Gruiten: Auf der Jagd nach dem Waschbär

Gruiten : Auf der Jagd nach dem Waschbär

Ein Muttertier mit zwei Jungen hat in einer Scheune bei "Haus Poock" einige Schäden angerichtet. Die Eigentümer hatten Mühe, die Tiere wieder loszuwerden. Die Waschbären machen sich in Gruiten breit. Sie dürfen zurzeit auch gejagt werden.

Haan-Gruiten Dass etwas in der Scheune nicht stimmte, war Brigitte Taschke und ihrem Lebensgefährten Gerd Kussowski schnell klar. Seit Anfang Juni entdeckten sie morgens, dass die Säcke mit dem Futter für Hirsche und Schafe von oben bis unten aufgerissen waren. Eines Abends dann sah Kussowski, als er die Gänse hineinbrachte, wie eine Waschbärin mit zwei Jungen in einer Ecke saß und futterte.

Gerd Kussowski mit der Lebendfalle für Tiere: Als Lockmittel dienen Brot und Nutella. Hiermit wurde ein Waschbär gefangen. Foto: Anja Tinter

"Das sind ja putzige Tiere", sagt Brigitte Taschke. "Sie drehen vor dem Essen immer alles zwischen den Händen. Aber wenn sie sich vermehren, ist das eine Katastrophe." Also suchte sie Hilfe beim Ordnungsamt, beim Amtstierarzt, bei der Jägerschaft und der Unteren Landschaftsbehörde, um die ungebetenen Gäste wieder loszuwerden. "Doch jeder sagte mir, dass er nichts tun könne", berichtet die Gastwirtin. "Ich habe sogar den Wuppertaler Zoo und den Tierpark Fauna in Gräfrath angerufen und gefragt, ob sie die Tiere nähmen. Aber sie wollten auch nicht." Schließlich räumten die Waschbären selbst ihr Quartier, nachdem eins der Jungen in der Pferdetränke ertrunken sei.

Jungtier in Falle getappt

Diese Woche allerdings hätten sie einen der Waschbären wiedergesehen. Ein Jungtier war in eine Lebendfalle getappt, die eigentlich einem anderen Tier gegolten hatte. "Dort hat er einen dann mit seinen schönen Augen angesehen", berichtet die Gruitenerin. Da sie den munteren Gesellen nicht hätten töten dürfen (und auch nicht können), sei er wieder im Wald ausgesetzt worden.

"Seit etwa zwei Jahren haben wir in Gruiten Probleme mit Waschbären", sagt Landschaftswächter Hans-Joachim Friebe. "Sie gehen an Teiche, fangen Fische und rauben Vogelnester aus." Weil die Tiere hier nicht heimisch seien, hätten sie keine natürlichen Feinde. Grundsätzlich dürften die Tiere gejagt werden — "aber nicht im Bereich der Wohnbebauung und nicht, wenn sie Junge haben".

Ähnliche Schwierigkeiten bereiteten in Gruiten die Marder. "Die richten allerdings noch größere Schäden an, weil sie gerne Autokabel und -schläuche durchbeißen." Angelockt würden die Marder — wie Waschbären — durch den unachtsamen Umgang mit Speiseresten. "Das ist für Tiere wie ein gedeckter Tisch."

Man habe in der Vergangenheit auch schon einige Waschbären erschossen, berichtet Jagdpächter Dr. Karl-August-Niepenberg. "Weil die Tiere nachtaktiv sind und Winterschlaf halten, sind sie allerdings schwer zu jagen." Dabei sei dies die einzige Möglichkeit, der Überpopulation Herr zu werden und die Natur im Gleichgewicht zu halten.

(RP/ac)