Auf Ein Wort Ulrike Peters: Alle Jahre wieder

Auf Ein Wort Ulrike Peters: Alle Jahre wieder

Alle Jahre wieder ... werden die Zahlen der Besucher von christlichen Gottesdiensten an Weihnachten recht unterschiedlich gedeutet. Da reden die einen von einer Kirche im Absturz und ein bekanntes deutsches Presseerzeugnis titelt, es gäbe 2017 keinen Kirchgang zu Weihnachten. Statistisch ermittelte Zahlen werden angeführt und interpretiert. Die Zahl der Gottesdienstbesucher an den Weihnachtstagen wird ins Verhältnis gesetzt zur Gesamt-Einwohnerzahl Deutschlands und das Ergebnis dann als kompletter Kontrollverlust der Kirchen über das Weihnachtsfest interpretiert.

Da frage ich mich: Ist das ganz einfach nur schlechter Journalismus, der Erfahrung geschuldet, dass nur negative Nachrichten auflagesteigernd wirken? Oder ist es Absicht - aus welcher Motivation heraus auch immer? Wer dann am Heiligabend oder an den beiden Weihnachtstagen - allen Unkenrufen zum Trotz - eine Kirche besucht hat, konnte die "erstaunliche" Erfahrung machen, dass diese wie eh und je mehr als gut gefüllt waren. Der konnte erleben, dass sowohl haupt- als ehrenamtliche Mitarbeiterinnen der Gemeinden vor Ort viel Engagement und Liebe in eine würdige Gestaltung der Kirchenräume und unterschiedlichsten Gottesdienstformen investiert hatten. Der konnte spüren, dass zahllose Menschen über Lebkuchen im August, über das künstliche Lichtermeer und den Konsumrummel der Adventszeit hinaus noch etwas anderes suchen. Dass es eine Sehnsucht nach einem "Mehr" gibt, die mit alle diesen Äußerlichkeiten nicht gestillt werden konnte.

Wir Christen glauben, dass dieses Mehr nicht "etwas" ist, sondern "jemand". Jemand, den wir Gott nennen. Der in Jesus als Mensch auf der Erde gelebt hat. Der jeden Menschen - ungeachtet seines Geschlechts, seiner sozialen Herkunft, seiner Gesundheitszustandes, seines Verhaltens zunächst einmal so annimmt wie er ist und ihm mit bedingungsloser Zuwendung begegnet. Die Sehnsucht der Menschen nach einer solch bedingungslosen Annahme schlechtzureden, sei es in der oben genanntenForm, sei es in der Betitelung als "U-Boot-Christen, die nur einmal im Jahr auftauchten" halte ich für anmaßend und zynisch. Ich jedenfalls möchte nicht über die Motivation eines Gottesdienstbesuchers urteilen, sei es an Weihnachten oder an einem beliebigen anderen Tag im Jahr. Ich möchte es gerne immer häufiger schaffen, so wie Jesus, jedem und jeder Einzelnen vorurteilsfrei und mit bedingungsloser Zuwendung zu begegnen. Das ist mein Vorsatz für 2018. Haben Sie auch schon einen?

ULRIKE PETERS (ARCHIVFOTO ROBERT BOECKER), GEMEINDEREFERENTIN AN ST. CHRYSANTHUS UND DARIA HAAN UND ST. JACOBUS HILDEN.

(RP)