Kreis Mettmann: Acht Kinder an Masern erkrankt

Kreis Mettmann : Acht Kinder an Masern erkrankt

Interview Regina Kohnert, stellvertretende Leiterin des Kreisgesundheitsamtes, empfiehlt den Bürgern, ihren Impfschutz zu überprüfen. Masern sind hochansteckend und können auch Erwachsenen gefährlich werden.

Im Kreis Mettmann sind wieder vereinzelt Menschen an Masern erkrankt. Das Kreisgesundheitsamt empfiehlt deshalb Kindern und Erwachsenen, ihren Impfstatus zu überprüfen. Dazu hat RP-Redakteur Christoph Schmidt die stellvertretende Leiterin des Kreisgesundheitsamtes, Regina Kohnert, befragt.

Frau Kohnert, wie viele Bürger im Kreis sind bislang an Masern erkrankt?

Kohnert Drei Grundschüler in Ratingen und fünf Kinder in Velbert. Wir haben deshalb die betroffenen Grundschulen aufgefordert, nach den Osterferien den Impfschutz der Schüler zu kontrollieren.

Masern gelten vielen als Kinderkrankheit.

Kohnert Masern sind eine hochansteckende und deshalb meldepflichtige Krankheit, die auch Erwachsenen gefährlich werden kann. Denn mit zunehmendem Alter steigt auch die Zahl der Komplikationen. In den westlichen Industrieländern führen Masern bei zehn bis 20 Prozent der Erkrankten zu Komplikationen.

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Welche sind das?

Kohnert Die häufigsten Komplikationen sind Mittelohr- und Lungenentzündungen. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer lebensgefährlichen Gehirnentzündung (Enzephalitis). Deshalb sollten versäumte Impfungen nachgeholt werden. Das gilt nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern ebenso für ungeschützte Erwachsene.

Wie erkennt man Masern?

Kohnert Typisch ist der Ausschlag, der sich über den ganzen Körper ausbreiten kann. Hinzu kommen häufig tränende, lichtempfindliche Augen. Säuglinge zeigen oft in stark abgeschwächter Form Krankheitssymptome. Nicht selten werden die Masern gar nicht erkannt und können schon nach wenigen Tagen wieder verschwinden. Doch eine zunächst überstandene Masernerkrankung kann nach Monaten oder Jahren noch gravierende Spätfolgen nach sich ziehen.

Können sich denn Masern trotz Impfaktionen immer noch gefährlich ausbreiten?

Kohnert Wir hatten in den vergangenen drei Jahren zwei große Masern-Wellen, ausgelöst im Düsseldorfer und im Duisburger Raum. Im Kreis Mettmann wurden 2007 102 Masern-Fälle gemeldet, zahlreiche Kinder darunter, aber eben auch Erwachsene.

Machen Sie sich wegen der aktuellen neuen Maser-Fälle Sorgen?

Kohnert Die Durchimpfungsrate im Kreis Mettmann ist gut. 2007 sind bei einer Aktion rund 38 000 Impfausweise von Kindern und Jugendlichen (von insgesamt 57 000) überprüft worden, die eine Grund- oder weiterführende Schule im Kreis besuchen. 37 000 oder fast 98 Prozent von ihnen wiesen mindestens eine, überwiegend auch zwei Impfungen gegen Masern auf. In 868 Fällen (2,3 Prozent) war noch nie gegen Masern geimpft worden.

Gibt es dazu auch aktuelle Zahlen?

Kohnert Bei der Untersuchung der Schulanfänger 2009/10 legten 95,2 Prozent die Impfbücher vor. Davon waren 97,8 Prozent der Kinder einmal gegen Masern geimpft, bei 94,4 Prozent war der Impfschutz durch die zweite Impfung bereits komplett. Damit liegt der Kreis Mettmann sehr nah an den von der Weltgesundheitsorganisation geforderten 95 Prozent. Impfgegner gibt es immer. Die müssen sich allerdings sagen lassen, dass sie sich auf Kosten von anderen schützen, nämlich denen, die sich impfen lassen, und zudem Menschen gefährden, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können.

Was soll man tun, wenn der Impfschutz unvollständig ist?

Kohnert Kinder und Erwachsene sollten die Masern-Schutzimpfung nachholen. Sie ist sehr gut wirksam und verträglich. Die Impfung selbst übernehmen Kinder- und Hausärzte. Die Kosten trägt bei Kindern und Jugendlichen die Krankenkasse. Nach zwei Masern-Schutzimpfungen besteht in der Regel Schutz.

(RP)
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