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Haan: Asyl: Christen melden sich zu Wort

Haan : Asyl: Christen melden sich zu Wort

Christen aus Haan melden sich mit einem offenen Brief zur aktuellen Diskussion um Asylbewerber zu Wort.

Die Stadt Haan ist verpflichtet, wie jede andere Kommune auch, zugewiesene Asylbewerber und Flüchtlinge aufzunehmen. Der Stadtrat muss am Dienstag entscheiden, ob für die Unterbringung alte Schulräume an der Bach- oder an der Dieker Straße hergerichtet werden. Nachbarn in Unterhaan protestieren gegen die Pläne, sehen darin eine "Belastung für das gesamte Wohnviertel".

. . . Pfarrerin Gabriele Gummel Foto: Staschik, Olaf

Jetzt melden sich die katholische und die evangelische Kirchengemeinde, der Caritasverband Kreis Mettmann und der Sozialdienst katholischer Frauen und Männer gemeinsam mit einem offenen Brief an Bürgermeister Knut vom Bovert, die Stadtverwaltung, die Ratsmitglieder und die Haaner Bürger zu Wort.

"Was uns als Christinnen und Christen in der Stadt Haan in der aktuellen Diskussion dieser Tage sehr traurig macht, ist die Unbarmherzigkeit und Kälte, die aus so manchem "kritischen" Beitrag herauszuhören ist, der in unserer Stadt die Runde macht", schreiben Pfarrer Reiner Nieswandt und Pfarrerin Gabriele Gummel im Namen ihrer beiden Kirchengemeinden. Sie erinnern daran, dass Jesus Christus vor 2000 Jahren auch ein Flüchtling war. Er musste als Baby mit seinen Eltern nach Ägypten fliehen, weil die kleine Familie in Palästina ihres Lebens nicht sicher war.

Die Vertreter der beiden christlichen Konfessionen in Haan rufen in Erinnerung, dass Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg Millionen Flüchtlinge aufnehmen und ihnen Unterkunft und Arbeit verschaffen musste. "Dies ist eine der größten Leistungen der deutschen Nachkriegsgesellschaft, auf die wir zu Recht stolz sein dürfen." Dabei dürfe nicht vergessen werden, dass auch damals nicht jeder dieser Flüchtlinge willkommen gewesen sei. Weil Wohnraum knapp war, wurden Flüchtlinge zwangseingewiesen. Manche seien von den Alteingesessenen bald akzeptiert worden, obwohl sie vielleicht anderer Konfession waren und ein anderes Deutsch sprachen. Andere hingegen seien damals sehr schlecht behandelt worden. "Man machte sie für Kriminalität, Hunger, Wohnungsnot und Krankheiten verantwortlich", schreiben Nieswandt und Gummel und schlagen damit den Bogen zu der aktuellen Diskussion um Flüchtlinge in Haan.

Mit Blick auf das nahe "Fest der Liebe" fragen die Unterzeichner, was Weihnachten eigentlich gefeiert werde. Für sie als Christen sei Weihnachten kein "Geschenkefest", sondern ein "Fest der Entscheidung": "Wir als Christinnen und Christen in der Stadt Haan wollen mit dem Geist von Weihnachten ernst machen, indem wir uns für das Schicksal der Menschen, die in unsere Stadt kommen, interessieren. Wir ermutigen die Vertreter von Politik und Verwaltung der Stadt Haan, für eine menschenwürdige Unterbringung der Flüchtlinge und eine angemessene Betreuung der Menschen in Flüchtlingsheimen ebenso wie in deren Nachbarschaften zu sorgen." Christus, der Herr, stehe vor der Tür und klopfe an, endet der Offene Brief und schließt mit der Frage: "Werden wir ihm aufmachen?"

(RP)