24. März. Europäischer Tag des Speiseeises, Porträt Eisbär in Hilden

Hilden : Der Eisbär verbreitet gute Laune

Am 24. März ist Tag des handwerklich hergestellten Speiseeises. Der Hildener Eismann Dirk Schröder bietet seit 22 Jahren leckeres Eis aus eigener Herstellung an.

Ein Mann betritt die Eisdiele an der Gerresheimer Straße in Hilden und gibt seine Bestellung auf: „Ein Spagetti-Eis bitte.“ Dirk Schröder, der für jeden Kunden ein strahlendes Lächeln auf den Lippen hat, häuft Vanilleeis in den Eiswolf, presst es durch, gibt Sahne dazu und begießt das Ganze mit reichlich roter Sauce. Der Kunde zahlt und zieht zufrieden von dannen. Es folgen mehrere Männer im Rentenalter, die sich jeweils zwei Kugeln gönnen und eine Mutter mit ihrem kleinen Sohn, die den Eismann mit „Hallo Dirk“ begrüßt. Es ist Daniela Tietgen, Stammkundin: „Ich komme regelmäßig hier vorbei, manchmal zwei Mal – hin und zurück vom Spielplatz“, sagt sie. „Den Kindern schmeckt es immer, sie bevorzugen Waldmeister und Delphino“, berichtet sie. „Mein Mann mag die ausgefallenen Sorten, ich alles mit Schokolade“, verrät sie und murmelt etwas von „Hüftgold“. Ihr Sohn sagt gar nichts, er schielt nur sehnsüchtig auf das Eis. Zufrieden ziehen die beiden schließlich ab.

Zufrieden ist auch Eismann Dirk Schröder, der vom „Europäischen Tag des handwerklich hergestellten Speiseeises“ noch nie gehört hat. Der wird seit 2013 am 24. März in mehr als einem Dutzend EU-Staaten begangen. Schröders Eisdiele Eisbär neben dem Naturhof könnte günstiger nicht liegen, schwärmt er. „Ich liege hier im Einzugsbereich von einem Kindergarten und einem Seniorenheim und im Sommer kommen die ganzen Ausflügler vom Elbsee vorbei. Es gibt genügend Parkplätze und die Leute kommen alle nicht an der Eisdiele vorbei“, sagt er schmunzelnd und bedient die nächste Mutter mit Kleinkind: Die Kleinen bekommen in der Regel eine Kugel und bestellen alle mit Begeisterung bunte Zuckerstreusel oder Gummibärchen dazu. 90 Cent kostet die Kugel. „Streusel gibt es für Kinder gratis“, erklärt Schröder. Und von jeder verkauften Kugel Delfino Eis spendet der Vater von vier Töchtern einen kleinen Anteil, damit gehandicapte Kinder in den Genuss einer Delphin-Therapie kommen.

Vor 22 Jahren hat der gelernte Konditor aus Hilden seine erste Eisdiele in Düsseldorf-Flingern eröffnet, wenig später dann die zweite in Hilden. Außerdem schaffte er einen Eiswagen an. „Ich konnte es mir nicht leisten, eine eigene Konditorei zu eröffnen. Da ich als Angestellter in einer Konditorei bereits Eis produziert hatte, habe ich stattdessen eine Eisdiele eröffnet.“ Er hat es nie bereut. „Der Eiswagen, ein VW Bulli, ist inzwischen ein Oldtimer und ich fahre mit ihm nur noch zu Sport- oder anderen Festen und verkaufe dort mein Eis“, erzählt er.

Dirk Schröder ist ein kreativer Kopf in Sachen Eis: 70 Sorten hat er im Angebot. Nicht alle gleichzeitig, wohlgemerkt. Die gängigen gibt es immer, die Exotischen variieren. „Ich rühre jede Nacht drei Sorten an und arbeite nicht mit Fertigpasten, sondern nur mit natürlichen Produkten.“ Auf Farbstoffe verzichtet er „weitestgehend“. Inzwischen sind auch mehrere laktosefreie Sorten in seinem Sortiment, die meistens zugleich vegan sind – „immer mehr Kunden fragen danach.“

Meist verkaufte Sorte ist bei Schröder tatsächlich Vanille, der beliebtestes Becher – natürlich – ist das Spagetti-Eis. Im Trend ist bei den Kindern alles, was süß und bunt ist, also die Cookiesorten, etwa Oreo nach dem gleichnamigen Keks, Schokolade, Waldmeister (grün) und Delphino (blau). „Die Erwachsenen bevorzugen Sorten mit Joghurt, Quark oder Buttermilch. Bei großer Hitze wird mehr Fruchteis verlangt, ist es kühler, gehen andere Sorten besser.

Zu den exotischen Angeboten gehören Zimt, Buttermilch-Cranberry, Litschi oder Quark-Sesam-Honig. Ungewöhnlich ist Haselnuss mit selbst gerösteten ganzen Nüssen (lecker!) oder Prosecco.

Beim Eisbär kostet die Kugel mittlerweile 90 Cent. Schröder bedauert: „Die Lohnkosten sind gestiegen, die Stromkosten, die fürs Material und die Ladenmieten auch, leider.“ Er spart an den Nebenkosten, indem er nur Eis-Dielen hat. Das heißt: Keine Sitzplätze, an denen die Leute bedient werden, keine Gläser, nur Mitnahmeware: etwas Kaffee, Eis und Milchshakes. Damit reduziert er seine Fixkosten. Deshalb auch kann er den Kunden seine Eisbecher zum moderaten Einheitspreis von 4,90 Euro anbieten. Und das große beliebte Hörnchen mit drei Kugeln, Sauce, Streuseln und einem Mini-Mohrenkopf gibt es für 3,90 Euro.

Zurzeit teilt er sich mit seiner Frau die Arbeit. Seine älteste Tochter hat aber auch schon Interesse angemeldet: ‚Sie sagt: Wenn ich groß bin, will ich Eisverkäuferin werden.’“ Dann wird sie sicherlich den „Tag des Speiseeises“ schon kennen.

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