Haan: "Alternative für Deutschland" ist aus Haan

Haan : "Alternative für Deutschland" ist aus Haan

Am 14. April hat die "Alternative für Deutschland" (AfD) mit 1600 von inzwischen rund 10 000 Mitgliedern in Berlin ihren ersten Bundesparteitag ab. Erst am 6. Februar, also vor gut zwei Monaten, hatten sich 40 Männer und Frauen in Oberursel zur Gründung der AfD getroffen, dabei der Haaner Martin Renner, der seit 12. April stellvertretender Landessprecher der AfD ist. "Ein unglaubliches Tempo, eine enorme Entwicklung", freut sich der seit 25 Jahren selbstständige Unternehmensberater.

In der Tat hat Deutschlands jüngste Partei unzählige Schlagzeilen gemacht, seit sie sich gründete und ein Zurück zur D-Mark forderte: Ihre Bedenken fielen genau in die schwere Zeit der Eurokrise, die der Bankenkrise folgte und das Vertrauen vieler Bürger in die Währung erschütterte. Einzelne Haaner können nachvollziehen, was das frühere CDU-Mitglied, den engagierten Kirchenvorstand und Familienvater veranlasste, sich den von vielen Medien genannten "Europakritikern" anzuschließen — und damit dem ebenfalls aus Haan stammenden Bernd Lucke weiter zu folgen, der AfD-Bundesvorsitzender ist.

Im Jahr 2000 referierte der damalige SPD-Europaparlamentarier Klaus Hänsch bei den Haaner Lions über den bevorstehenden Euro, und es war Clubmitglied und der diplomierte Betriebswirt Renner, der den Referenten (und die Clubmitglieder) damit nervte, dass er nachdrücklich davor warnte, "für Volkswirtschaften mit so unterschiedlicher Leistungsfähigkeit einen gemeinsamen Währungsraum zu schaffen", in der die Abwertung der Währungen als Steuerungsinstrument verloren gehe. Nach Jahren, in denen er enttäuscht die CDU verließ, beendete im Mai 2010 die diskutierte Griechenland-Hilfe seine "resignierte Zurückhaltung"´, wie er es selbst nennt. In einem Brief an die Haaner CDU-Bundestagsabgeordnete Michaela Noll wollte Renner eigentlich nur begründen, warum die 30-Milliarden Griechenland-Hilfe den europäischen Verträgen widerspricht. Der Brief wurde nie verschickt, denn Martin Renner erlebte, dass binnen drei Tagen aus den diskutierten 30 Milliarden ein Euro-Rettungsschirm von 750 Milliarden entstand, der von der Regierung als "alternativlos" dargestellt und von einer breiten Parlamentsmehrheit "abgenickt" wurde. Aus Renners Sicht wurde damals EU-Recht gebrochen.

Sein politisch interessierter Freundes- und Bekanntenkreis suchte Alternativen, so fand auch er zu der an die Freien Wähler angelehnten Wahlalternative 2013 (wa2013). Im November 2012 wurde Renner NRW-Landesbeauftragter der wa2013, die von Bernd Lucke angeführt wurde. Nach der Niedersachsen-Wahl beschloss die AfD, sich als eigene Partei zu organisieren; Martin Renner arbeitete im Bundesvorstand mit an der Strategie und der politischen Positionierung, dazu gehörte der Parteiname. Am 28. Januar. "nachts um zwei Uhr", hatte er die Idee "Alternative für Deutschland", angeregt auch durch die politisch immer häufiger beschriebene "Alternativlosigkeit" bei weiteren Euro-Rettungs-Entscheidungen. In NRW hat die AfD 1700 Mitglieder, und Martin Renner "kümmert sich täglich von 8 bis nach Mitternacht" um die Partei. 10 000 Kilometer ist er seit November gefahren, viele Meilen geflogen, der seit 30 Jahren konsequent schwarz gekleidete Unternehmer hat fast acht Kilo verloren, "für die Hobbys Badminton und Gartenarbeit fehlt die Zeit".

Die Familie zieht mit, "wir waren schon immer eine Familie, in der viel politisiert wurde", sagt er. "Wenn wir nicht viele Fehler machen, kommen wir über fünf Prozent", ist Martin Renner voller Optimismus für die Bundestagswahl im September, "auf jeden Fall lösen wir Nachdenken aus, das hoffentlich zur Umkehr führt".

(RP/ac)