Haan: Abschied von der Heimatstube

Haan: Abschied von der Heimatstube

Die Ortsgruppe der Schlesier muss aus der Pestalozzischule ausziehen. Neue Räume kann die Stadt nicht zur Verfügung stellen.So wandern die Erinnerungsstücke aus der alten Heimat nun in (Ober-)Schlesische Gedenkstätten nach Bonn, Hösel, Görlitz oder Liegnitz.

Nicht nur einige Handwerker sind derzeit in der Pestalozzischule an der Blücherstraße aktiv, um das Gebäude, das noch bis zum vergangenen Jahr von der Förderschule genutzt wurde, wieder für den Unterricht herzurichten – während des Neubaus soll die Grundschule Mittelhaan dorthin ausweichen. Auch in dem großen Raum neben der Turnhalle, den die Landsmannschaft der Schlesier nun seit sechs Jahren als Heimatstube nutzen kann, wird fleißig gearbeitet.

Aber hier wird nicht renoviert: Vielmehr packen einige Frauen der Ortsgruppe Haan das Inventar in Kartons. "Ein Umzug ist es aber nicht", stellt der Vorsitzende Martin Fischer klar. Denn die Stadt könne der Landsmannschaft keinen neuen Raum zur Verfügung stellen. "Damit wird das Kapitel Heimatstube nun endgültig geschlossen", bedauern Fischer und die anderen Ortsgruppen-Mitglieder.

Landkarte von 1939 an der Wand

Die Bücherschränke sind bereits geräumt, Landkarten an den Wänden warten noch darauf, abgenommen zu werden. Eine Heimatkarte von Schlesien zeigt als Druckdatum das Jahr 1939 an, eine andere von Ostpreußen enthält den Hinweis, dass das Soldaugebiet dort bereits 1920 an Polen abgetreten worden ist. "Osterzeug", steht auf einem der Kartons, andere enthalten kleine Erinnerungsstücke an die frühere Heimat der Vertriebenen.

Gerade diese Erinnerungsstücke sind es, die das Helferteam um Martin Fischer nun auch für die Zukunft sichern möchte. Sowohl das Haus Schlesien in Bonn als auch das Oberschlesische Landesmuseum in Hösel werden bedacht. Und auch die Stiftung Schlesische Heimatstuben in Görlitz bekommt einige Bananenkartons mit Material aus Haan, darunter ein winziges Bandmaß. Ein leicht verblichener Aufdruck zeigt, dass dieses Stück von Leder Baier aus Löwenburg in Schlesien stammt, möglicherweise ein Werbegeschenk aus alter Zeit. Auch eine alte, schön verzierte Schmuckschachtel von einem Juwelier aus Liegnitz hat jemand damals bei der Flucht gegen Ende des Krieges gerettet.

Ortsgruppe existiert weiterhin

"Solche Erinnerungstücke wirft man nicht einfach weg", meint Fischer. Das Kästchen soll einem Museum in Liegnitz zur Verfügung gestellt werden. Die Ortsgruppe Haan der Landsmannschaft Schlesien wird es auch nach Schließung der Heimatstube weiter geben, betont der Vorsitzende. Schade sei nur, dass man nach dreimaligem Umzug nun gar keinen Platz mehr für kulturelle Sammelstücke aus der alten Heimat habe. Die Veranstaltungen wie Kaffeetrinken, Adventsfeier, das Wellwurstessen im März und die Schlesische Kirmes im Herbst werde es auch weiterhin im Forum der Pfarrgemeinde St. Chrysanthus und Daria geben. "Viele Helfer aus der Ortsgruppe wie Brigitte Hilbig, die für die Kaffeenachmittage immer reichlich Kuchen backt, werden sich auch ohne Heimatstube weiter engagieren", hofft Martin Fischer.

(RP)