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Apotheker spricht über panische Käufe von Desinfektionsmitteln

Coronavirus : „Händewaschen reicht im Normalfall“

Im Kreis Mettmann gibt es zurzeit sechs Corona-Erkrankte. Weder Apotheken noch Drogerien können momentan in gewohntem Maße Desinfektionsmittel und Mundschutz bereitstellen.

Desinfektionsmittel sind angesichts des Coronavirus’ vielfach ausverkauft. Fast schon panisch decken sich gesunde Menschen damit ein, was Auswirkungen auf Schwerkranke hat, die darauf angewiesen sind. Wir haben mit Jürgen Wunderlich, Inhaber der Fabricius-Apotheke und Sprecher der Apotheker im Südkreis, über die aktuelle Lage gesprochen.

Haben Sie momentan Desinfektionsmittel im Bestand?

Wunderlich Derzeit gibt es einen massiven Engpass bei Desinfektionsmitteln. Nachschub kommt nur vereinzelt, obwohl die Hersteller im Moment am Limit produzieren. Teilweise bekommen wir von Lieferanten Angebote zu deutlich erhöhten Preisen. Dies hat mittlerweile dazu geführt, dass uns Apotheken von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) wieder erlaubt worden ist,  bestimmte Desinfektionsmittel selbst herzustellen. Diese werden genauso sorgfältig hergestellt wie individuelle Cremes und Salben, die Patienten zum Beispiel vom Hautarzt kennen. Allerdings ist ein Teil der Zutaten auch nicht mehr besonders gut zu bekommen. Die intensive Nachfrage führt dazu, dass  die gelieferte Ware rasch wieder vergriffen ist, so dass ich nur dazu raten kann immer wieder nachzufragen.

Wer benötigt überhaupt Desinfektionsmittel?

Wunderlich Grundsätzlich sollten vor allem gesundheitlich angeschlagene Menschen, zu Beispiel Krebspatienten, Menschen mit Organtransplantaten oder unter Immunsupression, solche Mittel zu Hause haben. Für die meisten reicht eine normale Hygiene mit gründlichem regelmäßigen Händewaschen, Husten-/Niesetikette und Abstand zu Personen mit offensichtlicher Atemwegsinfektion. Derzeit gibt es nicht ausreichend Ware. Die meisten Apotheken haben daher eine Liste angelegt, um bei Eintreffen neuer Desinfektionsmittel informieren zu können.

Gibt es Alternativen?

Wunderlich Grundsätzlich wirken alkoholhaltige Flüssigkeiten desinfizierend, wenn der Alkohol in ausreichender Menge enthalten ist. Optimal sind um die 70 Prozent. Verwendet werden Ethanol, also unser Trinkalkohol, und Isopropanol. Viele Parfums, Rasierwasser oder Melissengeist enthalten hohe Mengen an Alkohol. Allerdings können die enthaltenen Duft- und Begleitstoffe Allergien und Hautreizungen auslösen. Darüber hinaus ist die Wirkung gegenüber Viren unklar. Im Gegensatz zu guten käuflichen Desinfektionsmittel ist dort kein Glycerin enthalten, was die Austrocknung der Haut bremst. Daher würde ich nur im echten Notfall auf diese Alternativen zurückgreifen. Abraten würde ich von Brennspriritus, da die enthaltenen Vergällungsmittel schädlich sind.

Das eine Thema ist die Desinfektion, das andere Mundschutz – wann macht er Sinn?

Wunderlich Mundschutz ist in erster Linie sinnvoll, damit angesteckte Menschen die anderen weniger anstecken. Dazu können auch einfachere Mundschütze verwendet werden, wie man sie oft auch in Bildern aus den betroffenen Gebieten sieht. Darüber hinaus ist bei den Teams, die mit möglichen Infizierten in Arztpraxen und der Notfallversorgung umgehen, wichtig, einen entsprechenden Schutz zu haben. Dazu sind Masken, die wenigstens den Schutzgrad FFP2 aufweisen, erforderlich. Bei den Herstellern dieser Masken herscht zur Zeit teilweise Goldgräberstimmung, so dass man im vermeintlich so billigen Internet mittlerweile Wucherpreisangebote  findet. Wir bekommen sporadisch Nachschub zu relativ normalen Preisen, so dass sich Nachfragen lohnt.