Abenteuerurlaub mit dem Motorrad in Nepal

Hilden : Mit dem Motorrad durch Nepal

Vier Freunde aus Hilden und Monheim, fast alle im Rentenalter, waren auf großer Fahrt und gerieten dabei an die Grenzen der Belastbarkeit.

Wulf Merkelbach (74) dürfte etlichen Hildenern bekannt sein, weil der 46 Jahre lang die Friedhofsgärtnerei an der Kirchhofstraße betrieben hat. In seiner Freizeit fährt er eine Harley Davidson, und auch im Urlaub ist das Zweirad sein bevorzugtes Transportmittel: Mit drei anderen Männern, den beiden Hildenern Paul Müller und Thomas Schulte sowie Jürgen Kruschewski, einem ehemaligen Polizisten aus Monheim, macht er seit zwölf Jahren ausgedehnte Touren durch Europa – mit klarer Rollenverteilung: „Ich bin der Präsident, weil ich der älteste bin, Jürgen ist Roadcaptain, einer Quartiersmanager und einer Proviantmeister.“

Nach 14 Reisen innerhalb Europas sollte es nun etwas ganz Besonderes sein: ein 14-tägiger Trip durch Nepal. Sie fanden einen Reiseveranstalter, buchten Flüge, mieteten Motorräder vor Ort, einen örtlichen Reiseführer, und los ging es: Allerdings mit mehr Personen, als ursprünlich geplant – denn der Veranstalter hatte noch zwei andere Deutsche mit auf die Tour gepackt, mit denen sich die Rheinländer gut verstanden haben.

Der Trip begann in der Millionenstadt Kathmandu. Dort erhielten sie ihre Leihmotorräder, englische Royal-Enfield-Geländemaschinen, robust und stark im Anzug. „Dort ist unglaublich viel Verkehr, jede Menge Zweiräder, Tucktucks und ganze zwei Ampeln. Die Verkehrsteilnehmer verständigen sich durch Hupen und geben sich Handzeichen. Das funktioniert sogar“, so Merkelbach.

Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg – und wenn er durch einen Fluss in Nepal führt. Foto: Wulf Merkelbach

Für die Deutschen war es allerdings sehr gewöhnungsbedürftig und stressig. Sie waren voll und ganz damit beschäftigt, hinter der nepalesischen Fahne hinterher zu fahren, die sich ihr Führer am Motorrad befestigt hatte, damit sie ihn im Getümmel nicht verlieren. Jürgen Kruschinski (66) musste diesmal keine Routen ausgucken. „Das ging ja auch gar nicht: kein GPS, keine ordentlichen Karten, denn nach dem Erdbeben sind viele Straßen noch kaputt.“

Mittagspause: Die Truppe aus Hilden und Monheim stärkt sich mit landestypischen Gerichten. Foto: Wulf Merkelbach

Von Kathmandu aus ging es ins Landesinnere: „Die Straßen sind Schotterpisten mit tiefen Schlaglöchern. Es ist staubig und heiß. Nach zwei Tagen konnten wir die Arme nicht mehr heben und hatten Angst ums Kreuz. Schlaglöcher, so groß wie Kühlschränke“, hat Kruschinski in Erinnerung.

Die Gruppe von Links: Paul Müller, Rudi Dowiasch,Jürgen Kruschewski, Führer, Stephan Tiemann, Wulf Merkelbach , Vorne: Thomas Schulte, Uli Brockmann. Foto: Wulf Merkelbach/Wulf Merkelbach/Veranstalter

Die Männer fuhren über schwankende Hängebrücken, durch den Urwald, durch Flüsse und über Gebirge. Merkelbach hat ein Rhinozeros gesehen und Krokodile. Er ist dem Abgrund nahe gekommen: „Da gibt es natürlich keine Leitplanken“ und wollte mehr als einmal aufgeben. Auch Kruschinski fand den Trip „sehr sehr anstrengend. Sand, Schotter, jede Menge Staub, den wir eingeamtet haben. Und jeder von uns ist mal gestürzt.“ Kruschinski erwischte es, als ein kleineres Moped ihn streifte und er mit seinem Gefährt an einer Felswand entlangschrammte.

In der Millionenstadt Kathmandu erhielten die Männer ihre Leihmotorräder, englische Royal-Enfield-Geländemaschinen, robust und stark im Anzug. Foto: Wulf Merkelbach

„Bei der Fahrt durch den Fluss wurde uns eingeschärft, genau hinter dem Fahrer herzufahren, im zweiten Gang und bloß nicht stehenzubleiben.“ Wulf Merkelbach kam etwas von der vorgegebenen Linie ab, landete sofort im tieferen Wasser und war heilfroh, als er es geschafft hatte.

Solche Brücken teilen sich Fußgänger und Motorradfahrer in Nepal – in Deutschland undenkbar. Foto: Wulf Merkelbach

Geschlafen wurde mal bei Einheimischen, mal in kleinen Hotels und manchmal wurde auch nur unterm Sonnensegel im Schlafsack genächtigt. „Auf einer dünnen Matte. Da habe ich schlecht geschlafen.“

Wulf Merkelbach auf seinem Leihmotorrad in Nepal. Foto: Wulf Merkelbach

Jeden Abend mussten sich die Männer bei ihren Frauen melden. Gila Merkelbach waren diese täglichen Lebenszeichen wichtig: „An die Motorradreisen habe ich mich ja gewöhnt – Frankreich, Spanien, Österreich –  aber bei der Vorstellung, dass er in Nepal unterwegs ist, war mir schon etwas komisch zumute. Ich war jedenfalls froh, als er wieder gesund zu Hause war.“

1200 Kilometer hat die kleine Reisegruppe zurückgelegt. „In Europa waren es immer um die 3000 Kilometer pro Reise“, berichtet Merkelbach. Sie haben die Geburtsstadt Buddhas besichtigt, per Flugzeug den Himalaya umrundet und preiswert gegessen: „Es gab fast nur vegetarisches Essen, viele Currys für umgerechnet einen Euro. Wenn es Fleisch gab, dann Huhn, Schwein oder Ziege. Die Kühe sind ja heilig. Aber Bier und Schnaps gibt es.“

Merkelbach hat 80 Cent für den Friseur gezahlt und sich mit zig Einheimischen ablichten lassen. „Die Leute waren da ganz wild drauf und haben zum Teil Schlange gestanden für ein Foto mit uns.“ Er hat mit seinen Mitreisenden in Kathmandu die Spuren des Erdbebens von 2015 gesehen. „Da liegt alles noch. Der Wiederaufbau beginnt nebenan und zuerst sind die Tempel dran.“ Die Motorradfahrer haben viel erlebt, und Merkelbach will die Tour nicht missen. Trotzdem würde er sie nicht noch mal machen wollen: „Das war zu strapaziös und hat Nerven gekostet.“ Auch Kruschinski winkt ab: „Wenn ich fünf Jahre jünger wäre, bin ich aber nicht.“ Die nächste Reise wird wohl wieder in ein europäisches Land gehen.

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