Hilden: Als Spätstarter an die Spitze

Hilden: Als Spätstarter an die Spitze

Für hunderte Jugendliche stellt sich im Sommer die Frage, welchen Weg sie nach der Schulausbildung einschlagen sollen. Die RP zeigt Wege, Karrieren und Chancen auf, stellt aber auch Berufe, Firmen und Berater vor.

Haan/Hilden Büffeln für die Schule war nicht sein Ding. "Jungen sind eben oft spät entwickelt oder haben anderes im Kopf", schmunzelt Christoph Krenzel rückblickend. Heute gilt der 47-jährige gebürtige Haaner als Vorzeigeschüler der Hauptschule Zum Diek. Denn nach erfolgreichem Schulabschluss machte er zielstrebig Karriere – von der Malerlehre bis hin zum bekannten Architekten, der unter anderem das Gemeindehaus der katholischen Kirche Haan gebaut hat.

"Während der Schulzeit war mir Handball wichtiger", gibt Christoph Krenzel lachend zu. Immerhin spielte er in Wuppertal in der zweiten Bundesliga. "Das war schon zeitaufwändig. Die Schule war für mich anfangs ein Muss. Man wird bis zur zehnten Klasse zwangsweise hingeschickt", erinnert er sich an seine Empfindung als Jugendlicher. "Den Dreh habe ich in der neunten oder zehnten Klasse bekommen", so Krenzel, sicherte sich damit die Qualifikation für das Gymnasium.

"Trotzdem habe ich erst eine Malerlehre im Betrieb meines Vaters gemacht" erzählt der Diplom-Ingenieur für Architektur. Diesen Weg, den Christoph Krenzel mit 17 Jahren eingeschlagen hat, begrüßen auch Ausbildungsberater. Denn der Hildener steht nicht alleine da, wenn er sagt: "Wir haben in Deutschland keine Handwerker mehr." Das merkt der Architekt täglich: "Uns fehlen unter anderem Leute im Sanitär,- Heizungs- und Installationshandwerk."

Die praktische Ausbildung half auch Christoph Krenzel, seine Neigungen und Ziele erstmal einzuordnen. Mit dem Wunsch nach einem "kreativen Beruf" wuchs der Ehrgeiz. Dank der zweieinhalbjährigen Ausbildung, die er als Kreisbester abschloss, konnte er anschließend in nur einem Jahr die Fachoberschulreife in Gestaltung und Design ablegen – der das Architekturstudium in Wuppertal folgte. "Mit 26 Jahren war ich fertig", sagt Krenzel. "Langeweile kenne ich in meinem Beruf nicht. Mir liegen Selbstständigkeit und Flexibilität", hat er im Laufe der Zeit festgestellt. Was rät der Familienvater jungen Menschen? "Sie brauchen Durchhaltevermögen und Biss, müssen die Dinge mit Leidenschaft machen. Man kann nicht einfach sagen, dann breche ich ein Praktikum eben wieder ab." Zum Teil sei die Einstellung sicher auf die Fülle von Möglichkeiten sowie Einflüsse der neuen Medien zurückzuführen. "Die Jugend muss aber auch gefördert werden", so Krenzel angesichts "gestiegener Anforderungen". Deshalb rät er auch den Schulen zum Umdenken: "14- bis 15-Jährige sind in einer kritischen Entwicklungsphase, müssen mal weg vom Schulalltag." Auslandsaufenthalte seien zum Beispiel ein guter Weg.

(RP)