über das Leben und Wirken der Künstlerin begingen am Wochenende ihre Söhne, Professor Hans-Wilhelm Alt und sein Bruder Wolfgang ihren 100. Geburtstag.

Der Empfang in den sonnendurchfluteten Räumen des Hauses Poststraße 40 hatte denn auch etwas Familiäres. Schon weil es sich bei diesem alten Wohnhaus, das ursprünglich (postalisch) an der Bahnhofsstraße lag und 1917 von den Eltern gekauft wurde um Leonies Geburtshaus handelt. Noch heute befindet es sich im Familienbesitz.

Im Ladenlokal zur Straße hin befand sich früher das „Café am Bahnhof“, in dem die Familie Ingenerf lebte und arbeitete. Dass die Tochter einmal darstellende Künstlerin werden sollte, war nicht vorhersehbar. Sie machte eine Lehre als Chemie-Laborantin bei der bekannten Hildener Firma Kampf und Spindler. 1944 heiratet sie den aus der Pfalz stammenden Wilhelm Alt, der sich später nicht nur als Gymnasiallehrer sondern auch beim Aufbau der Sternwarte Benrath einen Namen machte.

Leonie entwickelte in den späten 1950er Jahren ihre künstlerische Neigung. Im kleinen Ausstellungsraum im Anbau des Hauses sind erste Kohlezeichnungen und Aquarelle zu sehen. Teppiche hat sie auch bestickt. Natur und Tiere haben sie offensichtlich thematisch beschäftigt. Hier sind auch erste Ansätze zur Skulptur, der sie sich später zuwandte, zu sehen. Neben aller Kreativität und Kraft braucht es für diese Kunst auch Instrumente wie Schnitzmesser, Holzhammer oder Modellierhölzer.

Wie ihr Sohn Wolfgang in einem Dia-Vortrag über das Leben und Schaffen seiner Mutter berichtete, lernte sie bei Hans Peter Feddersen in Hilden ihr Handwerk, begann dann ernsthaft als Bildhauerin zu arbeiten. Jesus-Bilder aus Schiefer hat sie gehauen, Ton zu ganz modern anmutenden Krippenfiguren geformt. Mit einer klaren Formensprache, mit dunklen Glasuren zweifach gebrannt. So entstanden die beeindruckenden Krippen-Figuren, die jetzt in Glas-Vitrinen zu bewundern waren.

Überhaupt war lange Zeit sakrale Kunst ihr Thema. Leonie Alt gestaltete sie für die inzwischen aufgegebene St. Johannes Evangelist-Kirche an der Düsseldorfer Straße. Auch in Düsseldorfer Kirchen sind Skulpturen von ihr zu sehen. Ab 1975 half die Künstlerin den Werkraum der katholischen Schule in Unterbach mit aufzubauen. Daneben hatte sie bereits  den besonders gut formbaren Speckstein als geeignetes Material für sich entdeckt. Leonie Alt schrieb darüber nicht nur ein Buch, sondern reiste fortan auch mit ihren Schülerinnen regelmäßig nach Formentera zu Sommerkursen.

Gertrud Niggemeyer und Roswitha Judick waren ihre Schülerinnen, sind fast 30 Jahre auf ihren Kunstreisen dabei gewesen und loben: „Das war immer ein besonderes Erlebnis“. Inzwischen war die Hildenerin auch eine anerkannte Lehrerin in der Volkshochschule geworden. Ihre Nachfolgerin, die Bildhauerin Ute Voets (Atelier an der Itter) führt heute ihre Lehrarbeit fort.

Vor 25 Jahren zog Leonie Alt mit ihrem Mann nach Solingen-Gräfrath um, gestaltete dort ihr eigenes Haus ganz individuell bis hin zu den Badezimmer-Fliesen. Am Wochenende kamen über 30 Gäste -  Verwandte, Freunde, Nachbarn Schülerinnen zusammen, um eine Frau posthum zu ehren, die als „erfrischend kreativ und engagiert“ charakterisiert wird. Und es hat Charme, dass nun wiederum eine Frau, Tina Borrenkott, seit wenigen Wochen neue Mieterin des Ladenlokals ist. Das heißt jetzt „Zwischentöne“ – Studio für Livecoaching und Kreatives Tun - und bietet „Malen mit allen Sinnen“ an. Kunsttherapie auch.

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