Hilden: Anstrengender Einsatz für den Denkmalschutz

Hilden : Anstrengender Einsatz für den Denkmalschutz

Jede freie Minute verbringt Michael Frank damit, sein Fachwerkhaus an der Hülsenstraße zu restaurieren. Ihm ist es wichtig, den Charakter des alten Gebäudes zu erhalten. Im nächsten Jahr will er einziehen.

Die Fensterscheiben sind blind, die Läden hängen schief in den Angeln und von der Fassade löst sich langsam die Teerpappe. "Es sieht noch wild aus. Daher passt das Motto ,jenseits des Schönen' in diesem Jahr ganz gut", sagt Michael Frank. Er öffnete zum gestrigen Denkmaltag die Türen zu seinem Fachwerkhaus, das er selbst in mühevoller Handarbeit restauriert.

Im Inneren liegt das Gerippe der alten Balken frei, in den Ecken türmen sich Lehmhaufen. Den alten Baustoff, der zum Teil aus den Wänden gebröckelt ist, möchte der Hildener wiederverwenden. In einer Art Knetmaschine entsteht aus den trockenen Putzbröseln ein Brei, der die Räume zwischen den tragenden und stützenden Balken füllt. "Das sorgt für ein angenehmes Klima. Im Sommer sind die Räume angenehm kühl, im Winter warm", sagt Michael Frank. Der 38-Jährige hat das ehemalige Gesindehaus aus dem 18. Jahrhundert geerbt.

Es gehört zum Besitz Großhülsen, der bis in die 80er Jahre landwirtschaftlich genutzt war. "Der alte Hof wurde in den 50er Jahren aus wirtschaftlichen Gründen abgerissen. Die großen Maschinen fanden dort keinen Platz", berichtet Michael Frank. Für ihn ist es Leidenschaft, das alte Gebäude zu erhalten und möglichst originalgetreu herzurichten. Nach Feierabend und an den Wochenenden verbringt der gelernte Kaufmann jede freie Minute zwischen den Fachwerkbalken. Rat für die Restaurierung holt er sich bei der Denkmalbehörde, im Internet und aus Büchern. "Manchmal kommen auch alte Leute vorbei und erzählen, wie das früher war."

"Ich rechne nicht in Stunden, sondern in Jahren"

Vor drei Jahren hat er mit den ersten Arbeiten angefangen, musste zwischendurch aus gesundheitlichen Gründen pausieren und plant im kommenden Jahr den Innenausbau fertig zu stellen. Wie viele Arbeitsstunden ihn das Objekt bereits gekostet hat, weiß er nicht. "Da rechne ich nicht in Stunden, sondern in Jahren", betont Michael Frank. Ihm ist bewusst, dass noch mindestens fünf Jahre vergehen, bis auch die Außenfassade und der Garten mit dem alten Baumbestand vollständig restauriert sind.

"Ein Neubau wäre sicher einfacher, doch der hätte nicht den Charakter." Noch schauen Besucher allerdings im künftigen Wohnzimmer ungehindert in den ersten Stock. "Die Deckenbalken muss ich komplett erneuern", sagt Michael Frank. "Die Alten sind zum Teil gebrochen." Er versucht, auch dafür Originalmaterial zu bekommen. "Die alten Balken sind von innen versteinert. Das Holz arbeitet nicht mehr und ist stabil wie ein Stahlträger.

Die Küche möchte er ebenfalls wie zu Urgroßmutters Zeiten mauern und mit Schmiedestangen versehen, an denen die Töpfe hängen. Sein ganzer Stolz ist bisher jedoch der Lehmofen im Wohnzimmer, der einmal das ganze Haus beheizen soll. Hinter der äußerlich rustikalen Feuerstelle verbirgt sich moderne Technik mit 30 KW Leistung und einem 2300 Liter Wasserspeicher und einer computergestützten Steuerung. "Anders ist so ein Objekt auf Dauer nicht zu heizen."

Nur den Dachboden muss Michael Frank so lassen, wie er ist. Die historische Technik mit Andreaskreuzen ist nur noch selten erhalten und hat musealen Wert.

(RP)