Aufforstungspläne für Hofstraße in Hilden

Pro & Contra : Braucht Hilden einen neuen Wald?

JA!

Der Antrag der CDU kommt nicht von ungefähr. In diesem Jahr wählen die Hildener einen neuen Stadtrat. Auch das Stadtoberhaupt steht zur Wahl. Und da möchten nicht nur die Christdemokraten bei den Wählern punkten. Mit einem neuen Wald geht das gut, besonders in Zeiten, wo um jeden Baum gestritten wird, der gefällt werden soll. Mit dem neuen Wald möchten die Politiker aber auch eine immer mal wieder diskutierte Bebauung des Geländes zwischen Bahn und Hofstraße ein für alle mal verhindern. Gebaut werden soll, wenn überhaupt, nur an der Hofstraße. Alles andere ist auch nicht gesund, hat das Kreisgesundheitsamt mit Blick auf den Eisenbahnlärm schon mehrfach festgestellt.

Das scheint mir auch das wichtigste und stärkste Argument für die Anpflanzung eines neuen Waldes zu sein. Keinen „urbanen“ Wald, wie es in der Sitzungsvorlage heißt (davon hat Hilden in seiner Umgebung mehr als genug), sondern eine grüne Lärmschutzwand für die vom Bahnlärm geplagten Anwohner des Hildener Südens. Dazu müsste man natürlich schnellwachsende Bäume auswählen. Und mit heißen Sommern und Trockenheit sollten sie auch zurecht kommen, damit der neue Wald nicht alle Jahre aufs neue angepflanzt werden muss. Vielleicht könnte man daraus ein lokales Klima-Wandel- und Lärmschutz-Projekt mit wissenschaftlicher Begleitung durch Studenten einer benachbarten Universität machen. Das könnte auch dazu beitragen, die nötige Aufforstungsgenehmigung der übergeordneten Behörden zu bekommen. Christoph Schmidt

Christoph Schmidt. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

NEIN!

Was soll der Quatsch? Ein fast lückenloser Grünring umgibt Hilden, zum Wald sind es höchstens zwei Kilometer – egal von welchem Fleck der Stadt aus. Dazu kommen Parkanlagen, Kleingärten und andere Grünflächen, an denen es in Hilden nicht unbedingt mangelt. Warum sollte jetzt an der Güterstrecke ein neuer Wald angepflanzt werden? Brauchen die Anwohner ein neues Naherholungsgebiet? Nein, denn nur einen Steinwurf entfernt beginnen direkt hinter dem Bahnübergang die weitläufigen Felder im Karnap mit einem wundervollen Waldgebiet und dem Oerkhaussee. Ein Traum. Ein paar Quadratmeter mehr Bäume machen die Hildener auch nicht glücklicher. Ein weiteres Argument der Befürworter: Durch den Wald entsteht ein natürlicher Lärmschutz. Das mag stimmen. Aber es dauert mehrere Jahrzehnte, bis die Stämme und das Laubwerk den Lärm der ratternden Güterzüge schlucken. Bis dahin werden die Pläne für dieses Gebiet wahrscheinlich noch mehrmals angepasst. Die aktuellen Anwohner werden wohl nichts mehr von dem Lärmschutz haben.

Und auf dem Weg zum echten Wald werden viele der angepflanzten Bäume angesichts des Klimawandels auf der Strecke bleiben, auch wenn speziell angepasste Arten genutzt werden. Die ohnehin schon darbende Landwirtschaft in Hilden wird durch den Wegfall der Flächen zudem weiter geschwächt.

Tobias Dupke. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Bei der angespannten Haushaltslage sollte das Geld für ein nahezu überflüssiges Waldstück besser in Bildung für alle investiert werden. Und nicht in Wahlkampfgeschenke, von denen nur eine Handvoll Menschen etwas hat. Tobias Dupke