An diesem Stand auf dem Hildener Markt geht es um die Wurst

Hilden : Hier geht’s um die Wurst

Vor 38 Jahren hat Barbara Hilgemeier den Fleisch- und Wursthandel mit ihrem Mann Heinz-Jürgen gegründet. Heute steht sie mit dem Verkaufswagen auf einigen Wochenmärkten in der Region – unter anderem in Hilden.

Wer gern eine deftige Küche mag, auch schon mal Rezepte von der Oma nachkocht, der kommt auf dem Wochenmarkt am Wurst- und Fleischwaren-Verkaufswagen von Hilgemeier am östlichen Rand des Nove-Mesto-Platzes kaum vorbei. „Ein schönes Stück dicke Rippe muss in den Topf, wenn es eine gute Suppe werden soll“, sagt Barbara Hilgemeier, die es wissen muss. Vor 38 Jahren hat sie mit ihrem Mann Heinz-Jürgen in Leverkusen den Fleisch- und Wursthandel begonnen und ist in Hilden sowie auf weiteren Märkten der Region präsent.

„Es sind meist ältere Leute, die noch auf gute Zutaten Wert legen und bereit sind, dafür auch mehr Geld auszugeben, die jüngeren kochen anders, wenn sie überhaupt noch kochen“, sagt bedauernd die Marktbeschickerin und erhält Zustimmung von Kollegin Carmen Zenker. Trotz Arbeitsbeginns um 4.30 Uhr verbindet die beiden mit dem Markt noch immer viel Leidenschaft. „Hier läuft die Wurst nicht vom Band – wir schaffen noch mit Herz und Hand“ ist als Wahlspruch an der Rückwand des Verkaufswagens zu lesen.

Der Fleischskandal um die Firma Wilke hat den kritischen Sinn der Verbraucher um die Herkunft des Fleisches erneut geschärft. Familie Hilgemeier, auch Sohn Dirk ist bereits mit im Betrieb und ist mit einem zweiten Verkaufswagen unterwegs, sieht daher eine Chance, dass wieder mehr auf Qualität geachtet wird. „Wir sind ein großes Familiennetzwerk, während wir nur verkaufen, übernimmt mein Schwager Hans Plüming, der langjährig mit einem Bauern im nördlichen Ruhrgebiet zusammenarbeitet, die Schlachtung und verkauft auch gemeinsam mit meiner Schwester Ingrid und seinen Söhnen“, sagt Barbara Hilgemeier.

Eine junge Kundin möchte sehr detailliert Auskünfte über das Fleisch, will sich aber mit den Zusicherungen über die Herkunft nicht zufrieden geben und braucht für den Kauf noch Bedenkzeit. „Ein Biosiegel gibt es nicht, auch keine vegetarische Wurst, denn die ist für mich keine Wurst“, klärt die Fachfrau in Sachen Fleisch ihren Standpunkt. Die Fleisch- und Wurstauswahl ist reichhaltig. In einem Topf dampfen frisch gekochte Eisbeine, für den kleinen Hunger gibt es fertig gebratene Frikadellen oder selbst hergestellten Fleischsalat. Lammlachse, Rumpsteaks aus Argentinien und Iberico-Koteletts bilden die exklusive Seite ab, selbst gekochter Schinken oder schlesische Well- und Grützwurst stehen für die eher bodenständige. „Dazu gehört auch unsere Spezialität, die Kottenwurst, die es auch mit Kümmel gibt und auf keiner bergischen Kaffeetafel fehlen darf“, erklärt Barbara Hilgemeier.

Und schon ist eine Stammkundin da, um zwei Würste zu kaufen. „Mein Arzt hat mit eigentlich salzloses Essen verordnet, aber er hat auch gesagt, dass man hier und da ruhig mal kleine Sünden begehen soll“, sagt verschmitzt Rosemarie Lenz, die in Haus Horst wohnt und der man die kulinarische Vorfreude förmlich ansieht.

Ans Aufhören will Barbara Hilgemeier noch nicht denken. „Vielleicht mal ein oder zwei Tage weniger unterwegs sein, und dann mehr Zeit für Privates oder die beiden Enkel Sophie und Jonah haben, das wäre schon ganz schön“, sagt sie.