2008 wurde ein Teil der Stadtwerke Hilden verkauft

Vor zehn Jahren wurde ein Teil der Stadtwerke Hilden verkauft – an die Stadtwerke Düsseldorf: Scholz: „Unsere Entscheidung war richtig“

Der Einstieg der Düsseldorfer Stadtwerke war heftig umkämpft. Gestritten wurde politisch und auch vor Gericht. Eine Bilanz nach zehn Jahren.

2008 übernahmen die Stadtwerke Düsseldorf 49,9 Prozent der Anteile an den Stadtwerken Hilden. Bürgermeister Günter Scheib und Markus F. Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Düsseldorf, unterzeichneten den Kaufvertrag am 24. September. Bewusst vor den Augen der 150 Mitarbeiter. Sie durchlebten zwei Jahre lang ein Wechselbad der Gefühle. Ihre Interessen wurden in einem mit der Gewerkschaft Verdi ausgehandelten Vertrag festgeschrieben.

Der Verkauf war ein politischer Krimi. Erst wurde erbittert im Stadtrat über das Für und Wider gestritten. Dann scheiterte ein Bürgerbegehren aus formalen Gründen. CDU, SPD, FDP und Unabhängige setzen schließlich mit Mehrheit den Einstieg der Düsseldorfer durch – als strategischen Partner. Das Kartellamt genehmigte den Handel. Dann stellte sich plötzlich die Bezirksregierung quer. Sie wies den Kreis Mettmann an, der Stadt Hilden den Verkauf zunächst zu untersagen. Schließlich segnete auch die Bezirksregierung die Zusammenfassung der städtischen Beteiligungen in einer Holding ab.

Zehn Jahre später zieht die RP mit Beteiligten Bilanz. „Unsere Entscheidung war richtig“, sagt Jürgen Scholz (SPD), Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Hilden: „Wir wollten die Stadtwerke stärken, nicht ausbluten lassen. Sie sollten profitabel bleiben. Wir wollten den Standort Hilden und die Arbeitsplätze sichern. All das ist gelungen. Und der Verkaufserlös ist auch noch da.“ Die 52 Millionen Euro wurden in der Stadt Hilden Holding deponiert – sonst hätte die Stadt hohe Steuern auf den Verkauf zahlen müssen. In der Holding sind die kommunalen Beteiligungen Stadtwerke, Stadthalle, Grundstücksgesellschaft der Stadtwerke, Verkehrsbetriebe der Stadtwerke (Ortsbus) und Wasserwerk Baumberg zusammengefasst, vor allem aus steuerlichen Gründen. Diese vom Finanzamt genehmigte Konstruktion erlaubt es, dauerhaft Gewinne der Stadtwerke mit Verlusten (Stadthalle, Bäder, Verkehrsbetriebe) steuermindernd zu verrechnen. Die Stadtwerke Hilden halten inzwischen wieder 75,1 Prozent der Anteile und schreiben seit zehn Jahren zuverlässig schwarze Zahlen (2,6 Millionen Euro Gewinn in 2017, 2018 2,3 Millionen geplant). Die Zahl der Mitarbeiter (2008: 150) ist nicht gesunken, sondern leicht auf 165 gestiegen. Kritiker hatten befürchtet, dass die Kunden den Handel mit höheren Energiepreisen bezahlen müssten. Die Preise für Strom und Gas sind bei den Grundtarifen beider Stadtwerke ähnlich. „Wegen der unterschiedlichen Netzentgelte kann man beide aber nicht wirklich vergleichen“, erläutert Hildens Stadtwerke-Chef Hans-Ullrich Schneider.

Dass die Stadtwerke einen starken Partner brauchen, hatte übrigens auch ein Gegengutachten des Betriebsrates 2007 bestätigt. „Wir kaufen über die Handelsplattform der Stadtwerke Düsseldorf Strom ein“, berichtet Hans-Ullrich Schneider, seit 2010 Geschäftsführer der Stadtwerke Hilden: „Für uns allein würde sich das nicht lohnen.“ Die Düsseldorfer überprüfen das Hildener Gasnetz. Und Hilden nutzt die Störungsannahme der Düsseldorfer. Das Contracting wiederum (Heizungsleasing) haben sich die Düsseldorfer bei den Hildener abgeschaut. „Wir sind mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden“, sagt Schneider und lobt den „kooperativen Stil“ der Anteilseigner aus Düsseldorf.

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„Wir empfinden die Beteiligung der Stadtwerke Hilden äußerst positiv, da wir mit einem gut aufgestellten und ebenso gut geführten Unternehmen zu einzelnen Themen und Kooperationen in Austausch gehen können“, heißt es bei den Stadtwerken Düsseldorf: „Wir arbeiten mit den Kollegen aus Hilden vertrauensvoll zusammen.“ Dazu passt, dass die Düsseldorfer seit 2011 auf einen eigenen Geschäftsführer bei den Stadtwerken Hilden verzichtet haben.Es gebe keine Überlegungen, die Beteiligung zu verändern, sagte Pressesprecherin Nathalie Güttler. Beide Stadtwerke betreiben unter anderem zusammen den Windpark Prützke 2.

Die Grünen lehnten vor zehn Jahren den Teilverkauf der Stadtwerke Hilden ab. „Stadtwerke sollten als kommunale Versorger zu 100 Prozent in städtischer Hand bleiben“, sagt Ratsmitglied Klaus-Dieter Bartel: „Das ist für uns nach wie vor richtig.“ Das Verfahren sei damals nicht ganz fair gewesen: „Es gab auch andere Bewerber, aber die Düsseldorfer sollten den Zuschlag bekommen.“

Die Stadtwerke Düsseldorf waren damals in der Hand der EnBW, die stark auf Atomstrom setzten. Auch das habe die Grünen gestört. „Heute hat das Land Baden-Württemberg einen Großteil der EnBW übernommen und eine grün-schwarze Landesregierung.“ Der Einstieg der Düsseldorfer habe keine negativen Einflüsse auf die Hildener Stadtwerke gehabt, räumt Bartel ein. Trotzdem wäre es für die Stadt wirtschaftlich besser, wenn sie 100 Prozent der Anteile besitzen würde. Denn angesichts der Mini-Zinsen werfe der Erlös des Anteilsverkaufs nur wenig Rendite ab. Geschäftsführer Hans-Ullrich Schneider mache eine guten Job, meint Bartel: „Das würde aber auch ohne die Düsseldorfer funktionieren“, findet der grüne Fraktionschef.